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Hymnischer Herbst

29.09.2017

Als die Bilder dunkelten,
mir sanken die Lider,
stieg ans Ufer des Schlafs
ein Duft
wie aus dem Bruchstein
alter Keltern.

Ein Wort,
funkelnd wie die Träne,
ein einziges reines,
dem Honig gleich geschleudert
aus Waben
verdämmerter Schmerzen,
von Sonnenküssen gesüßt –
daß es tropfe
deutschen Zungen!

Ein Flügel,
der parnassischen Schnee gestreift,
ein Flügel, noch feucht
vom blauen Klang
kastalischen Quells,
ein Flügel
mit dem kindisch geflüsterten Flaum,
der das Herz der Liebe gefächelt –
daß Wehmut
sein Wehen erwecke!

Ein Krug,
blaugrauen Tons gebaucht,
den zarte Hand umschmeichelt, gefüllt,
und gießt
südlich helle Melodie
den Herbst
gereifter Seele ein –
daß in sein Gold
die Abendstille tauche!

Ein Kranz
von Veilchen geflochten
in Efeus grüne Schauer,
der hohen kranken Seele,
da sie schon fast entschlief,
von fraulich guter Hand
um die blasse Stirn gelegt –
daß ihr Abschiedshauch
den Abgrund überschwebe!

 

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