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Wir sind gemischte Wesen

14.07.2016

Angeregt von den romanischen Fabelfresken in der Kirche St. Jakob in Kastelaz, Südtirol

Wir sind gemischte Wesen aus Flamme und Schnee,
Dung und Stern, Schleim und Wind, Brodem und Kristall,
wir ziehen die widersinnige Wurzel aus dem All,
atmen den Tod, keimen im Kot, jubeln im Weh.

Unsre Blicke, die Pfeile, triefend von Schlangengeifer,
kühle Blitze, die träge Herzen necken und quälen,
unsre Zungen, die Messer, die Äther-Früchte schälen,
ozeanisch-seufzender Mollusken küssende Greifer.

Unser Hirn, die Sirene, die warmem Blute nachsingt,
den Betörten auf ihr schwimmendes Eiland lockt,
wo sie mit peitschenden Flügeln über Schädeln hockt –
ihre Brüste über dem Mund des Erstickenden schwingt.

Unser Mund, der Aschen-Schoß, der geflügelte Samen schluckt,
die zerhackten Herzen der Dinge, die Kinder der Luft,
die Eingeweide des Wahns, der Kräuter nächtlichen Duft,
und sie mit Träumen vergoren in den Abort der Sprache spuckt.

Unser Herz, Melusine, die sich aus flüsterndem Röhricht lehnt,
ihr Gesicht gleitet dahin unter Mondes keuscher Blume,
ihr fühlloser Schweif glitzert wie keimlose Krume,
kein Gott, kein Engel, kein Mensch weiß, wonach sie sich sehnt.

 

Siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Jakob_in_Kastelaz#/media/File:13th-century_unknown_painters_-_Fabulous_Creatures_-_WGA19688.jpg

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