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Der Abschied des Zeus

25.12.2018

Erhob als erster sich vom festlichen Mahle
der Vater der Götter und Menschen und stieß
den goldenen Thron der Herrschaft um, der Adler,
der auf der Lehne kauernd Brocken Fleisch
ihm aus dem Mund geklaubt, der Adler aber
entflatterte über den Schnee des Olymps
nach nirgendwo in leeren Himmels Bläue.
Ihm ward der Saft der Traube schal,
und schal, der ihn kredenzte, Ganymedes,
der Dunst der Menschenleiber war
ihm widerlich, er roch nach Angst, nach
Ambrosia nicht, den warmen Schoß,
der ihm sich reckte, säuerten Tropfen
Geschwätzes und ranzige Milch
der Eitelkeit geheuchelter Ekstasen.
Die nächst ihm saßen, der Gott des Spiels,
Apollon, und das hohe Kind Athene,
die Lyra sank, das blaue Licht
von Augen verdunkelten die feuchten Wimpern,
sie folgten ihm zur Schwelle, doch
er sprach: „Nun gehe jeder einsam Schicksals
verworrene Wege, du such den Ort,
wo schwarz dem Schnee entragt ein Kreuz,
birg dort die Lyra, von Efeu überwachsen,
du aber zieh durch wilde Flur
mit deinen Schwestern, ob ihr Kinder findet
entlegener Völker, die im Schutt
nach Bildern graben, Gesang im Wind vernehmen.
Ich steige zum Orkus jetzt hinab,
die Pforte den Titanen aufzuschließen,
daß sie wie Ratten durch die Nacht
der Erde hetzen und träufen dem verderbten
Geschlecht mit jedem Biß das Gift
von Pest und Wahnsinn ein, daß Chaos träume.“

 

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