Nachgeträumte Terzinen
Wir sind wie Glocken, die noch leise beben,
wenn schon am Gnadenschrein die Kerze schwelt,
das Echo ferner Welt, verblaßter Leben,
wie nächtens Schnee Erinnern uns beseelt,
doch schmilzt er schon dahin, wenn Morgen graut.
Wir sind ein fernes Echo, das dem Traum verhehlt,
wie längst des Sängers Mund die Schatten kaut,
wenn dunkles Melos unser Herz bestrickt,
die Träne an der Herbstzeitlose taut.
Gleich Lilien, die ein roher Schritt geknickt,
so träumen wir verwehten Düften nach,
von keines Falters Auge mehr entzückt.
Die nackte Krume liegt im Schneelicht brach,
und Flocken säumen uns den Traum vom Leben,
wir fühlen nur, wenn uns die Rose stach.
Wir sind wie Glocken, die noch manchmal beben,
wenn Mohn und Moos um die Altäre schauert,
verglühter Hymnen Wolken sie umschweben.
O Engel tränenlos, der in der Nische kauert!