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Sinngedichte

22.09.2016

Die Wolke

Ich stamme aus dem Meer, muß darin auch vergehn,
und flog doch himmelhoch, kam bis zum Kaukasus.
Gestalten wurden mir, so schön und weich und weiß
wie Aphrodite selbst, und schaurig wie Hephaist.

 

Der Fels

Ich bin die Urgestalt im sinnenfernen Reich,
endlich verzehrt auch mich die Zeit, das Weltgericht.
Der Tropfen leiser Klang zerfurcht mir das Gesicht.
An Windes warmem Kuß wird meine Härte weich.

 

Die Quelle

Sie ist der Mund der Erde, der von Zukunft spricht,
von der Lust, die Nähe zu begrünen und die Ferne
heimzuholen in den frischen Trunk des müden
Wanderers, der ihrem Lebensliede lauscht.

 

Die Blume

Sie weist ein dunkles, ewiges Bestreben,
sich dem Fels, dem dunklen Abgrund anzuschmiegen,
in magischen Farbentänzen sich im Licht zu wiegen,
zu dienen mit dem Duft der Fruchtbarkeit dem Leben.

 

Das wilde Pferd

Es springt und tänzelt aus dem Traumgeäst,
des Lebens Harmonie singt aus dem Schwellen
der Glieder, sie tauchen aus azurnen Wellen
an das Ufer, wenn es aus den Nüstern bläst.

 

Die Puppe

Sie ist des Menschen Bild mit ihren Nähten,
die ein fremder Wille dehnt und zieht.
Und keine Träne ist, die ihr erblüht,
wenn die Rosen sinken hin, die späten.

 

Der Mensch

Er beugt den Schicksalsblitzen seinen Rücken,
die Frucht zerfällt in seiner Hand
und seine Freude blüht an Todes Rand.
Der Wunde dunkler Sang mag ihn beglücken.

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