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Aus den Gärten der Hesperiden

05.03.2018

Dem citrushellen Fleck,
der zwischen Kieseln quirlt
und über Gischt und Bäche hüpft,
folge nur, er wird nicht trügen,
wenn er von frisch begrünten
Myrtenzweigen tropft,
ein Schönheitspunkt auf weißer
Wange Hügel nistet, ein Hauch
von Mond des Nachts
dein dunkles Fenster trübt.

Wisse doch, der schattenlose Schein
fiel als du beim warmen Lied
der Flammen in der Wiege schliefst
durch blaue Furchen
hoher Frühlingswolken
aus Himmels Gärten
vom Baum der Hesperiden,
Töchtern des Gesangs
von Morgenstern und
Abendstern hernieder
und bleibt ein Sonnensinn
auf deinen dunklen Pfaden
schäkernd und verspielt lebendig

Wisse doch, was in jenen Gärten
süßen Saftes voll zu Glanz sich
und zur Reife ründet, was Jugendröte
Mund und Wangen schenkt
leichter Lebenden, ist hier ein Schein,
vag auf Wassern spielend, das Gold
an Kelchen des Gebets, verblassend
unter so viel Küssen, das Licht
aus Blüten sinkend in den Traum,
an dessen Ufer uns nur schwacher
Duft verbleibt, Koralle, die jäh
unter Wogen eines hohen Worts
auftut ihren Wundermund,
rasch graues Brausen wieder schließt.

Lauf ihm nur nach, versuche ihn
zu fangen, den schönen Schein,
wie frohes Kind die weiße Wirbel-
Flocke und was klebt an Windes Finger,
Schnee von Kirschenblüten,
Ginsters Lippe, gelbes Lindenblatt.

Und sitzt gedankenlos du manchmal
im alten Garten, lebst der Wärme,
die in Laubes Farben Sommer mischt,
läßt saugen herben Kräuterduft den Schlaf,
zuckst du erschrocknen Schoßes auf,
bestaunst, wie wunderlich die Frucht
dir zufiel, unbesehen, ungesucht,
als wäre sie geträumt.

 

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