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Notturno

10.10.2017

Es singt die Luft, es singt das graue Wasser
mit Tropfen dunkles Ahnen, helles Bangen,
es plappert Wind mit Regenlippen, knistert
Gebüsch vom Licht des Herbsts, vom feuchten Schwellen
der Beeren, rot- und gelbe Blätter flüstern
der Stille vor, der Einsamkeit der Tage,
wenn wir die müden Wege bahnen, müde
vom Schnee der Träume, dichter, weißer fallend
auf Furchen öden Felds, verholzten Wingert,
in den das wilde Tier, das Herz, gekrochen,
es lauscht gekränkt in solcher Nacht der blauen
Musik des Übergangs, und lange hört es
nur eignes Brausen, heißer Wehmut Rauschen,
doch ebbt es zärtlich nieder, schwirren Schwalben
durch Höfe ferner Kinderzeit und muhen
die warmen Kühe im Drang der vollen Euter,
ein Klappern, Rasseln, Eimer, Ketten, endlich
das Ächzen einer schweren Eichentüre,
es wühlt der Morgen feuchten Dungs Gerüche,
ein Fahrrad klingelt sich durchs Schulgelände,
der Kirchturm ruft, bis Moos und Moor ihn schlucken.
Ein Streifen Lichts, wie Lippe Schnees, erzittert
am Saum des seltsam aufgeregten Vorhangs,
und Schlaf treibt wie ein Blatt auf grünen Wassern
ins Uferlose, Träume sind die Zweige,
der Weide Haar, auf schwarze Steine weinend,
die Male lang vergessner toter Lieben.

 

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