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Die weibliche Stimme: Isolde

18.05.2017

Vor einer Schale, in der Blütenblätter schwimmen

Eine gläserne Schale,
die sich langsam dreht,
eine summende Sonnenuhr,
ist meines Lebtags Umschwung,
und über ihre Ränder
quellen Tropfen Lichts,
auf ihren Wangen
glühen bunte Schatten,
die im Schlaf verlöschen.

Umrandet vom Golddunst
der Dämmerung,
gefüllt mit Seufzern
blauen Dufts,
ist der Kelch meiner Nacht,
den Abschiedsschmerz
von weißen Rosen
mit Tau beschlägt.

Eine Schale aus Kristall,
die fernen Gewittern voraustönt,
einer Schale kühler Schoß,
gefüllt mit grüner Feuchte,
auf der ein Flaum
des Mondes schwimmt,
der schon versinkt,
steht auf der Schwelle
meines Abschieds –
mein nackter Fuß bestreift sie kaum
und wundert sich,
als hätten warme Moose ihn geküßt.

 

Rezitation:
Die weibliche Stimme – Isolde

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