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Die weibliche Stimme: Gudrun

13.05.2017

Auf einem Stuhl vor dem Fenster

Wie der Kalk der kahlen Wände
ist mein Haar so glatt und weiß.
Aus Blüten herabgefallene Falter
schlafen mir im Schoß die Hände.

Ich weiß nicht, ob ich träume,
wenn ans Fenster klopfen
kleine Schnäbel oder sind es
grauen Himmels leere Tropfen.

Ich weiß nicht, ist es Morgen,
der Schleier um die Pappeln webt,
ist es Abend, der im Schwalbennest
die kleine Sonne hat geborgen.

Der Strahl des Tages las erstaunt
in meinem aufgeschlagenen Gesicht.
Aus den Falten meines Herzens trank
der Vogel der Nacht ein süßes Licht.

Die Regentropfen an der Scheibe
übertäuben meines Daseins
leises Beben. Mich umschwebt ein Duft
wie eines herben Apfelweins.

 

Rezitation:
Die weibliche Stimme – Gudrun

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