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Schnitte durch ein Dichterleben

11.11.2018

Es war ein Veilchenduft,
ein Licht, das schmerzlich tropfte
vom Barte weißer Nelken,
was mich sagen läßt,
die Nacht der Geburt war wunderlich.

Ich war die Schlafzimmerkommode,
worein Mutter ihre Perlen steckte,
ins Geheimfach lila Briefe,
ich mußte all sie lesen,
dann war es plötzlich leer.

Ich war das krumme Messer,
womit Großvater den Hühnern
durch die Kehle schnitt.
Und lag dann schartig auf dem Fenstersims
und glänzte manchmal in der Nacht.

Ich war der Knäuel weicher Wolle,
den Großmutter lallend aufgewickelt,
und ließ die Katze damit spielen,
ich muß sagen, ach,
der Knäuel ward zerzaust.

Ich war in Vaters Haar die Flamme,
in seiner Kehle dunkle Glut,
die kein Schrei ihm löschen konnte
und kein Wein. So singe ich
mein Lied aus Feuer und aus Wein.

Ich war einer Liebsten Lippenstift
und gab ihr eine Nacht voll Glanz,
doch wischte eine fremde Hand
die falsche Blüte ab vom Mund.
Ich muß sagen, ach … sagen, ach.

Ich bin, ein roter Ball,
geschubst von einem wilden Knilch,
um die ganze Welt gerollt,
und muß nun sagen, ach,
die Erde ist nicht rund.

 

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