Sonett von den Tränen
Du liegst bei offnem Fenster, lauer Wind
umströmt der Glieder weiches Warten,
es tönt wie Rufen aus dem bangen Garten,
ob Südens Boten schon gekommen sind.
Nun ist es wie ein wildes Küssen, blind
von steten Tropfen auf der Simse harten
Basalt – von letztem Eise rinntʼs in zarten
Gesängen durch der Wollust Labyrinth.
So ist mein Lied ein letztes Niedertauen
des warmen Schnees, der mich wie Schlaf umfing,
an eines Blumenmundes Frühlingshauch,
und fallen tönend Tropfen wie von blauen
Lupinen Tau in einer Schale Ring,
willst weinen du vielleicht im Stillen auch.