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Der gerettete Torso

18.10.2017

Du gehst auf weichem Moos, es dämmert schon,
da nestelt Wind dir wie verliebt im Haar,
ein Wind, der zärtlich ward an manchem Duft,
und manche Träne Rosen trank vom Lid,
die Ringeltaube spreizt sich vor dem Blau
des Abends, hält dich innig gurrend hin,
der Park ist leer, doch einsam bist du nicht,
die Büsche tropfen Schauer bunten Lichts,
und was du lang geahnt, es rauscht der Baum,
dort ragt, umgossen wie von warmer Milch,
der Aphrodite Marmorbild, entrückt
der Lende sanfte Biegung dich, der Kranz
in losen Locken scheint von Veilchen rot,
wie aus des Kopfes voller Knospe blickt
ihr Auge leer herab, als flehe es
um Glanz, ein Krüglein Glanz, voll jenes Schnees,
der überirdisch rötet Idas Thron,
doch lächelt sie, weil Spatzen ihren Fuß
umpicken, goldne Körner fielen wohl
aus ihrem Gürtel, Falten rafft er kühn,
entblößt die Mondesründe eines Knies,
geneigte Hüfte singt vom Abschiedskuß
äolisch-süßen Lieds. Und ach, die Hand,
die zarte, hielt sie einst der Blüte Stiel,
sie dir zu reichen, oder eine Fackel, daß
auch dir die Anmut göttlich leicht verleibt
aufschimmre noch im Schattenreich, sie ist
ihr abgeschlagen, doch dir bleibt ja ganz
und unversehrt der Sinn, denn Fühlens nicht
ein dunkles Bruchstück soll uns Liebe sein,
wie all die Torsi des Gefühls, schon halb
vom Dung des Gestern zugeschüttet, nein,
sie soll uns unentstellt ein Gnadenbild
auf unsern Zwielichtpfaden wunderlich
erscheinen, hat uns Hauch schon angerührt
mit ferner Gärten sehnsuchtsdunklem Duft.

 

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