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Die Rose und das Wort

23.04.2026

Dem Andenken an Stefan George

Sie zögert noch, die Lider aufzutun,
als wolle sie den Duft im Innern wahren.
Doch muß die Blütenpracht sie offenbaren,
denn Eos’ Finger lassen sie nicht ruhn.

Ob wohl der Falter, der herangeschwebt,
für ihre samtene Anmut hat noch Augen,
wenn seine Lippen gierig Nektar saugen –
sie bleiben stumm, vom Seim der Lust verklebt.

Daß, Dichter, dir der Sehnsucht Vers mag nähren
ein Wohlgeruch, der fern aus Eden weht,
von Rosen, ungeschaut, imaginären,

er Schönheit künde, die nicht untergeht.
Kein blinder Geist der Zeit soll sie verheeren,
solang das Wort des Sehers fortbesteht.

 

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