I am the Angel with the Broken Wing,
The one large statue in this quiet room.
The staff finds me too fierce, and so they shut
Faith’s ardor in this air-conditioned tomb.
The docents praise my elegant design
Above the chatter of the gallery.
Perhaps I am a masterpiece of sorts –
The perfect emblem of futility.
Mendoza carved me for a country church.
(His name’s forgotten now except by me.)
I stood beside a gilded altar where
The hopeless offered God their misery.
I heard their women whispering at my feet –
Prayers for the lost, the dying, and the dead.
Their candles stretched my shadow up the wall,
And I became the hunger that they fed.
I broke my left wing in the Revolution
(Even a saint can savor irony)
When troops were sent to vandalize the chapel.
They hit me once—almost apologetically.
For even the godless feel something in a church,
A twinge of hope, fear? Who knows what it is?
A trembling unaccounted by their laws,
An ancient memory they can’t dismiss.
There are so many things I must tell God!
The howling of the damned can’t reach so high.
But I stand like a dead thing nailed to a perch,
A crippled saint against a painted sky.
Der Engel mit dem gebrochenen Flügel
Ich bin der Engel mit dem gebrochenen Flügel,
die große Statue, die man ins Museum gab.
Der Wärter findet mich zu heiß, so schlossen
sie die Glaubensglut ins klimatisierte Grab.
Die Gelehrten preisen meine Wohlgestalt
mehr als das Raunen auf den Korridoren.
Mag sein, ich bin ein wahres Meisterwerk –
ein hohes Sinnbild aller Dinge, die verloren.
Mendoza schuf mich für die Landkapelle
(den Namen kennt man nur, weil ich noch bin).
Ich stand an einem goldglänzenden Altar,
da legten Hoffnungslose Gott ihr Elend hin.
Ich hörte ihre Frauen flüstern mir zu Füßen –
Gebete für Verlorene, für Sieche und für Tote.
Ihre Kerzen warfen meinen Schatten an die Mauer,
ich war der Hunger, der ihnen ward zum Brote.
Mein linker Flügel knickte mir die Revolution
(auch Heilige finden Geschmack an Ironie),
als Truppen die Kirche zu verwüsten kamen.
Sie schlugen mich nur einmal – als wär’s ihre Apologie.
Denn selbst Gottlose fühlen etwas in der Kirche,
einen Stich der Hoffnung, Furcht? Wer mag es wissen.
Ein Bangen, das vor ihren Gesetzen nicht zählt,
eine alte Erinnerung, die sie nicht wollen missen.
Es gibt so vieles, was ich Gott erzählen muß!
Das Heulen der Verdammten kann so hoch nicht klettern.
Ich aber steh wie ein totes Ding, auf ein Brett genagelt,
ein verkrüppelter Heiliger vorm Himmel, dessen Farben blättern.
Törichte Bitten
Durch Schächte taumelnd, Brunnen traumestief,
durch Gänge kriechend, Höhlen, Kasematten –
dort war kein Blatt, kein Quell, der nach mir rief,
nur wirres Flüstern unerlöster Schatten.
Mit Flocken wirbelnd in das leere Blau,
gehackt von Schnäbeln zischender Dämonen –
dort trug kein Engel mich zur hohen Schau,
kein Flügel zu den kristallinen Thronen.
Weißt, Dichter, du noch ein Gefilde rein,
wo meinen Schlummer Halme sanft umzittern,
magst du nicht reichen mir den goldnen Wein
in deines Verses Krug, dem irden-schlichten?
Magst du mir nicht den grellen Tag vergittern
mit zartem Blattwerk, Dämmerlaub-Gedichten?
Robert Frost, Carpe diem
Age saw two quiet children
Go loving by at twilight,
He knew not whether homeward,
Or outward from the village,
Or (chimes were ringing) churchward,
He waited, (they were strangers)
Till they were out of hearing
To bid them both be happy.
“Be happy, happy, happy,
And seize the day of pleasure.”
The age-long theme is Age’s.
‘Twas Age imposed on poems
Their gather-roses burden
To warn against the danger
That overtaken lovers
From being overflooded
With happiness should have it.
And yet not know they have it.
But bid life seize the present?
It lives less in the present
Than in the future always,
And less in both together
Than in the past. The present
Is too much for the senses,
Too crowding, too confusing –
Too present to imagine.
Carpe diem
Ein Alter sah zwei stille Kinder
Hand in Hand im Zwielicht gehen,
er wußte nicht, ob heimwärts,
ob aus dem Dorf hinaus,
zur Kirche gar (es gab Geläut),
er wartete (sie waren sich ja fremd),
bis sie ihn nicht mehr hören konnten,
und wünschte beiden Glück.
„Seid glücklich, glücklich, glücklich,
ergreift den Freudentag.“
Das Alter ist ein Thema alterslos.
Alter war’s, auf das Gedicht gehäuft
hat es der Rosen Blütenlast,
vor der Gefahr zu warnen,
die Liebende schon hat ereilt,
die überflutet sind
vom Überfluß des Glücks,
und doch von ihr nichts wissen.
Soll Leben denn den Augenblick ergreifen?
Es lebt ja weniger im Augenblick
als in der Zukunft stets,
und weniger in beiden als
im Vergangenen. Der Augenblick,
er ist zu viel für unsre Sinne,
zu bedrängend, zu verwirrend –
zu nah, um sich ein Bild zu machen.
Das Klümpchen Glut
Als wär dein nacktes Ich umspült
von einem grünen Wind,
dein Blick, ein zitternd dünner Halm,
gebeugt von trübem Tau.
Ist es schon Nacht, ist es noch Tag,
du weißt es nicht,
Ein Singen steigt, ein heller Dunst,
ein Seufzen sinkt aus dunklem Mund.
Bist du’s, der singt, bist du’s, der seufzt,
du weißt es nicht.
Als läg dein Schmerz, ein Klümpchen Glut,
auf abgeschabter Schwelle.
Ob hier noch wohnt, auf den du hoffst,
du weißt es nicht.
Es tut die Türe sich nicht auf,
und keiner tritt die Glut dir aus.
Sie muß sich selbst verzehren,
bis ihre graue Asche weht.
Robert Frost, God’s Garden
God made a beatous garden
With lovely flowers strown,
But one straight, narrow pathway
That was not overgrown.
And to this beauteous garden
He brought mankind to live,
And said: “To you, my children,
These lovely flowers I give.
Prune ye my vines and fig trees,
With care my flowerets tend,
But keep the pathway open
Your home is at the end.”
Then came another master,
Who did not love mankind,
And planted on the pathway
Gold flowers for them to find.
And mankind saw the bright flowers,
That, glitt’ring in the sun,
Quite hid the thorns of av’rice
That poison blood and bone;
And far off many wandered,
And when life’s night came on,
They still were seeking gold flowers,
Lost, helpless and alone.
O, cease to heed the glamour
That blinds your foolish eyes,
Look upward to the glitter
Of stars in God’s clear skies.
Their ways are pure and harmless
And will not lead astray,
Bid aid your erring footsteps
To keep the narrow way.
And when the sun shines brightly
Tend flowers that God has given
And keep the pathway open
That leads you on to heaven.
Gottes Garten
Gott schuf einen schönen Garten,
mit lieblichen Blüten besät,
einen Pfad nur, gerade und schmal,
den er sorgsam gemäht.
Und in dem schönen Garten
wies er die Menschheit zu leben.
Und sprach: „Euch, meine Kinder,
sei diese Pracht übergeben.
Meine Reben stutzt, meine Feigen,
meinen Rosen sei Feuchte gespendet,
doch haltet mir offen den Pfad,
eure Heimat beginnt, wo er endet.“
Dann kam ein anderer Meister,
der war der Menschheit nicht hold,
und er pflanzte am Saum des Pfades
Blumen für sie von Gold.
Sie sahen die Blumen so licht,
ihr Glitzern im Sonnenschein,
die Dornen der Gier aber nicht,
die das Blut vergiften, das Sein.
Da wanderten viele entlang,
und holte die Nacht sie ein,
suchten sie das Gold noch der Blumen,
verloren, hilflos, allein.
O, lasset ab von dem Glanz,
der die törichten Augen euch blendet,
schaut auf zum Funkeln der Sterne,
die Gott hat herrlich vollendet.
Ihre Wege sind rein und gefahrlos,
verführen nicht, abseits zu eilen,
und leiten den irrenden Schritt
auf dem Pfad, dem schmalen, zu weilen.
Und leuchtet die Sonne hervor,
sorgt für die Blumen, die Gott euch geschenkt,
den Pfad aber haltet offen,
der euch zum Himmel hin lenkt.
Der Auftrag an den Dichter
Wir haben sie gelehnt, die Silberleiter,
an hoher Nächte dunkelblaue Wand,
knirscht unter ihr auch schon der mürbe Sand,
es wechseln noch die Töne, sternlichtheiter.
Noch flackern sie auf fernen Gräberfeldern,
die Kerzen, aus der Wehmut Wachs gedreht.
Noch mischt sich matter Rede, was geweht
die Nacht, das Seufzen aus verwunschnen Wäldern.
Du schreib sie auf, die schönen Harmonien,
sieh, Dichter, eh sie dunkeln und verhauchen,
der Rosen abendrötlich-wehe Strahlen.
Die Töne birg, die sternwärts schon entfliehen,
die Flammen birg, bevor die Aschen rauchen,
im lichten Klang von kristallinen Schalen.
Robert Frost, Spring Pools
These pools that, though in forests, still reflect
The total sky almost without defect,
And like the flowers beside them, chill and shiver,
Will like the flowers beside them soon be gone,
And yet not out by any brook or river,
But up by roots to bring dark foliage on.
The trees that have it in their pent-up buds
To darken nature and be summer woods –
Let them think twice before they use their powers
To blot out and drink up and sweep away
These flowery waters and these watery flowers
From snow that melted only yesterday.
Frühlingsteiche
Die Teiche spiegeln, obwohl sie Wald umgibt,
den ganzen Himmel beinah ungetrübt,
Wie rings die Blumen sind sie kühl und frieren,
wie rings die Blumen sind sie bald verschwunden,
nicht, daß der Bach, der Fluß sie mit sich führen,
von Wurzeln werden sie, Laubdunkel, überwunden.
Die Bäume, blätterstrotzend, werden bald
die Dämmerung bringen in den Sommerwald –
daß sie’s bedenken wohl, bevor sie herrisch wüten,
und tilgen, trinken aus und fegen kahl
die Blütenwasser und die Wasserblüten
vom Schnee, den Tau erst gestern färbte fahl.
Die schlafende Muschel
Die schmalen Uferwege, wir sind sie gegangen,
wo Schilfe zum Spiele der Wellen sich schwangen,
gedämpft unser Wort, gedämpft unser Schritt.
Verbrannt war die Haut dir von südlichen Sonnen,
das Haar matt seiden, von Goldgarn durchsponnen,
die Muschel, die tönende, brachtest du mit.
Hielt ich sie ans Ohr, erfüllte es Brausen,
als riefen mich, die in Meergrotten hausen,
die grüngeschwänzten Nymphen ins Glück.
Ich, bleicher Knabe der schwarzblauen Maare,
aus nächtlichem Brunnen schöpft ich das klare,
das rieselnde Lied gab ich dir zurück.
Dort lag sie im Dunst, bang schwankende Fähre,
und über dem Wasser das Dunkel, die Leere,
ich sah noch, wie jäh sich dein Mantel gebauscht.
Die Muschel, sie schläft auf vergilbenden Briefen,
doch ist mir noch oft, als ob Meergeister riefen,
wenn fern aus Traumes Schilfen es rauscht.
Robert Frost, Come in
As I came to the edge of the woods,
Thrush music — hark!
Now if it was dusk outside,
Inside it was dark.
Too dark in the woods for a bird
By sleight of wing
To better its perch for the night,
Though it still could sing.
The last of the light of the sun
That had died in the west
Still lived for one song more
In a thrush’s breast.
Far in the pillared dark
Thrush music went —
Almost like a call to come in
To the dark and lament.
But no, I was out for stars;
I would not come in.
I meant not even if asked;
And I hadn’t been.
Komm herein
Ich kam zum Saum des Walds:
da, Drosselgesang, so sacht!
Draußen noch Dämmerung,
drinnen schon Nacht.
Zu dunkel, daß ein Vogel im Wald
mit geübtem Flügelschlag
fänd einen bessern Ast für die Nacht,
doch singen war, was ihm lag.
Der letzte Sonnenstrahl,
der im Westen hinab gemußt,
lebte noch für ein Lied
in einer Drossel Brust.
Durch schwarzer Säulen Nacht
ging der Drosselgesang –
fast wie der Ruf: Komm herein,
der du bist dunkel und bang.
Nein, ich blieb unterm Sternenlicht,
wollte nicht kommen herein.
Kein Lockruf machte mich schwach.
Und so trat ich nicht ein.
Doxa
Was wir meinen, ist grau wie der Star,
der die blaue Iris der Wahrheit uns trübt.
Worte, Flocken, in die Leere gestiebt,
blinder Tau, der nicht weiß, was er war.
Meinung ist wie das Glänzen des Schnees,
blendend in einer Blendung, die weicht,
wenn ihn der Schatten des Abends erreicht,
Schaum wie der Schein des Parmenides.
Worte, gebunden zum prächtigen Strauß,
Duft, der betäubt und Eroten verlockt,
eisern Minerva, sie bleibet verstockt,
rupft den Schwärmern die Flügel schon aus.
Meinung, sie schält eine üppige Nuß,
doch ihre Schale, sie wölbt um das Nichts.
Stirn mit den Furchen verödeten Lichts,
Lippe, verrunzelt an Moiras Kuß.
Robert Frost, Stars
How countlessly they congregate
O’er our tumultuous snow,
Which flows in shapes as tall as trees
When wintry winds do blow! –
As if with keenness for our fate,
Our faltering few steps on
To white rest, and a place of rest
Invisible at dawn,—
And yet with neither love nor hate,
Those stars like some snow-white
Minerva’s snow-white marble eyes
Without the gift of sight.
Sterne
Wie zahllos sie sich scharen
über diesen Flockenblüten,
wirbelnd in baumhohen Formen,
wenn Winterwinde wüten!
Und wie um ihr Schicksal besorgt
wankt unsere kleine Schar
im weißen Glast zu einem Ort der Rast,
der am Morgen unsichtbar war –
und noch immer jenseits von Liebe und Haß
die Sterne, die wie die schneeweißen sind,
Minervas schneeweiße Marmoraugen,
doch in Wahrheit sind sie ja blind.
Wir gehen in die Nacht
So liegt es hinter uns, das Urstromtal,
die sich dem Monde zugesprochen, Wasser,
wir sehen blaß die Wogen noch und blasser
den Fels, den ihm zu blühn geküßt der Strahl.
Das Flackern auf den Gräbern, es erlischt.
Gedämpft wie unterm Wehen trüber Flocken
hat sich das Läuten heimatlicher Glocken
mit einem Schluchzen, sterbebang, vermischt.
So komme, Freund, laß, was dir eigen, fahren,
wir gehen, selbst schon grau, zum grauen Sand,
wir gehen in die Nacht, die sternenlose.
Nur eins nimm mit, was hold in Jugendjahren
der Blumenhauch der Liebe dir entband,
das Lied, umhüllt vom wehen Duft der Rose.
Robert Frost, Revelation
We make ourselves a place apart
Behind light words that tease and flout,
But oh, the agitated heart
Till someone find us really out.
‘Tis pity if the case require
(Or so we say) that in the end
We speak the literal to inspire
The understanding of a friend.
But so with all, from babes that play
At hide-and-seek to God afar,
So all who hide too well away
Must speak and tell us where they are.
Offenbarung
Wir bilden um uns eine Wehr
aus Redensarten, Spott und Necken,
doch o, wie klopft das Herz so sehr,
bis man uns wahrhaft kann entdecken.
Wie schade, wenn zu später Stund
(so sagt man wohl), wir erst am Ende
kein Blatt mehr nehmen vor den Mund,
damit ein Freund uns noch verstände.
So geht’s mit allem, von der Kinderschar,
die verstecken spielt, zu Gott, dem fernen,
so jeder, der sich machte unsichtbar,
sie müssen reden, daß wir sie zu finden lernen.
Veilchen auf dem Grabe
Um den Steinkrug, längst geleert,
ist das Tischtuch wirr zerknüllt.
War er manchen Trinkspruch wert,
hat die Seele sich enthüllt?
Durch den Vorhang geht ein Wehen,
Duft von Flieder, Duft von Schlehen.
Feinsten Schliffes ein Geschmeid
glänzte hohen Nächten nach,
unverblaßt an ihrem Leid,
nicht ein Fleck, der davon sprach.
Auch den Spiegel der Kommode
trübte nichts nach ihrem Tode.
Auf dem Boden liegt ein Blatt,
weiß wie das der Orchidee,
der es nicht beschrieben hat,
er versank im Wörterschnee.
Feuchte Veilchen auf dem Grabe,
sagt, ob er gelitten habe.
Robert Frost, A Patch of Old Snow
There’s a patch of old snow in a corner
That I should have guessed
Was a blow-away paper the rain
Had brought to rest.
It is speckled with grime as if
Small print overspread it,
The news of a day I’ve forgotten –
If I ever read it.
Ein Fleck von altem Schnee
In der Ecke liegt ein Fleck von altem Schnee,
so hatte ich zuerst gedacht,
es war verweht ein Blatt, vom Regen
zur Ruhe gebracht.
Es ist von Ruß übersprenkelt, wie
eine zarte Schrift im Schnee,
Nachrichten eines Tags, die ich vergaß –
hätt ich gelesen sie je.
Das Hüttenfest
Das Eigne kann sich uns aus Fremdem lichten,
wenn reine Gesten, jungfräuliche Worte
wie Knospen gleiten durch die Sonnenpforte,
wo sie sich Weiden für die Hütten richten.
Man zündet Kerzen an, die makellosen,
daß Flammenseelen in das Dunkel leuchten.
Sie auch, die noch vom Tau der Hymnen feuchten,
sie wollen glühen, auserlesne Rosen.
Doch jene haben Bänder schön gewunden
von Golde schimmernd um das grüne Laub.
Wir sehen sanfter Liebe Kinder winken,
daß ihre Gaben, Brot und Wein, uns munden.
O Wegzehr durch der Wüste grauen Staub,
o Wein des Worts, den wir in Hütten trinken.
Robert Frost, The Oven Bird
There is a singer everyone has heard,
Loud, a mid-summer and a mid-wood bird,
Who makes the solid tree trunks sound again.
He says that leaves are old and that for flowers
Mid-summer is to spring as one to ten.
He says the early petal-fall is past
When pear and cherry bloom went down in showers
On sunny days a moment overcast;
And comes that other fall we name the fall.
He says the highway dust is over all.
The bird would cease and be as other birds
But that he knows in singing not to sing.
The question that he frames in all but words
Is what to make of a diminished thing.
Der Pieperwaldsänger
Da singt ein Sänger, den ein jeder kennt,
laut, wenn ins dichte Laub die Sonne brennt,
aus knorrigen Stämmen tönet es erneut.
Er sagt, die Blätter sind alt, an Blumen dauert
dem Sommer eine, Frühling hat an zehn sich erfreut.
Er sagt, der frühe Fall der Blüten, er geschah,
da sie von Birnen- und Kirschenbäumen weggeschauert,
es trat der Sonne jäh die Wolke schon zu nah.
Dann kommt der andre Fall, Herbstzeit genannt.
Er sagt, der Straßenstaub hat alles übermannt.
Der Vogel würde schweigen, wie’s die andern tun,
doch er ist einer, der im Singen schweigt.
Die Frage, die er ohne Worte stellt, ist nun:
Wie weiter, hat das Dasein sich geneigt?
Was ich Pierrot gesagt
Ich tauschte gern sie gegen Blüten ein,
die grauen Worte und die alten Reime,
aus schmalen Furchen brächen frische Keime,
Maiglöckchen, Veilchen, Mohn und blauer Lein.
Doch tauscht ich nie dein banges Radebrechen
mit Wogen, die den Schaum Homers versprechen.
Ich würde gern das Talmigold versetzen,
der Träume dünngewalztes Schummerblatt,
im Pfandhaus, das die echten Perlen hat,
die unterm Monde sich mit Glanz benetzen.
Nie wöge mir der Strahl Auroras gleich
mit deiner Augen Nacht, der Wange bleich.
Ich liehe gern mir von Pierrot den Hut,
den runden, wie ihn hat gemalt Watteau,
und fächelte damit, er gähnt schon so,
dem müden Vers, ihm fehlt’s an Übermut.
Und gäb er dir dann sein Gewand aus Schnee,
sag ich: „Es schmilzt auf ihrer Haut, versteh!“
Robert Frost, The Road Not Taken
Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;
Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that, the passing there
Had worn them really about the same.
And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads to way,
I doubted if I should ever come back.
I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.
Der nicht eingeschlagene Weg
Zwei Wege zweigten ab im gelben Wald,
ich konnte leider nicht gehen beide zugleich,
ein Wanderer allein machte lange ich halt,
sah fern die Schneise des einen und bald,
wie er abbog ins schilfige Unterreich.
Da nahm ich den andern, auch er lud ein,
und ich tat womöglich die bessere Wahl,
denn sein Gras, es wollte zertreten sein,
doch war es wohl den beiden gemein,
Gras, von Schritten gebeugtes und fahl.
Auf beiden lag in der Frühe das Laub zuhauf,
von Tritten schwärzlich noch nicht zerdrückt,
Ich hob mir den ersten für ein andermal auf!
Doch wußt ich um der Wege Wechsellauf,
und zweifelte, ob Wiederkehr mir noch glückt.
Ich werde daher nach Tag und Jahr
nur seufzend erzählen, was ich tat, was mied:
Zwei Wege zweigten ab im Wald, es ist wahr,
ich nahm jenen, der weniger begangen war,
das machte den ganzen Unterschied.
Bitte an den Dichter
Aus der Ferne dringen manchmal noch die Töne
durch Schatten deiner Angst, Gespinst der Qual,
die zauberischen jugendlicher Schöne,
als kämen sie aus einem abgelegenen Tal,
wo du mit lieben Freunden einst gegangen,
die längst verschollen, längst verstorben sind,
wo sie der Unschuld süße Weisen sangen,
du aber gingst, von Dankestränen blind.
Kannst, Dichter, du sie einmal noch erwecken,
die schönen Klänge, die wie Tauglanz flossen,
die Töne, die wie Blüten taumelnd sanken?
Kannst du die Mauer nicht mit Efeu decken,
vor der sie liegen, Tag- und Traumgenossen,
nicht Rosen singen, die empor sich ranken?
Robert Frost, Bereft
Where had I heard this wind before
Change like this to a deeper roar?
What would it take my standing there for,
Holding open a restive door,
Looking down hill to a frothy shore?
Summer was past and the day was past.
Sombre clouds in the west were massed.
Out on the porch’s sagging floor,
Leaves got up in a coil and hissed,
Blindly struck at my knee and missed.
Something sinister in the tone
Told me my secret must be known:
Word I was in the house alone,
Somehow must have gotten abroad,
Word I was in my life alone,
Word I had no one left but God.
Beraubt
Wo hab ich es zuvor schon einmal gehört,
wenn der Wind zum Sturm wird und röhrt?
Was hat mich dort zu stehen gelehrt,
mich gegen die Tür zu stemmen, die sich gewehrt,
vom Berg die Küste zu schauen, schaumversehrt?
Vorbei war der Sommer, vergangen der Tag.
Düster die Wolkenbank, die im Westen lag.
Draußen auf der Veranda, die eine Senke durchquert,
rauschten Blätter die zur Spirale sich wanden,
blind ans Knie mir fuhren, doch es nicht fanden.
In den Klang ging etwas Unheimliches ein,
das sagte, mein Geheimnis müsse kennbar sein:
Wort, ich war in dem Hause allein,
irgendwie hat es müssen in die Ferne ziehen,
Wort, ich war in meinem Leben allein,
Wort, mir blieb nur, einsam vor Gott zu knien.
Auf den Tod eines Dichters
Komm, gehen wir noch eine kleine Weile,
die Halme zittern schon im kühlen Wind.
Wie Wolken wandern durch die Bläue blind,
so schreiben wir ins Gras die schmale Zeile.
Wir müssen, Freund, nicht reden viel von Dingen,
die uns entglitten sind wie trüben Lichts
der Tau am Blatt, Gewölk im blauen Nichts,
wir müssen reden nicht, wenn Schatten singen.
Die Rosen haben sich noch nicht geschlossen,
sie wachen lange an der grauen Mauer
und scheinen leuchtender im Abendrot.
Hier ist die Quelle, wo er sich erschossen,
der uns erfühlen ließ die sanften Schauer.
O Stern und Blume, dunkle Sehnsucht, Tod.
Robert Frost, The Pasture
I’m going out to clean the pasture spring;
I’ll only stop to rake the leaves away
(And wait to watch the water clear, I may):
I sha’n’t be gone long.—You come too.
I’m going out to fetch the little calf
That’s standing by the mother. It’s so young,
It totters when she licks it with her tongue.
I sha’n’t be gone long.—You come too.
Die Weide
Ich gehe raus und reinige den Quell der Weide.
Erst wenn ich fertig bin, pack ich die Blätter ein
(und schau vielleicht, ist wohl das Wasser rein):
ich bleib nicht lang – du komme auch.
Ich gehe raus und hol das kleine Kalb.
Bei seiner Mutter steht es stets, das junge,
es taumelt, leckt sie es mit ihrer Zunge.
Ich bleib nicht lang –du komme auch.
Das Ei
Denker, denk das Ei,
grübel’s nicht entzwei.
Es enthält die Welt,
Liebe hat’s bestellt.
Doch muß man es hüten,
mit Geduld bebrüten,
daß ein neues Sein
ins alte spring herein.
Wie im winzig Kleinen
sich zwei Welten einen,
die Kunde hoher Stunden
im feinsten Strang gewunden,
der sinnreich sich zerteilt,
zur Neugestaltung eilt,
die doch der Ahnen Züge
an Aug und Seele trüge,
bewundernd magst du’s schauen,
dem Schöpfergeist vertrauen,
selbst wenn aus zarten Scherben
als Unhold schlüpft Verderben.
Denn hat’s der Kuckuck auch
unter fremden Bauch
trügerisch gelegt,
wird es doch gehegt.
Wenn das Junge gar
die Geschwisterschar
aus dem Neste patzt,
wird es doch geatzt.
List und schierer Trug,
Gottes ist der Fug.
Dichter, sing das Ei,
reim es nicht zu Brei.
Es ist schön oval,
blendend wie der Strahl,
der sie uns erhellt,
dämmert hin die Welt.
Was daraus entspringt,
gackert oder singt,
federbunt geschmückt,
hat dich hoch entzückt.
Manchmal sind die Eier
wie zur Osterfeier
auch gesprenkelt zart,
je nach Vogelart,
Punkte gelb und blau,
perlglänzend wie der Tau,
Dichter, dir zum Zeichen:
Natur kann es erreichen,
was dein Vers ersehnt,
Rhythmen, süß gedehnt.
Doch dann gibt es wieder
ganz mißglückte Lieder,
als wär dir geschlüpft
ein Küken, arg zerrüpft.
Eier gibt’s in Massen
dumpfer Teufelsrassen.
Und wenn daraus kriecht,
woran das Leben siecht,
rasch bringt’s aus dem Tritt
Wurm und Parasit,
was das Hirn befällt,
daß der Feingeist bellt,
mußt es nehmen hin,
Gottes ist der Sinn.
Zwei sind für das Ei
gar nicht einerlei.
Wisset wohl, ihr beiden,
sie zu unterscheiden:
die aus eignem Blut
nährte dieses Gut
und nach vielen Tagen
hat es ausgetragen,
Muttertier heißt sie,
ob nun Mensch, ob Vieh.
Der mit flottem Samen
sagt der Frucht sein Amen,
baute mit das Nest,
doch verschlief den Rest,
dann weckt ihn die Pflicht,
Werktags grelles Licht,
sorgen für die Brut
gibt ihm frischen Mut,
Vater heißt der Mann,
der sich Sinn gewann,
wenn das Junge summt,
was er vorgebrummt.
Die im Zwielicht schwanken,
sind die seelisch Kranken,
die nicht zeugen können,
Mutterschaft mißgönnen,
Mannesehre ächten,
im Dienst von finstren Mächten,
lassen Hohes schleifen,
Niedres um sich greifen,
sind die Nihilisten,
die mit Trug und Listen
Geist der Sprache blenden,
ins Öde sie zu wenden.
Dunkel sind Dämonen,
die kein Herz verschonen,
Tiere, die monströse
geifern für das Böse.
Frage nicht, wieso.
Gottes ist der Zoo.
Robert Frost, My November Guest
My Sorrow, when she’s here with me,
Thinks these dark days of autumn rain
Are beautiful as days can be;
She loves the bare, the withered tree;
She walks the sodden pasture lane.
Her pleasure will not let me stay.
She talks and I am fain to list:
She’s glad the birds are gone away,
She’s glad her simple worsted grey
Is silver now with clinging mist.
The desolate, deserted trees,
The faded earth, the heavy sky,
The beauties she so truly sees,
She thinks I have no eye for these,
And vexes me for reason why.
Not yesterday I learned to know
The love of bare November days
Before the coming of the snow,
But it were vain to tell her so,
And they are better for her praise.
Mein Gast im November
Meine Trauer, wenn ich sie bei mir seh,
denkt, solch dunkle Tage mit herbstlichem Regen
sind von einer Schönheit wie eh und je,
Sie liebt die kahlen Bäume der Allee,
wandert gern auf feuchten Wiesenwegen.
Ihr Vergnügen treibt mich fortzueilen.
Sie redet und hat meines Ohres Gunst:
Es freut sie, daß die Vögel fern schon weilen,
es freut sie, daß ihr Haar voll grauer Zeilen
silbern nun durchwirkt ein lichter Dunst.
Die Bäume, ins Schattenreich entrückt,
die Erde Asche, der Himmel Indigo,
die Schönheit, die sie darin erblickt,
zu sehen sei ich zu ungeschickt,
und quält mich mit Fragen, wieso.
Nicht erst gestern lernt ich sie lieben,
die Novembertage, die kahlen,
bevor die Flocken wild hinstieben,
ihr dies zu gestehn, wär übertrieben,
ihr Lob ist besser: Blicke, die strahlen.
Erloschenes Antlitz
Am dürren Holz mag es noch grünen,
das zarte Reis, wie wenn es spricht
von einem uns verborgnen Licht,
wofür wir taub, Gesang der Bienen.
Vergilbtes Bild mag wieder leuchten,
das sich in Düsternis verlor,
erloschnes Antlitz tritt hervor,
wenn es der Liebe Tränen feuchten.
Das Wort mag sich im Schlaf entzünden,
erwacht an einem fremden Strahl,
die Ader der gestauten Qual
aufbrechend noch ins Offne münden.
Es schweigt der Quell, der zugeschüttet,
der asphaltierte Streifen Grün
wird niemals wieder auferblühn,
betrogne Liebe bleibt zerrüttet.
Robert Frost, Devotion
The heart can think of no devotion
Greater than being shore to ocean -
Holding the curve of one position,
Counting an endless repetition.
Hingebung
Das Herz kann tiefer nicht verehren,
als Bucht zu sein an blauen Meeren –
kniend vor dem Schaum der Molen,
was ewig rauscht, zu wiederholen.
Das Mädchen und die Norn
Dein Lächeln hat mich eingeladen,
dein süßbetauter Veilchenblick,
der bleichen Schwermut Stirn zu baden,
damit kein Grauen bleibt zurück.
Da hat gerissen mich am Schopfe
die Norn, daß keine Süße tropfe.
Ein Helmbusch hat dein Haar geflattert,
als könnte ich den Kampf bestehn.
Es schienen, die das Herz umgattert,
in Glut die Schatten zu zergehn.
Sie hob mich hoch mit ihren Krallen
und ließ mich in das Dunkel fallen.
Des Sturzbachs Schäumen war dein Drängen,
als sähen wir schon fern das Meer.
Wie Traubengold in Laubengängen
glomm dein Gesang von Wiederkehr.
Da wand die Norn die blaue Flechte
mir um den Hals wie einem Knechte.
Robert Frost, A Late Walk
When I go up through the mowing field,
The headless aftermath,
Smooth-laid like thatch with the heavy dew,
Half closes the garden path.
And when I come to the garden ground,
The whir of sober birds
Up from the tangle of withered weeds
Is sadder than any words.
A tree beside the wall stands bare,
But a leaf that lingered brown,
Disturbed, I doubt not, by my thought,
Comes softly rattling down.
I end not far from my going forth
By picking the faded blue
Of the last remaining aster flower
To carry again to you.
Später Gang
Gehe ich durch das gemähte Feld,
verhüllt das Stroh, ganz falb,
weich gebettet wie Reet voller Tau,
den Pfad zum Garten mir halb.
Und gehe ich in den Garten hinein,
schwirren graue Vögel fort
vom vertrockneten Unkrautgewirr,
Klang, trauriger als jedes Wort.
Ein Baum steht an der Mauer, kahl,
ein braunes Blatt hält sich noch knapp,
verstört, ich zweifle nicht, von meinem Geist,
fällt sanft raschelnd es herab.
Nicht weit vom Haustor endet mein Gang,
ich pflücke vom Blau, das verblich,
was von den letzten Astern blieb,
und trag’s wieder heim für dich.
Gang durchs Dunkel
Noch glomm Sonne im Harz auf der Schwelle,
wo wir ins Zwielicht des Waldes gingen.
Unsere Schritte dämpften Nadelkissen,
Waldnacht erstickte alles Singen.
Wir hatten kein Wort, jedes wäre zu schwer
für solch einen Hauch, so kühl und so leer.
Du gingst voran, ein Schatten dem Schatten,
auf dem Pfad, der sich ins Dunkel gewunden.
So auch gingen, die sich verloren hatten,
so, die sich im Licht nie wiedergefunden.
Wir hatten kein Wort, jedes wäre zu leicht
für das Dunkel, das einer Grabesnacht gleicht.
Doch da wir tiefer in den Dämmer drangen,
hieltest du plötzlich im Gehen inne.
Wir hörten, wie ferne Wasser sangen,
silbern, als ob ein Leuchten verrinne.
„Trank“, so sagtest du, „von diesem Quell
machte die Nacht uns rasch wieder hell.“
Robert Frost, A Question
A voice said, Look me in the stars
And tell me truly, men of earth,
If all the soul-and-body scars
Were not too much to pay for birth.
Eine Frage
Eine Stimme sprach: Schauet mir in die Sterne
und sagt mir ehrlich, ihr Menschen auf Erden,
tragt an Seele und Leib all die Narben ihr gerne,
sind sie kein zu hoher Preis für das Geborenwerden.
Die Jesidin
Ich bin, sprach die Jesidin, eine Leiche.
Mohammeds Mob hat sie versklavt. Der Pfau,
den sie verehrt, der Engel wurde grau,
auf daß sein Flügel einem Fetzen gleiche.
Die Sippe, totgehetzt, geköpft, vertrieben.
Ihr Schoß geschändet. Daß sie weitergeht,
ein schwaches Licht aus Aschenwolken weht,
ist ihr der Sohn, des Himmels Kuß, geblieben.
Die Perle Welt, ist sie zu Staub zerfallen?
Wäscht man die Tücher noch im Lalisch-Tal,
die bunten? Windet sich die schwarze Schlange
am hohen Tor des Heiligtums, erschallen
die Hymnen noch, Stern in der Nacht der Qual?
Uns würgt das Wort des Unheils kalte Zange.
Schwarze Pädagogik
Ὁ μὴ δαρεὶς ἄνθρωπος οὐ παιδεύεται. Menander
Die mit den Striemen nackt am Pranger stehen,
die mit vernarbten Fingern, lüstern langen,
sie lernen, lehren zügeln das Verlangen,
an fremdem Gut und Blut sich zu vergehen.
Nur schwarze Pädagogik macht sie rauchen,
die sonst dumm grinsen, infantile Köpfe,
gestriegelt flicht der Geist sich edle Zöpfe,
nur der gezähmte unterläßt das Fauchen.
Die ungerupfte Lichtung wird verschwinden,
und zäunt man sie nicht ein, kommt bald das Wild,
die frischen Sprossen und die Saat zu fressen.
„Laßt uns die rauhen Sitten überwinden,
der Wolf selbst wird im Garten Eden mild“,
so faseln, die vom Dämon schon besessen.
Das Gesetz des Anaximander
Die Lichtung, hart der Wildnis abgerungen,
hat Saatengold und Purpurfrucht erbracht.
Die Ahnen haben in der Sternennacht
der schöpferischen Liebe Psalm gesungen.
Dann tritt sie nieder Sturmschritt von Barbaren,
die Knospe – die schon blich, dahingerafft.
Dem Enkel ist der Mannesmut erschlafft,
er jauchzt der Hure gleich den wilden Scharen.
Erwähltes Volk muß, welke Blüte, fallen,
der Tag hat es geweckt zu hohen Sängen,
doch stumm rollt hin ein blutigroter Mond.
Vom reinen Vers bleibt nur ein fades Lallen,
vom Gartenreich ein Labyrinth von Gängen,
in dessen Mitte feist ein Dämon thront.
Dana Gioia, Alley Cat Serenade
Come into the garden, Fred,
For the neighborhood tabby is gone.
Come into the garden, Fred.
I have nothing but my flea collar on,
And the scent of catnip has gone to my head.
I’ll wait by the screen door till dawn.
The fireflies court in the sweetgum tree.
The nightjar calls from the pine,
And she seems to say in her rhapsody,
“Oh, mustard-brown Fred, be mine!”
The full moon lights my whiskers afire,
And the fur goes erect on my spine.
I hear the frogs in the muddy lake
Croaking from shore to shore.
They’ve one swift season to soothe their ache.
In autumn they sing no more.
So ignore me now, and you’ll hear my meow
As I scratch all night at the door.
Straßenkatzenserenade
Komm in den Garten, Fred,
der getigerte ist weg, der Kater von nebenan.
Komm in den Garten, Fred.
Ich hab nur mein Fliegenhalsband an,
der Duft von Katzenminze macht mich ganz devot.
Ich warte auf dich an der Türe bis zum Morgenrot.
Die Glühwürmchen buhlen im Ambrabaum.
Die Nachtschwalbe ruft von der Föhre,
ihr Lied klingt wie ein Seufzen im Traum:
„Liebe, o senfgelber Fred, mir schwöre!“
Der volle Mond setzt mir das Schnurrhaar in Brand,
es sträubt sich mein Fell, als ob ich vor Hitze fröre.
Ich höre die Frösche im schlammigen Teich,
von Ufer zu Ufer dehnt sich ihr Schrei.
Nur ein Sommer macht ihre Kümmernis weich.
Im Herbst ist ihr Singen vorbei.
Wird dir noch immer nicht flau, so hör mein Miau,
wenn an der Tür ich kratze, die ganze Nacht im Mai.
Das unverweste Wort
Als wär im weichen Abendlicht noch Leben
für matte Veilchen, die schon Schatten sind.
Als könnte uns ein Stern den Blick noch heben,
der längst am Star der Trübsal wurde blind.
Als könnten wir das Angesicht noch deuten,
ist auch das Bildnis schon vom Staub zersetzt.
Den Keim, den wir in dunkle Furchen streuten,
er ging nicht auf – daß Tränen ihn genetzt!
Hast, Dichter, du ein Wort, noch unverwest
vom Speichel und dem Lügenhauch der Lippe,
unangefault aufschimmernd wie das eine,
woran verlassene Liebe rasch genest,
o sag es. Prangen mag’s auf jenem Steine,
der einsam ragt, zerfiel auch dein Gerippe.
I will arise and go now, and go to Innisfree,
And a small cabin build there, of clay and wattles made;
Nine bean rows will I have there, a hive for the honey bee,
And live alone in the bee-loud glade.
And I shall have some peace there, for peace comes dropping slow,
Dropping from the veils of the morning to where the cricket sings;
There midnight’s all a glimmer, and noon a purple glow,
And evening full of the linnet’s wings.
I will arise and go now, for always night and day
I hear lake water lapping with low sounds by the shore;
While I stand on the roadway, or on the pavements grey,
I hear it in the deep heart’s core.
Innisfree, die Insel im See
Ich breche auf, ich geh nach Innisfree, der grünen.
Dort bau ich eine Hütte mir aus Lehm und Rohr.
Neun Reihen Bohnen pflanz ich, halt mir Bienen.
Ich leb für mich, rings nur der Bienen Chor.
Dort will ich Frieden finden, Frieden kommt in leiser Flut,
tropft aus des Morgens Vlies, wenn Grillen singen.
Die Mitternacht ist voller Schimmer, Mittag Purpurglut,
im Abend schwirren Finkenschwingen.
Ich breche auf und geh, hör schon bei Nacht und Tag
der Wellen sanftes Lied das Schilf betören.
Steh ich am Straßenrand, auf grauem Teerbelag,
im Herz des Herzens kann ichʼs hören.
Siehe auch die erhellende Analyse durch Dana Gioia:
https://www.youtube.com/watch?v=MkvhZ6veqNA
Die Hühner im Garten Eden
Loben das Huhn wir nicht nur für das Ei,
geht ja das Ei so leicht, ach, entzwei.
Für seine Küken sei es gepriesen,
gönnen wir ihnen noch sonnige Wiesen.
Daß wir nicht schimpflich schreddern die zarten,
fiepten sie ja schon zu Eden im Garten.
Waren sie nicht Veganer, die beiden,
Adam und Eva? Wer mag es entscheiden,
ob sie nur Früchte aßen vom Baum,
ob sie den Hühnchen rupften den Flaum?
Hierüber schweigen die Bibelgelehrten,
die jedes Verslein mit Glossen beschwerten.
Doch sind wir selbst Hermeneuten genug,
kundig zu deuten: Die Zeit vor dem Pflug,
all jenen Plagen und Ängsten und Sorgen,
kannte den strahlenden Weckruf am Morgen,
denn der Gespornte verabsäumte nie,
siegreich zu krähen sein Kikeriki.
Daß sie zu Ostern die Eier bemalten
und sie verbargen in Erdmutters Falten,
wo ihre Kindlein aufjauchzend sie fanden,
sei dummes Zeug, denn noch nicht erstanden
war ja der Herr, herrscht an uns ein Meister-
denker und Zensor poetischer Geister.
Wir aber wissen, ein Ostern war schon,
als Adam pflückte für Eva den Mohn,
um ihn zu streun auf die lieblichen Glieder –
tat sie die Augen auf, krähte es wieder.
Fragst du uns aber, was ist mit den Hasen,
da in der Bibel wir nichts davon lasen.
Nun, davon sagen uns weise Poeten:
Sanft hat die Henne die Hasen gebeten,
aus dem Gelege des Frühjahrs zu klauben
Eier genug, und in heimischen Lauben
zu kolorieren mit Punkten und Ringen,
dann sie in Körben zu Adam zu bringen,
daß er und Evchen sie schlau unter Hecken
zur Überraschung der Kleinen verstecken.
Fremd sind die Sonnen
Das Haupt im Schilf und über ihm ein Glimmen,
das sich die tiefe Urnacht angezündet,
und keine Sage, die von Tränen kündet,
worin die Sternenbilder dir verschwimmen.
Die Augen schließ und lausche blind den Wellen,
als würde sich die Welt nie mehr erhellen.
Liegst du im Moos, seufzt unter dir die Tiefe,
wie wenn Kristalle in der Erde tauen,
doch keines ist, das dich beim Namen riefe,
ein Wirrsal rinnt aus unnennbarem Grauen.
Ein Fremder wandle hin im Namenlosen,
fremd sind die Sonnen, fremder sind die Rosen.
Dana Gioia, The Apple Orchard
You won’t remember it–the apple orchard
We wandered through one April afternoon,
Climbing the hill behind the empty farm.
A city boy, I’d never seen a grove
Burst in full flower or breathed the bittersweet
Perfume of blossoms mingled with the dust.
A quarter mile of trees in fragrant rows
Arching above us. We walked the aisle,
Alone in spring’s ephemeral cathedral.
We had the luck, if you can call it that,
Of having been in love but never lovers
The bright flame burning, fed by pure desire.
Nothing consumed, such secrets brought to light!
There was a moment when I stood behind you,
Reached out to spin you toward me . . . but I stopped.
What more could I have wanted from that day?
Everything, of course. Perhaps that was the point–
To learn that what we will not grasp is lost.
Der Obstgarten
Du wirst dich kaum erinnern – unter Apfelbäumen,
sind wir, es war April, nachmittags gegangen,
hinter der verlassenen Farm erklommen wir den Hügel.
Ein Stadtkind, hatte ich nie einen Hain gesehen,
entflammt in voller Blüte, nie den bittersüßen
Blumenduft geatmet, vermischt mit Staub.
Weithin haben sich Bäume in duftenden Reihen
über uns gewölbt. Wir wandelten den Weg,
einsam in der flüchtigen Kathedrale des Frühlings.
Wir hatten das Glück, wenn du es so nennen magst,
verliebt zu sein, doch keine Liebenden,
Die Flamme glomm, von bloßem Verlangen genährt.
Unverzehrt trat alles Geheimnis ans Licht.
Für einen Augenblick stand ich hinter dir,
statt dich herumzudrehen, sank mir die Hand.
Was von diesem Tag war mehr zu hoffen –
alles, gewiß. Vielleicht ist dies der Punkt:
Was wir nicht ergreifen, ist verloren.
Rezitation durch den Autor:
https://www.youtube.com/watch?v=eE_-eszZ4E4
Reiche ihn weiter, den Krug
Schüre nur emsig die Glut,
Funken, sie stieben, sie fallen.
Lausch in das Dunkel hinab,
frühe Gesänge verhallen.
Trinke das Lächeln, den Glanz,
eh sie verdunkeln die Falten.
Küß von den Lippen den Hauch,
Lippen, sie werden erkalten.
Schöpf aus der Erde das Wort,
bald schon versiegt diese Quelle.
Reiche ihn weiter, den Krug,
daß uns das Wort noch erhelle.
Wallace Stevens, The Roaring Wind
What syllable are you seeking,
Vocalissimus,
In the distances of sleep?
Speak it.
Der heulende Wind
Nach welcher Silbe suchst du,
Vokalisen-Heuler,
in den Schluchten des Schlafs?
Sag sie.
Es weht ein Duft
Daß einmal uns noch tropfe aus dem Laube
der Dämmerung ein goldnes Abendlicht,
zerfallen mag die Seele dann zu Staube,
sie hat gekostet noch vom Weltgedicht.
Daß einmal uns noch weiche Wasser leuchten,
als hätten Engel uns das Schilf gemäht,
als wär zu lieben es noch nicht zu spät,
wenn süße Verse uns die Augen feuchten.
Und müssen wir auch krank im Dunkel liegen,
es weht ein Duft und eine Rose ragt,
wir fühlen noch, wie es im Osten tagt,
wir hören noch, wie Lerchen aufwärtsfliegen.
Robert Frost, Fire and Ice
Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.
Feuer und Eis
Der meint, die Welt vergeht im Feuer,
und der, im Eis.
Ein unersättlich Ungeheuer,
mein Geist, er schreit nach Feuer.
Doch soll sie zweifach gehn zugrund,
gibt mir der Haß, der alte, recht,
erfrieren in eisblauem Schlund
ist auch nicht schlecht,
ja wär profund.
Purpureos spargam flores
Philosophische Sentenzen und Aphorismen
Spricht man mit der traditionellen Theologie von der Allmacht und dem Allwissen Gottes als seinem Begriff notwendig zukommenden Attributen, ist man versucht, spöttisch zu fragen, ob ein solches der zeitlichen Kontingenz zudem enthobenes Wesen schon immer alle Arten von Zahlen und Zahlreihen überblickt haben mag; ob es zum Beispiel die unendliche Reihe der Primzahlen durchgegangen ist. – Dies aber kann unmöglich sein oder es ist notwendigerweise unmöglich, denn die Reihe der Primzahlen ist eben unendlich; daraus folgt, daß dieses Wesen weder allmächtig noch allwissend ist. – Dies ist ein Hinweis auf den tieferen Grund des Scheiterns einer Theologie, die ihre Begriffe einer metaphysischen Ontologie verdankt und mit ihnen den wahren Ort des Glaubens im Leben, Ritus, Kult, Liturgie und Gesang, verdunkelt.
Die mathematische Tatsache, daß die Reihe der Primzahlen nicht abzählbar ist oder eine jede Primzahl einen Nachfolger hat, kann allerdings nur als Einwand gegen die göttlichen Attribute der Allmacht und Allwissenheit oder die Existenz Gottes als ens realissimum ins Feld geführt werden, wenn man die überzeitlichen Konstruktionen einer metaphysischen Theologie für sinnvoll betrachtet. – Aber sie sind es nicht.
Der Gott der metaphysischen Theologie hat nur ein Scheinleben geführt; es war daher keine großartige Leistung, seinen Tod zu diagnostizieren.
Der Abgrund zwischen Natur und Geist, Physik und Psychologie, Erklärung und Intuition tut sich mit Descartes auf; doch der Aberwitz, der ihn füllen oder besser verdecken soll, beginnt mit Fichtes Ich als Anti-Substanz einer grundlosen Reflexion der Reflexion und gipfelt in Sartres Begriff der Existenz als unbedingt freiem Entwurf aus dem Nichts. – Die Vulgarisierung dieser geistigen Fehlentscheidungen finden wir heute in der politisch korrekten Ideologie von Gender und Transgender, die das biologische Schicksal von Körper, Geschlecht, Charakter und intellektueller und moralischer Veranlagung leugnet und das Individuum in einem Wolkenkuckucksheim leerer Phrasen und willkürlicher Konstruktionen ansiedelt.
Der menschliche Körper ist nicht nur ein Gegenstand bestimmter meßbarer Größen und Strukturen, sondern der lebendige Leib, der uns in Leibempfindungen gegenwärtig ist oder der uns ermöglicht, uns in Leibempfindungen gegenwärtig zu sein.
Pseudo-Philosophen wollen mit der Bemerkung verblüffen, es sei doch seltsam, daß die Materie abgesehen von den paar Atomen und subatomaren Teilchen eigentlich nichts als Leere sei und daß unsere Hände, wenn wir sie klatschend aufeinanderprallen lassen, sich dennoch nicht durchdringen. – Andere, noch dümmere, wollen mit der Bemerkung renommieren, die Rede von der Willensfreiheit lasse sich angesichts der physikalischen Tatsache der Unbestimmtheit subatomarer Ereignisse in den Neuronen unseres Nervensystems plausibilisieren oder gar rechtfertigen.
Die Begriffe, mit denen wir vom Maßstab sprechen, seinen Umfang, seinen Wert, seine Mächtigkeit beschreiben und festlegen, sind kategorial verschieden von den Begriffen, mit denen wir über das Gemessene sprechen. – Den zeitlichen Rhythmus von Versen messen wir an der durchschnittlichen Frequenz des menschlichen Herzens; so sagen wir, ein rein daktylischer Hexameter ist schnell, ein hauptsächlich aus Spondeen zusammengesetzter langsam, doch können wir von der durchschnittlichen Herzfrequenz nicht sagen, sie sei schnell oder langsam.
Wir können die Wahrheit einer Pressemitteilung nicht dadurch überprüfen, daß wir sie mit der Darstellung im Konkurrenzblatt vergleichen und von ihrer Ähnlichkeit auf ihre Faktizität schließen. Beide könnten falsch sein, die eine, weil sie bei der früher erscheinenden Konkurrenz abgeschrieben hat, oder beide, weil sie aus derselben fehlerhaften Quelle zitieren.
Notwendig nennen wir die Ersetzung eines Begriffs durch ein Synonym, wenn wir die Identität des Sinns beider Aussagen erhalten wollen; aber auch die logische Folge eines Gedankens aus einem anderen, wenn wir die logische Konsistenz zweier Aussagen darstellen wollen. – „Notwendig“ ist ein Prädikat zweiter Stufe; daher ist es unsinnig, von notwendigen Tatsachen oder notwendigen Ereignissen zu sprechen. – Dies gilt nicht für die Verwendung des Prädikatsbegriffs „zufällig“; daher ist es unsinnig, von einem ontologischen Gegensatz zwischen Notwendigkeit und Zufall zu sprechen.
„Gott würfelt nicht“ ist kein sinnvoller Satz, wenn er als Einwand gegen die Feststellung der nichtdeterministischen Unbestimmtheit subatomarer Ereignisse gemeint ist. Denn diese ist ja offensichtlich mit den kausal erklärbaren Ordnungsformen von Atomen, Molekülen, Genen, Kristallen und Organismen vereinbar.
Der Talg des Geschwätzes hat ihnen die Ohren des Herzens versiegelt; das sehr ferne, sehr leise Singen himmlischer Chöre, wie sollten sie es noch vernehmen.
Suum cuique – eine gültige Formel antiken Rechtsdenkens, die Platon verwendet und Cicero vertieft, wurde von den braunen Nihilisten und Sprachverhunzern, die keinem das Eigne ließen, sondern allen das Ihrige oktroyierten, mißbraucht. Ist sie deshalb wie eine verdorbene Frucht ein für alle Mal auszuspeien?
Der Führer war Anhänger des kopernikanischen Weltbildes; sollen wir deshalb zum ptolemäischen zurückkehren? – Hitler war auch ein großer Verehrer des Islam und seiner männlich-heroischen Tugenden fanatisch-kriegerischer Welteroberung; er äußerte in seinen Tischgesprächen den Wunsch, die christlichen Truppen hätten bei der Reconquista Spaniens versagt, auf daß ganz Europa moslemisch geworden wäre und sich das romantisch-effeminierende Virus des Christentums nicht ausgebreitet hätte; an der Balkanfront ließ er viele muslimische Kämpfer in die Reihen der Wehrmacht aufnehmen. Dem Groß-Mufti von Jerusalem, der seinen Judenhaß auch noch nach dem Krieg in Palästina zur Geltung brachte, huldigte er als seinem persönlichen Gast in der Hauptstadt seines auf die Bosheit von Schurken und die Blindheit von Narren gestützten Reiches. – Sind die Gründe der braunen Islamophilie nicht hinreichende Anhaltspunkte für ein gerüttelt Maß an Skepsis gegenüber dieser Gesetzesreligion, die uns heute im Zuge eines neuen Fundamentalismus trotz früher kultureller Blüten archaisch anmutet?
„Toleranz“ ist nur mehr ein Tarn- und Codewort für Feigheit, Angst und Unterwerfung.
„Selbstbestimmung“ ist eine Forderung haltloser Halbwesen.
Mozart und Goethe kann man nicht in der Retorte züchten – nur Scheinidole unterweltlichen Charismas in den Laboren der Kulturindustrie.
Mangel an natürlicher Intelligenz brüstet sich mit den stupid-stupenden Leistungen der künstlichen.
Mißgestalten und Halbwesen, die weder physisch noch geistig zu zeugen vermögen, grimassieren auf den Bühnen, bejubelt als Idole des kulturellen Fortschritts.
Augustus mußte die Gefahr der Unterwerfung unter die kulturelle Hegemonie Asiens in blutigen Schlachten überwinden, auf daß die zarte Seele eines Vergil sein römisches Welt-Epos stiften konnte.
Im „Schloß“ zeigt Kafka das Charisma der Macht im fauligen Zustand des Verfalls, wie das Schimmern von Grünspan oder den Hautgout verdorbenen Wildbrets. – Das faulige Charisma ist das obszöne, unlautere, unheimliche Residuum des echten; es geht als erotischer Nimbus auf die Frauen über, die sein Träger, der ominöse Herr Klamm, hat „zu sich rufen lassen“.
„Humanität!“, brüllt der Vagabund, setzt dem Bürger die Pistole auf die Brust und fordert ihn auf, die Taschen zu leeren.
Die kümmerlichen spirituellen Relikte einer zweitausendjährigen müde gewordenen Religion, deren Todesurteil schon lange von den Kathedern verkündet worden ist, werden nun zum Ladenschluß zu Billigpreisen verramscht.
Was soll der orthodoxe Rabbi, der fromme Chassid von seinem abgefallenen Glaubensgenossen sagen, der die Arie des Wotan goutiert?
Augustus ließ sich gemeinsam mit seiner Gattin Octavia die Nekyia der Aeneis, das 6. Buch, von ihrem Verfasser vorlesen; das Paar soll am Ende der Beschwörung jener heroischen Seelen, denen Rom seinen Ruhm verdanken sollte und deren letzte Marcellus, der frühverstorbene Sohn, der erhoffte Erbe und Nachfolger des Augustus war, in Tränen ausgebrochen sein:
Tu Marcellus eris, manibus date lilia plenis,
purpureos spargam flores …
Du, Marcellus dereinst, so spendet Lilien in Fülle,
purpurne Blüten werde ich streun …
Von welchem unter den plebejischen Volkstribunen demokratischer Provenienz ist vorstellbar, daß er bei der Rezitation von Versen ähnlichen Ranges nicht dümmlich zu grinsen begänne?
Nach ungeheuren Niederlagen, Zerstörungen und Demütigungen scheint der Name der Heimat auf immer mit einem Tabu belegt; ein Numinosum gleichsam pervertierter Art.
Die Freiheit des Denkens und die Unbefangenheit des Sprechens ziehen sich in die innere Emigration einer nachtwandlerischen, der Aktualität des Tages abholden Besinnung zurück.
Kant, der zwar seinen hellen Kopf in die Aura eines obskuren Idioms hüllte, schwamm doch im Hauptstrom der Zeit, jener Aufklärung, deren dunkle Triebkräfte einzig sein Zeitgenosse Hamann mittels Sprachkritik bloßlegte. Heute versickert dieser Strom im Brackwasser einer von Diskurspolizisten überwachten akademischen Sumpflandschaft. Wittgenstein, der die eigentlich radikale Umwälzung des Denkens darstellt, hat er doch den Acker der Vernunft mit der Egge der sprachlichen Besinnung geklärt, ahnte, daß seine Funde vom Zeitgeist an das von hohem Schilf verdeckte Ufer einer ohnmächtigen Nachfolge gespült würden.
In der Gewißheit, daß rhythmisch gebundene Dichtung und ihre reiche, aber nicht unbegrenzte Formenwelt ihr Zeitmaß am menschlichen Herzschlag nimmt, dürften wir von anderen uns wenig ähnelnden Kreaturen, so sie denn dichterischen Ausdrucks fähig wären, nichts Entsprechendes erwarten; jedenfalls wären wir mehr als überrascht, Epen vom Kolibri oder Epigramme vom Wal zu vernehmen.
Je windungsreicher, wuchtiger, fordernder die metrische und rhythmische Bindung, umso kühner und phantastischer die Exuberanzen der dichterischen Einbildungskraft; der homerische Hexameter glänzt vom Schaum des epischen Vergleichs, die Katarakte der pindarischen Ode schimmern vom Feuer des Himmels.
Der müde Epigone läßt die Zügel schleifen und der herrenlose Pegasus stürzt ins dornige Metapherngestrüpp, in den Sumpf glucksender Zoten.
Die gezügelte Sprache und Form gehört der frühen Kultur an, der Wildwuchs und die Formlosigkeit der dekadenten Spätzeit.
Wer spiegelt wen; die Götter die Menschen oder umgekehrt? – Jedenfalls können wir beispielsweise anhand der mythischen Göttinnen eine Typologie weiblicher Persönlichkeiten und psychologischer Strukturen entwickeln, wie im Bild der Hera die typische Matrone und Ehefrau, der Artemis die sittsame Virgo, der Aphrodite die anmutige Belle de jour, der Demeter die den Verlust der Tochter beklagende und durch ihre Wiederkehr beglückte Mutter.
Der Glaube, nicht die Vernunft, ist der Gestalter und Walter, im Persönlichen und im Geschichtlichen; Glaube an die Berufung, den Auftrag, die Auszeichnung; Glaube an die Größe des Stammes, des Volkes, des Imperiums. Fehlt er oder wird er brüchig, sinken die Schöpfungen, die Triumphbögen, die Reiche.
Der Glaube an die Menschheit ist ein vulgäres Surrogat für den Mangel an persönlicher Größe.
Der Glaube an die Größe des Imperium Romanum hob Vergil und Horaz über die Ebene farbiger Schatten hellenistischer Dekadenz ins reine Licht der astralen Zone des Ruhms.
Der Athena-Tempel der Akropolis zeugt vom Glauben der Hellenen an ihre geschichtliche Größe. Die aberwitzigen Entwürfe eines Albert Speer von der geistigen Nullität des Dritten Reiches.
Fremdstämmige Vergewaltiger werden in psychologische Obhut und aufwendige Pflege gegeben, Kindsmörderinnen als Idole weiblicher Selbstbestimmung umjubelt.
Der Dichter, der sich pfleglich um den Erhalt der nationalen Sprachsubstanz bemüht, wird als der Aufklärung bedürftiger Dunkelmann und reaktionärer Sprachmystiker verdächtigt.
Die neue Therapie besteht in der Leugnung der Krankheit.
Doch es hilft den Siechen nichts, wenn man sie mit einem gönnerhaften Lächeln aus dem Siechenhaus entläßt.
Mit dem ethnischen Kern stirbt auch seine kulturelle Hülle.
Die Verdrängung der tibetanischen Nationalkultur durch die chinesischen Invasoren wird immerhin bedauert; doch der Niedergang der eigenen Kultur in Folge der Invasion von Angehörigen einer fremden wird nicht nur hingenommen, sondern als Sühneakt für die Vergehen der Vorfahren hochgeschätzt, gefeiert, befördert.
Dana Gioia, The Country Wife
She makes her way through the dark trees
Down to the lake to be alone.
Following their voices on the breeze,
She makes her way. Through the dark trees
The distant stars are all she sees.
They cannot light the way she’s gone.
She makes her way through the dark trees
Down to the lake to be alone.
The night reflected on the lake,
The fire of stars changed into water.
She cannot see the winds that break
The night reflected on the lake
But knows they motion for her sake.
These are the choices they have brought her:
The night reflected on the lake,
The fire of stars changed into water.
Die Frau vom Lande
Sie macht ihren Weg unter Zweigen, die dunkel wehen,
hinunter zum Se, um allein zu sein.
Sie braucht nur dem Rauschen der Blätter nachzugehen,
sie macht ihren Weg. Durch die Zweige, die dunkel wehen,
kann sie einzig die Sterne noch sehen.
Doch erhellt ihren Weg kein Sternenschein.
Sie macht ihren Weg unter Zweigen, die dunkel wehen,
hinunter zum Se, um allein zu sein.
Die Nacht, die im See sich entgegenblickt,
das Feuer der Sterne in Wasser verwandelt.
Sie kann die Winde nicht sehen, woran sie erstickt,
die Nacht, die im See sich entgegenblickt,
doch sie weiß, sie sind ihr eigens geschickt.
Sie brachten die Wahl ihr, um die es sich handelt:
die Nacht, die im See sich entgegenblickt,
das Feuer der Sterne, in Wasser verwandelt.
Dem Abgrund nah
Wir wissen es ja nicht, wohin wir gehen,
wir haben nur des Veilchens feuchten Blick,
der uns dem Abgrund nah noch reißt zurück,
da geisterhaft aus ihm schon Nebel wehen.
Wir mögen uns wohl bei den Händen fassen,
als wärmte Blut uns noch, das singend fließt,
doch gleicht der Kuß, der dir die Lider schließt,
den Funken, die im Fallen rasch verblassen.
Wir wissen es ja nicht, woher wir kommen,
die Sagen, die aus lichten Quellen rannen,
die Flammen, die aus dunklen Sagen stiegen,
wie lange sind sie schon versiegt, verglommen.
Uns blieb der goldne Staub geneigter Grannen,
gedämpfter Schmerz, wenn Lerchen aufwärtsfliegen.
Robert Frost, Acquainted with the Night
I have been one acquainted with the night.
I have walked out in rain—and back in rain.
I have outwalked the furthest city light.
I have looked down the saddest city lane.
I have passed by the watchman on his beat
And dropped my eyes, unwilling to explain.
I have stood still and stopped the sound of feet
When far away an interrupted cry
Came over houses from another street,
But not to call me back or say good-bye;
And further still at an unearthly height,
One luminary clock against the sky
Proclaimed the time was neither wrong nor right.
I have been one acquainted with the night.
Zuspruch der Nacht
Auch ich war einer, dem die Nacht zuspricht.
Ich ging im Regen, kam im Regen zurück.
Ich wanderte zum fernsten Lampenlicht.
Ich warf in triste Gassen einen Blick.
Ich holte den Wachmann ein auf seinem Gang,
schaute zu Boden, stumm sein hieß mein Glück.
Ich verhielt den Schritt und seinen dumpfen Klang,
als von weither ein Ruf, gebrochen-hohl,
aus andern Straßen sich über die Häuser schwang,
doch rief er mich nicht heim, sprach nicht leb wohl,
und ferner noch aus Höhen, irdischen nicht,
hat jene Sternenuhr am Himmelspol
verkündet, die Zeit sei stets im Gleichgewicht.
Auch ich war einer, dem die Nacht zuspricht.
Der Torso
Es bangt uns um die königliche Seele,
daß Schwermut sie verdunkelt, Hohngeschrei,
und sie herab sich stürzt ins Einerlei
getünchter Mienen von der Schmerzensstele.
So liegt ein Torso unterm Staub der Schritte,
zersprungne Maße einer reinen Hand,
die jenen Ton dem stummen Stein entband,
der lieblich spielt um eine strenge Mitte.
Nun gehen stumpfe Sklaven drüber hin,
Verächter jeder Größe, aller Ränge,
die sie für böser Triebe Trugbild halten.
Doch sind noch Dichter von erlauchtem Sinn,
sie finden unterm Lärm sublime Klänge
und zwischen wüsten Fratzen Lichtgestalten.
Robert Frost, Dust of Snow
The way a crow
Shook down on me
The dust of snow
From a hemlock tree
Has given my heart
A change of mood
And saved some part
Of a day I had rued.
Staub aus Schnee
Wie in der Allee
vom Ast eine Krähe
den Staub aus Schnee
geschüttelt mir jähe,
hat mich geweckt
ein Flügelschlag,
der bitter geschmeckt,
süß ward mir der Tag.
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