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Terzinen vom versickerten Wein

01.11.2017

Wie bald verschäumt die Fülle, ausgeschenkt
den Freunden als ein milder Wein,
wenn abends Flieder träumt und jeder denkt

an eine Seele, ferngerückt, ein Schein,
der weht, wie Mähne rot, am Waldesrand,
ob wohl die Wange noch die Blüte rein,

die ihm den Duft der Liebe zugesandt,
und ob des Haares gelben Phlox die Glut
des wilden Gotts zu Asche hat verbrannt.

Und jener denkt an das verpraßte Gut
der eignen Seele, das ihm anvertraut
der Ahnen rein bewahrter hoher Mut,

er hat es nicht in Gärten angebaut,
es keimte nicht in Brachen, nicht im Tand
des losen Worts, von Taten unbetaut.

Mich aber zieht der Fliederduft zum Rand
der Seen und Flüsse meiner Kinderzeit,
zum Hügel hin, wo die Kapelle stand,

wo manche Kerze lohte, zart geweiht
der Mutter und dem Kind von scheuer Hand,
der Dämon blies sie aus zu meinem Leid.

Wie sickert Wein in des Erinnerns Sand.

 

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