Vergebliches Spiel
Lange saß die Ringeltaube auf dem Dach.
(Die wievielte Generation mag sie wohl sein
von allen, die hier im Hinterhof gurrten?)
Sie schien so ruhig, wie gefaßt,
schaute nur manchmal links und rechts,
putzte auch rasch das Gefieder am Hals.
Was hat sie gesehen, als sie herabblickte,
als sähe sie mich? Was wohl empfunden?
Sich selbst, das ungeheure Dasein der Welt?
Ja, viele Generationen, die sie verkörpert,
und hinter allen den Ursprung von allem.
Und ist der Ursprung nicht sichtbar an ihr?
An ihrem kleinen Kopf, den Flügeln,
die in der Luft wie in Wasser klatschen,
im anmutig-hellen Ring um den Hals,
der sagt: „Ich bin schöner als du!“
Da flog seine Täubin herbei,
setzte sich daneben, in einigem Abstand –
schon war er die Puppe in einem Spiel,
von unsichtbaren Fäden gezogen,
spreizte er kunstvoll den Fächer
des Schwanzgefieders und verhalten gurrend
drehte er sich aufgeplustert um sich selber.
Sie indes ließ sich nicht blenden
von seinem halbherzigen Balzgetänzel
und wandte gelangweilt sich von ihm ab,
flatterte alsbald entschlossen davon
auf das niedere Garagendach,
auf dem Gräser und Kräuter wuchern
und wo sie wohl nisten.
Nie habe ich eines ihrer Jungen erblickt.
Wie schade!
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