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Distichen, herb und hold

18.02.2019

Krank ist ein Mensch, der seine Laster zur Schau stellt,
ohne Würde ein Volk, das seine Lästerer ehrt.

*

Singen, sagt man, sei ein Zeichen glücklicher Menschen,
aber was hörst du hier? Kreischen, Gejohle, Gekrächz.

*

Nektar troff die sapphische Weise, sie aber schlürfen
bitteren Geifer mit Lust, Widersinn hebt sie empor.

*

Über Wände, kahl und zeichenlos, huschen die Schatten,
aber sie nennen es Spiel, bis sich die Flamme verzehrt.

*

Grazien sind verbannt von den blutig triefenden Brettern,
Anmut steht unter Verdacht, seelisch verkrüppelt zu sein.

*

Liebe, sie leuchtet wie Schnee und kitzelt mit schmelzenden Flocken
Wimpern dunkelnden Blicks, Tropfen des sinkenden Lichts.

*

Liebe, Tau für die Seele, flatternd um dämmernde Rosen,
Träume suche im Glanz, der an den schlafenden rinnt.

*

Seelen, Bienen der Nacht, verweht in verwilderte Gärten,
in der Barke des Monds leuchten euch Waben des Schlafs.

*

Seid ihr Gespenster des Wassers, Phantome des Schnees, ihr
Schwäne, umgeisterter Flaum, gleitet in Stille davon.

*

Blitzen die Augen, spitzt sie schelmisch die Lippen, verwehrt ihm
Küsse auf Wange und Mund, liebender hüpft ihr das Herz.

*

Schlafe, schlaf, mein Kind, auf warmen Singsangs gebauschten
Kissen, mit Federn gefüllt, Schwingen des luftigen Lieds.

 

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