Abendständchen
Ein Musselin von laubgedämpften Tönen,
die sich um krokushelle Glieder schlingen –
sie sterben hin in sanftem Liebesstöhnen,
sie blühen auf, als würden Wolken singen.
Du wandelst dich zu blumigen Gestalten,
wenn sie die Knospe deines Ich entfalten.
Du kamst aus dürren Zonen in den alten Garten,
du pfiffst ein Gassenlied und rochst nach Nüssen.
Das Haar so weiß, das Herz ergraut von Warten
auf Liebe, Liebe, die Seufzer löst in Küssen.
Nun bist vom Hauch des Abends du umschauert,
ein Klang, der lange, lang, bis in die Träume dauert.
Und Bild und Sehnen, Traum und Lust verblassen,
nur Erde bleibt und ihr Geruch nach Feuer.
Nur Himmel bleibt und was die Wolken lassen,
ein trunknes Weiß, ein Blau, so weh und ungeheuer.
Nun bist vom Lied des Abends du umfangen,
und alles Wähnen, alles Sehnen ist vergangen.
Als säß ein Fiedler in den Kirschbaumzweigen
und spielte vor sich hin und strich den Bogen,
als müssten sich vor ihm die Lilien neigen,
als hätt er ihn bis an den Rand der Nacht gezogen.
Und du, du liegst, im Grase auf dem Rücken,
und ein Gefühl, wie Pollenflug, es will dir glücken.
Comments are closed.