Tote Tiere
Damals,
als du noch forsch gewandert bist,
einsam immer
nach der Zeit der Fahrtenwimpel,
was war es nur,
Aas vom Fuchs,
Kadaver eines Rehs,
wie hat es dich gewürgt.
Du bist vorbeigehastet
an der Lichtung,
dem Abgrund unersättlich
tiefer Nacht.
Und als du einmal heimgekehrt
aus einer grauen Ferne,
schwamm in der Tasse Tee,
die schludrig du nicht abgeräumt,
ein selig Paar von Mäusen,
winzigen, wie erstmals aufgeschnellt
von kleinen warmen Zitzen.
Und drehten langsam sich im Kreis,
wie im leisen Sog von Träumen,
wie in Träumen.
Zähl nicht,
die unter deinem Schuh
erdrückt, zerquetscht, zermalmt,
Larven, Spinnen, Würmer,
und am bretonischen Strand
Seesterne, Muscheln.
Die in der Früh,
als du im Kinderbett
aus dumpfem Schlafe aufgeschreckt,
der Bauer aus dem Pferch getrieben
und in den engen Laderaum gezwängt,
quiekten, schrien, schrien,
als ob sie’s ahnten,
todgeweihte Schweine.
O schweig von abgenagten Flügeln,
Rippen, fetten Braten,
Schinken, all dem roten Fleisch,
das bleich zerkocht
doch deinem Dämon
hat gemundet.
Die Taube dann,
die in der Einfahrt lag,
von einer Krähe aufgerissen,
der weiße Flaum
rötlich überkrustet,
hast du ins Feuilleton gewickelt,
erlöst von der Lektüre,
und in die Abfalltonne
sacht hinabgelassen
das ausgegurrte Leben.
Und gehst an Gräbern du entlang,
wenn Flammen des Gedenkens
in der Dämmerstille flackern,
liest da und dort
die Namen, töricht-weise Sprüche
auf Steinen über Schädeln,
die aus Höhlen feuchten Glanzes
stille Blumen sahen,
die Glorie der Sonnen,
erloschener Sehnsucht Monde
und am Horizont ein Schwermutblau,
das sich dem Abendpurpur mischte,
staunst du über das Versinken
all der Kreaturen,
die keine Spuren hinterlassen,
derer keiner je gedenkt,
in dunkler Erde
anonymem Schlund.
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