Das alte Wort
Das immer wieder polierte Silber
täuscht Jugend vor
mit mattem Glanz.
Die eifrig geglättete mürbe Erde
aus Ton und Lehm,
Kinderhände patschten darüber,
lacht in falscher Frische.
Das ausgeleierte Seil
aus Hanf oder Bast
grinst mit tückischem Schein
an der dünnen Stelle,
wo es reißen wird.
Doch das scheinbar vernutzte Wort,
die abgeschliffene Wendung,
das alte Wort,
kannst du wie einen Kieselstein,
einen glatten, flachen,
über das Wasser verstummten Gesprächs
springen und hüpfen lassen –
wo er einschlägt,
schäumen die Wünsche auf.
Das tausendfach gesungene Amen
taucht tiefer und tiefer
in Gottes Schoß.
Das tausendfach zugesprochene Ja
ist tausendfach entzündet
ein Stern, ins Dunkel geworfen.
Das schartige Messer des Nein
blitzt heller mit jedem Mal
in der Nacht des Verrats.
Jedes warm gepriesene „Schön!“
ist der Blume gleich,
die aus dumpfem Schlaf
ihre Knospe auftut
dem Auge des Tags.
Ein jedes „Gebenedeit!“
ist ein Tropfen Öl,
der in die Schale geträufelt
die Flamme der Andacht
freudiger flackern läßt.