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Der Traum der sterbenden Rose

16.01.2019

Da sie nun welk dem wüsten Griff
des Windes neigt sich hin,
kommt jenes Knaben zarte Hand
ihr wieder in den Sinn,

der süße Tropfen seines Bluts
an bang gezücktem Dorn,
und machte dunkel ihr den Duft,
der aber ging im Zorn.

Ach, hätte er sie nur gepflückt,
in einem blauen Krug
wär ihrem Schoß des Nachts entströmt
des schönen Traums genug,

sie hätte Blatt um Blatt gestreut
sich haltlos in sein Haar,
gerötet Wange ihm und Stirn,
die weiß wie Mondlicht war.

Daß sie mit Blüten ihm nicht gab
den weichen Morgenkuß
auf kühlen Fliesen hingeweht
für seinen nackten Fuß!

So weint verwelkt sie ödem Hauch
gesparte Tränen hin,
und Überdruß pflückt ab der Tod,
die Blüten ohne Sinn.

 

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