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Dichters Stunde

18.04.2018

Sachte klopft sie an
und leise tritt sie ein,
einer Hirtin gleich
mit begrüntem Weidenstab
und offen wallt das Haar,
in dem noch Blüten haften.

Sie legt sich ihm zur Seite,
der sich schon bettelnd
in die Dämmerung gekrümmt,
und schüttet ihrer Locken
Wogen über sein Gesicht,
und alle Ufer schwinden.

Sie öffnet ihr Gewand
und führt die ausgeblühte Hand
an ihre weiche Brust,
die Hügel eines Abends,
wo warme Lämmer weiden,
und öffnet ihm ein Tal,
sich weinend hinzubreiten.

Sie löst von Wimpern Tau,
der rinnt von Laub und Wangen
in die sanfte Nacht,
eine Quelle gibt sich ihm der Mund,
und ergeben trinkt er
Abschieds stillen Kuß.

 

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