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Es dunkelt schon die Lust der Glieder

16.03.2021

Wozu denn durch das Schattendickicht streifen,
wenn wir zu Hause trockne Pollen finden,
wir können nicht wie süße Früchte reifen,
die gelbe Sonnen drängen, sich zu ründen.
Wozu für Blume, Tier und Menschen Namen,
sie wehen hin wie lose Blütensamen.

Wir gingen einsam durch die Traum-Alleen,
im Herbst des Herzens gilbten schon die Blätter,
und immer taucht ein Mond in ferne Seen,
und immer zackt auf Matten Gottes Wetter.
Wozu denn atmen, ahnen, Zeichen schreiben,
Eisblumen tauen sie auf warmen Scheiben.

Nacht kommt, es dunkelt schon die Lust der Glieder,
zerbrochen ist der Ring der Weihezeiten,
und seiner Mitte Leere tönt nicht wieder,
der Tau der Knospe will ins Innre gleiten.
Wozu denn atmen, reden, etwas scheinen,
wenn Veilchen auf vergeßnen Gräbern weinen.

 

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