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Zwischen Erde und Himmel II

29.11.2017

Staubfäden des Lichts,
Mücken verzückten Seins,
verlöschend
an der nassen Wange des Walds.

Rauchfahnen, Stimmen,
geschmiegt an die Hügel,
zerrissen am Gestrüpp
der Dämmerung.

In den Herd gesteckter Dämon,
Feuer,
der noch zwischen den Fugen und Ritzen
lüstern nach Freiheit leckt,
schwebend an Granitästen
über dem Tal die weißen Hütten,
Nester männlichen Trotzes,
Stimmen halbwilder Knaben,
die am Gebirgsbach Dämme aufschütten
und jubelnd niederreißen,
das geschnitzte Boot schwemmtʼs
torkelnd zur Tiefe.

Abseits im Heu des Schobers
leckt eine Kuh ihrem Kalb
den Mutterkuchen
von den zuckenden Gliedern,
der Knecht hackt tags
mühsam ein Loch in den gefrorenen Grund
und vergräbt ihn
zwischen dem Wurzelgeflecht
einer alten Lärche,
die längst ihr Gold der dunklen Demut
der Moose hingeschüttet hat.

Schnee eines ewigen Winters
hat alles umsponnen
mit weißem Schlaf,
der alte Knecht schläft
unter einem schiefen Holzkreuz,
die Knochen der Kuh und des Kalbs
zermahlen im Dung,
die Glut im Herd unter Laken grauer Asche,
die Stimmen klopfen,
ohnmächtige Finger des Traums,
gegen die gläserne Decke des Bachs.

Die Kinder,
die Kinder sind ausgewandert,
sie gehen schlaflos
durch die windigen Schluchten der großen Stadt,
wo der Asphalt die Plazenta
des nährenden Sinns erstickt hat.

 

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