Wann aber, Flammen?
Wann aber, daß hinschmilzt Stirne und Bangen
und Luft der Bläue die Herzkammer füllt,
ihr Flammen, wann, wann der Geburten Feuerzangen?
Das goldne Geweih, den Samt der Nacht zu schlitzen,
eines Hirsches unter Nordmeers grünen Blitzen,
der den Schnee gehackt nach bitteren Kräutern.
Das tödliche Horn, honigtropfend, o Rufer,
der den Soldatenmantel der verlorenen Schlacht
über die Veilchen schleift an Herzsees Ufer.
Wann aber Blitze aus dem Munde der Gnade,
die morsche Borke verhornter Bäume zu beiteln,
Blitze von Schreien, die das Haar der Wollust scheiteln?
Und duldsamen Schalentieren, Wahnlymphe trieft vorbei,
schwitzenden Seelen im krustierten Etui,
wann Blitze knackt entzwei ihr das keusche Email?
Doch die Tage frieren unter falscher Glut,
schütteln, sanglose Vögel, die grauen Tropfen
aus dem Gefieder, farbloser Worte den Sud.
Verdorrte Zungen knistern in qualmenden Halden,
Würmer der Vorstadtbeete, harten Kotes Blähen,
baumeln über den Schreibertischen, Traumtrophäen.
In den heißen Getrieben friert das Öl der Begierde,
aus den Totenbetten der Regale recken sich tote Hände
nach den Wegwerfseelen um eine Totenspende.
An der Grenze zwischen Meer und Nacht schäumt
rote Milch, in der die Toten die Bälge waschen,
verrauschter Schwingen sinkende Aschen.
Aber ein Wehen genügt, der Wind von Blumenglocken,
der Edens Garten entsteigt, schmerzliche Düfte,
den Toten aus dem Dickicht der Schatten zu locken.
Aber der Mund eines kindlichen Liedes auch
kann den schwarzen Herzkristall, kann den Kristall
wieder entzünden mit ersterbender Küsse Hauch.