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Das Verfehlen

19.10.2023

Am Fenster, da sitzt sie, die Alte, und schaut,
sie fühlt die Strahlen wohl, die spät noch wärmen,
doch kaum, wenn südwärts die Kraniche schwärmen,
wie Glanz ihr die runzlige Wange betaut.

Der Knabe, vom Irrlauf durchs Dickicht erhitzt,
schläft zuckend am Waldrand im Moose,
ihm träumt vom Duft nicht der prangenden Rose,
vom Dorn nur, der ihm den Diebsfinger ritzt.

Dem Dichter hat Liebe die Leber zerkocht,
er löscht den Stumpf sich mit bitteren Tränken,
hört nicht die Engel mehr Glocken hold schwenken,
nicht, wie an die Scheibe zart Frauenhand pocht.

O daß wir die Gnade des Lichtes verfehlen,
dem Liede den Stern hoher Heilsnacht verhehlen.

 

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