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Grotte verklungenen Lieds

28.12.2018

Dem Andenken an Oleg Karavaichuk

O Pomeranzen, rotwangige Äpfel,
Dämmerung durchgeisternde Augen,
purpurne Tränen der heiteren Luft,
wollüstige Kugeln der Bienen,
Kirschen, Magnolienknospen,
blutende Lippen des Weins –
ihr glüht ja, duftet nicht mehr,
Gespenster aus leblosem Plastik,
in atemloses Cellophan gewickelt,
im Staub der schwarzen Vitrine.

O Seelen, kitzelnde Zungen am Gaumen
der schluchzenden Stille,
Blütenflämmchen im Tau
verwilderter Gärten,
pollenverzückte Wimpern,
die Gräser des Morgens sanfter
streifend als Schwanenflaum
die weiße Narbe des Schaums
auf nächtlichen Wassern,
blaue Flügel des Sommerwinds,
Grotte verklungenen Lieds –
vom braunen Firnis der Bilder
auf versiegelten Rentabeln
erdrosselte Seufzer.

O Antlitz, gläubige Rose,
ins Gold des Zuspruchs knospend,
das aus dem Spalt des Vorhangs regnet
selig zerrinnender Wolken,
Pupille kindlichen Lächelns,
Mädchenwange der Anmut,
gerötet vom Singen des Winds,
von süßer Müdigkeit betaut,
schlummernd auf Wassers weicher Hand –
ein dürres Blatt liegt deine Stirn
im alten Buch vergilbter Verse,
von keiner Liebe Mund mehr angehaucht.

 

Siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=zuj-bCEEjaQ
https://www.arte.tv/de/videos/058865-000-A/oleg-und-die-unerwartete-schoenheit-der-kuenste/

 

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