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Verwandlung

20.01.2018

Deine Seele fädelt um die Kralle eines Vogels
und steigt mit ihm ins Nest der blauen Luft empor.

Du siehst entsetzt, wie er den jungen Vogel atzt.
Schnabel klirrt an Schnabel, Horn an Horn.

Wie nackt der Nackte seine Flügelstummel spreizt,
und seine Augen blitzen dich entzwei, Rubinen.

Und du gestaltlos wie ein Wurm, den Liebe ringelt,
steckst halb im Traum, halb schon verdaut im Schlund.

Jetzt löst du dunstig dich ins warme Dunkel auf,
und immer näher pocht dir heiß ein Vogelherz.

Du schläfst im Blut der Kreatur ein Jahr gebannt,
bis dich ein Zittern weckt, ein Schluchzen hebt.

Traubensüße Kehle gluckst, Gefieder rauscht.
Schnabels Klappern wirbelt Lebensgeister ein.

Der Vogel singt und du mit seiner Stimme Schmelz.
Dir jauchzt vom Flaum gekitzelt jung das Lied.

Es schimmert ein Opal, tief unter dir das Meer.

 

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