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Der Geist der Liebe

30.01.2019

Wie kleine Monde schimmern
Eier im Nest der grünen Dämmerung,
gehalten von zartem Flechtwerk
im Schilf, das kaum fühlbar zittert,
wenn Wolken auf den Wellen gehen.

Sie sind noch warm und warten
auf die Wiederkehr der Eltern.
So bang die Halme, atemlos
wie die ins Dunkel äugt, die Angst.

Sie kommen nicht zurück.

Der Geisterschatten einer Wolke,
der Blitz aus einem Eulenauge
hat sie hinweggeschreckt,
das rote Zischen einer Schlange.

So liegt in bunt gefleckter Schale
das Wort im Nest der Dämmerung,
das im kalten Winde schwankt,
der ihm die kleine Wärme nimmt,
und kann nie ausgereift ans Licht,
ins Freie kommen, nicht den Flug
zum Schnee der Gipfel wagen,
jenen, der im Abgrund schläft,
mit süßem Zwitschern nicht erwecken.

Der Liebesgeist hat es verlassen.

Was hat ihn töricht denn verschreckt,
vor welcher Schlange, welchen Dämons
bösem Blick ist er ins Heimatlose
ferner Gärten ausgewandert,
wo er im Feuer wilder Rosen,
im Samenvlies der Disteln
das ungetane Werk erblickt
und bitteren Eingedenkens
sich Glanz von Tränen leckt?

O es war der Schrei aus einem Maul
aus Stahl, das Hämmern glühender
Gestänge, obszönes Quietschen
von Gummimuskeln, das Glotzen
von Gier und Wahn aus Plastikfratzen.

 

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