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Schnee VIII

19.01.2016

Da ist sie wieder, laut und schwarz.
Ihre Krallen zerreißen die Watte des Schnees.
Hörst du ihr gieriges Scharren?
Sie packt den glänzenden Wurm mit dem Schnabel.

Jetzt reißt sie ein schmetterndes Tremolo
auf den Dachfirst. Und sie verharrt.
Da ist nichts, was ihr einen Ton entlockte.
Wie einsam sie lebt, im Winter, die Amsel!

Erinnerst du dich an das Geschrei, das Blut,
den Kampf, der jüngst den Schnee des Gartens
aufstäubte, als rupfte der Teufel
den ausgerenkten Flügel eines Engels?

(Es war der Kater des Nachbarn, der im Delir
schreiend sich in dem Maulwurf verbiß,
der flehte noch mit den Schaufelarmen,
es betupfte das weiße Linnen purpurner Tod.)

Wie still ist es jetzt, als wäre dies nie geschehen,
als wäre all das Blut in einem Traum geflossen,
und der Traum selbst floß aus dem Mund
eines Kinds, das wir in den Armen hielten.

Wie still ist es jetzt, das Leben kriecht in sich
zurück unter das warme Laken des Schnees,
das manchmal leise sich wölbt,
als von Atemzügen des Schlafs.

Hörst du, wie es unterirdisch seufzt?
Es ist der Schnee, der zu weinen scheint.
Es ist der Schnee, der uns Tränen schenkt,
mit denen wir in dunkle Frühlinge fließen.

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