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Das Eiland der Auserwählten

29.10.2017

Wie die Möwe die Welle spiegelt,
Gischt des Geschicks,
tänzerisch
mit den weißen Spritzern ihrer Flügel,
ihr Schrei aber
den wirbelnden Schnee der Kronen,
das Blut der Abendsonne,
das in die dunklen Furchen tropft.

Nicht anders sind Schaum
wir Gemeinen
der schwarzen Schicksalswoge,
leiht uns seinen Flügel der Engel nicht
für eines Schwebens kurzes Glück,
ungreifbar nah
Lichtes Rosenknospe zu sehen,
sinken wir tiefer schon
in den Schoß der Nacht zurück.

Doch manchen winkt mit Lilien
eine Insel hohe Einsamkeit,
dort zu rasten eine Weile
unter grünen Schatten
einer Ulme oder Birke,
eines kleinen Vogels Lied
und blauer Luft zu lauschen,
oder im Auge eines grünen Wassers
das eigne Auge zu erblicken.

Lied und Luft verebben.
Abend rinnt
an stummen Zweigen rot.
Wimperndunkel.

Es knirscht im Traum
wie Schiffes Bug,
der am Felsen splittert.
Und drängend, flehend
seufzen Wasser auf.

Eines Engels ausgerauschte Flügel
schlossen sich
und jene Auserwählten schlafen.

 

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