Halme grüner Verse
Mohnfelder, Flammen, die das Herz zerkochten,
ein Kuckuck rief dem Gott der Hirten nach.
Du gingst, ins Haar des Herbstes Gold geflochten,
es blich im Mond, der durch die Wipfel brach.
Uns fröstelte vom heißen Schrei der Grille,
und jäh war er verstummt, doch nicht die Qual,
die in uns bettelte um Schlaf und Stille,
den Tau des Efeus am bemoosten Mal.
Im Dämmer glänzten schwarz Holunderbeeren,
sanft preßten wir das Schweigen, Hand in Hand,
süß war es uns, der dunklen Glut zu wehren,
die einst in roten Küssen war entbrannt.
Laß, Dichter, Halme grüner Verse sprießen
am Rinnsal, wo des Abschieds Tränen fließen.
William Shakespeare, Sonett 17
Who will believe my verse in time to come,
If it were filled with your most high deserts?
Though yet heaven knows it is but as a tomb
Which hides your life, and shows not half your parts.
If I could write the beauty of your eyes,
And in fresh numbers number all your graces,
The age to come would say ‘This poet lies;
Such heavenly touches ne’er touched earthly faces.’
So should my papers, yellowed with their age,
Be scorned, like old men of less truth than tongue,
And your true rights be termed a poet’s rage
And stretched metre of an antique song:
But were some child of yours alive that time,
You should live twice, in it, and in my rhyme.
Wer glaubt noch meinem Vers in künftigen Welten,
der ganz von deinem hohen Wert erfüllt?
Der Himmel sieht, er kann als Grabmal gelten,
das dich verbirgt, dein wahres Sein verhüllt.
Könnt deiner Augen Schönheit ich beschreiben,
all deinen Liebreiz singen Maß für Maß,
die Nachwelt riefe: Dichter übertreiben,
kein Mensch, der Engelsschöne je besaß.
So wird mein Buch, vergilbt, mit Altersschorfen,
mißachtet, gleich dem Greis, der Unsinn lallt,
dein Lobpreis als Poetenwahn verworfen,
zerdehnter Vers bemooster Klanggestalt.
Doch strahlte noch aus Kindes Blick dein Licht,
du lebtest zwiefach, in ihm und dem Gedicht.
William Shakespeare, Sonett 16
But wherefore do not you a mightier way
Make war upon this bloody tyrant, Time?
And fortify your self in your decay
With means more blessed than my barren rhyme?
Now stand you on the top of happy hours,
And many maiden gardens, yet unset,
With virtuous wish would bear you living flowers,
Much liker than your painted counterfeit:
So should the lines of life that life repair,
Which this, Time’s pencil, or my pupil pen,
Neither in inward worth nor outward fair,
Can make you live your self in eyes of men.
To give away yourself, keeps yourself still,
And you must live, drawn by your ownsweet skill.
Doch magst du Waffen, schärfere, noch recken
im Feldzug gegen den Tyrannen Zeit,
dein Siechtum hinter Mauern wohl verstecken,
die dichter sind als meiner Verse Kleid.
Nun stehst du auf dem Turm von hohen Tagen,
rings mancher Frauen Gärten, bar der Saat,
vom Wunsch beseelt, dir Lebens Flor zu tragen,
dir ähnlicher als Bildes Inkarnat.
Des Lebens Linien schreibe Leben fort,
was flüchtig Zeit und dünn mein Pinsel malen,
der Quell der Seele und ihr schöner Hort,
dein Lächeln muß mit solchen Blättern fahlen.
Wenn du dich hingibst, nur dann wirst du bleiben,
dir ist die Kunst, im Bild dich zu verleiben.
Des Laubes Grazie
Scheint wund dir vom Gewicht der Welt der Rücken,
ist ein Gespenst nur, was du torkelnd trägst.
So wirf es ab, wenn du ins Gras dich legst,
im hohen Blau Lichtfäden zu erblicken.
Will dir der Staub des Tags die Kehle stopfen,
o atme ein, die Herbstzeitlose bebt,
der Schleier perlt, den lächelnd Venus hebt,
und atme aus, geküßt von weichen Tropfen.
Birgst du dich abends unter Rankengittern,
ist alles stumm, es singt kein Vogel mehr.
Noch rauschen südwärts Schwäne übers Meer,
fühl, Duft des Lotos läßt ihr Herz erzittern.
Doch ekelt das verschnittene Terrain,
o fern des Laubes Grazie bei Lorrain.
Schatten unter Schatten
Nachts hört er Läuten österlicher Glocken
aus dem Morast versiegter Ströme steigen,
und mag sein Traum sich über Brunnen neigen,
sind Stimmen, in die Tiefe ihn zu locken.
Er wandelt hin ein Schatten unter Schatten,
die giftig zischen, Zungen fremder Sippen,
ihm hat die Rede ausgedörrt die Lippen,
am Hauch des Wahns, das Wort, es muß ermatten.
Will abseits er aufs dunkle Moos sich betten,
zu strömen in die Nacht, die sternenlose,
quält ihn Erinnerung, o Duft der Rose,
als könnten ihn der Heimat Gärten retten.
Doch schwitzt Asphalt, wo seine Rosen blühten,
erloschen sind, die grünem Dämmer glühten.
William Shakespeare, Sonett 15
When I consider every thing that grows
Holds in perfection but a little moment,
That this huge stage presenteth nought but shows
Whereon the stars in secret influence comment;
When I perceive that men as plants increase,
Cheered and checked even by the self-same sky,
Vaunt in their youthful sap, at height decrease,
And wear their brave state out of memory;
Then the conceit of this inconstant stay
Sets you most rich in youth before my sight,
Where wasteful Time debateth with decay
To change your day of youth to sullied night,
And all in war with Time for love of you,
As he takes from you, I engraft you new.
Betrachte ich, wie jedes Ding gedeiht
und einen Augenblick nur blüht in Fülle,
wie dieses Schauspiel nichts als Possen reiht,
umglänzt von der Gestirne Geisterhülle,
seh ich, wie Menschen wachsen blumengleich,
der sie erquickt, der Himmel läßt sie schmachten,
des Prangens Purpursaft rinnt talwärts bleich,
verschlissnes Festkleid, keiner wird sein achten:
So wird mir klar, wie alle Vesten schwanken,
du schwebst vor mir in voller Jugend Pracht,
wo Nichter Zeit und Fäulnis um dich zanken,
zu stoßen deinen Glanz zum Pfuhl der Nacht.
Um dich kämpft Liebe bis zur Todesstunde,
ein Reis propf ich dich, und es blüht die Wunde.
Einsam torkelnd
Und einsam torkelnd durch die Schattenschluchten,
fühl einen Stich ich schwach, wenn Seelen streifen.
Wo Früchte ihr, die Gott aus Eden reifen,
ihr Monde, Lotos über blauen Buchten.
Schnitt mir ein Sägeblatt des Lärms die Wunde,
will ich die Knospe Blut in Aschen wühlen.
Wo Quellen ihr, die Schläfe mir zu kühlen,
ihr Seufzer, rieselnd aus bemoostem Munde.
Ich sah dem Maskendickicht sich entwinden
ein Lächeln, und sein Licht schien mich zu meinen.
Verschlungen von den Wogen, die verneinen,
die Blume Anmut muß ins Dunkel münden.
Daß Cherubim vor meiner Türe wachen,
mit Flammenschwertern, oder Höllendrachen.
O schlafen, schlafen
Und geh ich abends einsam über Felder,
wo bittre Tropfen an den Halmen nagen,
seh ich das Kreuz auf fernem Hügel ragen
und sehne mich ins Dunkel tiefer Wälder.
Den Pfad zum Uferschilf, wo trübe Wellen
den braunen Kahn, den schon bemoosten, wiegen,
ihn meid ich noch, solange Schwalben fliegen
und trunken sirrend mir den Weg erhellen.
Doch blüht zur Nacht des Mondes blasse Blume,
streck ich mich aus ins Seufzen weicher Moose
und träume von dem Duft der Alpenrose,
die du mir einst bewahrt in feuchter Krume.
Erloschne Rose kann kein Kuß entfachen,
o schlafen, schlafen, und nicht mehr erwachen.
Sonett des Witwers
Dein Lächeln war wie einer Welle Schaum,
der Möwe Schatten ist es weggeflogen,
o Träne, du hast zitternd Glanz gesogen,
und er rann hin auf dunklen Schweigens Saum.
Wie Ranken, weich benetzt vom Abendtau,
im jähen Winde Silbertränen weinen,
sie sprühen aus an schiefergrauen Steinen,
hab ich geweint, ein Mann um eine Frau.
Wie Vögel, die geheime Macht betört,
zu wandern aus in ferne Paradiese,
im Schlaf noch zwitschern, wiegt sie Meeresbrise,
verklang, was tief gebeugt nur Schwermut hört.
Laß, Dichter, Efeu um das Grabmal dunkeln,
das Gold der Inschrift unter Kerzen funkeln.
Die Obszönen
Die durch ihr bloßes Dasein schon verhöhnen,
die Blicke Gier, der Wulst der Worte feucht,
gleich Schaben, die kein Sonnenlicht verscheucht,
gekrochen aus dem Ausguß, die Obszönen.
Mollusken ohne Rückgrat, die nicht hecken,
sind fruchtbar immerhin, rhythmisch verzweigt,
doch hat des Dämons Sperma blind gezeugt,
die eitel nur ihr Spiegelbild belecken.
Schwarmgeister, die der Ahnen Saat befielen,
sie fressen sich den eignen Untergang,
die abgeschüttelt Scham und Maß und Rang,
sie streuen Spreu, den Samen der Sterilen.
Laß, Dichter, Lava aus den Versen wallen,
worin die Larven schrumpeln und zerfallen.
Katakombennacht
Daß uns aus Wolken fielen noch Ikonen,
vom Engel namens Raffael gemalt.
Als müßten wir in Gottes Schatten wohnen,
schon lange ist kein Gnadenblick erstrahlt.
Es blieben uns nur abgeblühte Namen,
die Geisterhand auf öden Karst verstreut,
und trugen doch der schönen Seele Samen,
o Sommerblau, wie uns dein Lächeln reut.
Die wir noch bebend Kerzen angezündet,
zu suchen Trost in Katakombennacht,
nicht sahen wir, was hoher Geist verkündet,
wie Licht des Lebens aus dem Grab erwacht.
Laß, Dichter, dunklen Wortes Wimpern zittern,
daß uns ein Auge glänzt wie zwischen Gittern.
William Shakespeare, Sonett 14
Not from the stars do I my judgement pluck;
And yet methinks I have Astronomy,
But not to tell of good or evil luck,
Of plagues, of dearths, or seasons’ quality;
Nor can I fortune to brief minutes tell,
Pointing to each his thunder, rain and wind,
Or say with princes if it shall go well
By oft predict that I in heaven find:
But from thine eyes my knowledge I derive,
And, constant stars, in them I read such art
As truth and beauty shall together thrive,
If from thyself, to store thou wouldst convert;
Or else of thee this I prognosticate:
Thy end is truth’s and beauty’s doom and date.
Nicht sammle ich von Sternen Kunde ein,
und dennoch will ich Sternendeutung wagen,
berichte freilich nicht von Glück und Pein,
von Seuchen, Dürren oder Wetterplagen.
Ich lese nicht dem Schicksal aus der Hand,
jedwedem Donner, Regen, Sturm zu künden,
noch ob das Glück von Prinzen hab Bestand,
wenn Himmelsstrahlen in die Zukunft münden:
Nein, deine Augen sind mein Wissensquell,
Fixsternen gleich, ich weiß, darin zu lesen,
wie Wahres blüht im schönen Abbild hell,
kannst du von Eigenliebe nur genesen.
Was sonst geschieht, ich kann es dir verheißen,
das Wahrbild Schönheit wird dein Tod zerreißen.
Blitzt aber Gott
Subtile Fiederung, belehrt vom Wind,
daß Mittagsbläue furchen fromme Schwingen.
Der Nachtigallen zauberisches Singen,
daß Arme reicher als die Satten sind.
Der Blüten Mimikry, die Falter kirrt,
daß Süße saugend Leben sie verschwenden.
Erinnerungen, die den Kreis vollenden,
hat Abendlicht das Knäul des Tags entwirrt.
Der Mythen Schnee, im Hauch des Lieds getaut,
Perlmutt in Muscheln meerumschäumter Bilder,
erglänzen unterm vollen Monde milder,
wie Tränen auf der Sanftmut matter Haut.
Blitzt aber Gott in Rhythmen dunklen Lebens,
der Phrase Aaslicht flackerte vergebens.
Wechselgesang der Abgeschiedenen
„Als könnte ferner Hauch mich noch erreichen,
der Knospen deiner Huld entflossen ist,
vertändelt habe ich die schmale Frist,
des Sommertages goldne Bilder bleichen.“
„Was du in feuchter Auen Glanz gesungen,
als ich Holunderschnee uns hab gepflückt,
wie Vogelruf, vom Abendrot entzückt,
ist es im schwarzen Laub der Nacht verklungen.“
„Die wie Kristalle heiß das Herz zerstochen,
die flockenblinden Küsse sind getaut.“
„Wenn aus dem Schilf der Sehnsucht Nebel graut,
seh ich des Mondes Porzellan zerbrochen.“
Laß, Dichter, sich in süßem Reim vereinen,
die abgeschieden umeinander weinen.
William Shakespeare, Sonett 13
O! that you were your self; but, love, you are
No longer yours, than you your self here live:
Against this coming end you should prepare,
And your sweet semblance to some other give:
So should that beauty which you hold in lease
Find no determination; then you were
Yourself again, after yourself’s decease,
When your sweet issue your sweet form should bear.
Who lets so fair a house fall to decay,
Which husbandry in honour might uphold,
Against the stormy gusts of winter’s day
And barren rage of death’s eternal cold?
O! none but unthrifts. Dear my love, you know,
You had a father: let your son say so.
O, bliebst du, Lieber, eins mit dir, doch bist
du’s länger nicht, solang du hier mußt leben:
Das Ende naht, benütze diese Frist,
dein süßes Bildnis andern mitzugeben.
So wird die Schönheit, dir verliehen zur Pacht,
hinfällig nicht, du darfst ins Lichte ragen,
du selbst, sank auch dein altes Selbst in Nacht:
Mag süßer Sproß dein süßes Antlitz tragen.
Wer gäb ein Haus, so schön, preis dem Ruin,
ein weiser Sinn erhielte es in Ehren,
wenn auch des Winters wilde Winde schrien
und ewigen Eises Tode an ihm zehren.
Ach, nur Verderb! Weißt, Lieber, du den Namen
des Vaters noch? So rufe dich dein Samen.
Vergeblicher Rat
Haus ein dich hinter harten Eisentoren,
sagt wunden Geistes uns der Fahrensmann.
Wir treiben Blüten blaß in Mondes Bann
auf Wassern hin, dem frohen Tag verloren.
Verbirg dich in des Abends Dämmerlauben,
rät uns vom Strahl versengt der Venus Magd.
Steigt schon der Sonnenfalke, der sie jagd,
uns girren Morgenlicht die Turteltauben,
Daß nicht die Seele flieht, verschließ die Lippen,
sagt wohl der Fromme, Wortes Eremit.
Uns heißt zu sagen, was die Liebe litt,
das wilde Brausen im Verlies der Rippen.
Vergebens ist, den Irrenden zu raten,
die somnambul der Gischt entgegenwaten.
Melpomene
sed quae Tibur aquae fertile praefluunt
et spissae nemorum comae
fingent Aeolio carmine nobilem.
Horaz, Oden, 4, 3, 10–12
In Wassern, die bei Tivoli geflossen,
hat süß sie dir gerauscht, Melpomene,
in Haines Lauben, im Holunderschnee
hast fern der Welt die Stille du genossen.
Uns aber ward die Lippe spröd im Staube,
den aufgewirbelt asphaltgrauer Wind,
in grellen Bildern trieb das Auge blind,
an Überdruß verblutete der Glaube.
Der Jugend Chor hat feierlich gesungen
dein Lied zum Ruhm besonnter Tempelpracht,
gelähmt hat uns, zu stolpern in die Nacht,
der Pfeil, tonlos ins Herz des Worts gedrungen.
Daß uns der Efeu an der Friedhofsmauer
noch rühre geisterhaft der Muse Schauer.
Das zerbrochene Maßwerk
Die tätowierte Haut der Phantasie,
schmerzvoll zerstochne fratzenhafte Leere.
Es zischt, die feuerspeiende Chimäre
reibt feuchten Blickes sich an Gauklers Knie.
Die blind im Schleim des Ungereimten schmatzt,
die Made Unzucht ist ins Wort gekrochen,
das Maßwerk des Gedichtes liegt zerbrochen,
obszöner Stachel hat das Bild zerkratzt.
Was sich wie Hefe aus dem Abgrund hob,
hat ätzend die Ikonen überquollen,
die Lilien und die Rosen sind verschollen,
der Dankgesang und schöner Formen Lob.
Bau, Dichter, Treppen uns aus dunklen Schluchten,
beglänzte Zeilen an mondstillen Buchten.
Vertane Lektüren
ego apis Matinae
more modoque
grata carpentis thyma per laborem
plurimum circa nemus uvidique
Tiburis ripas operosa parvus
carmina fingo.
Horaz, Ode 4, 2, 27–32
Ach ja, hoch flog der große Pindaros,
ein Schwan, himmlische Musen zu betören,
doch was mich graue Schulmaus stets verdroß,
das stumme Buch ließ mich kein Rauschen hören.
Ein Sturzbach, der da braust, pries ihn Horaz,
in wilden Gischtes Schäume mich zu locken,
wo aber, Wonnen blauen Hymnen-Bads,
Papier, es brauste nicht und blieb staubtrocken.
Zart hat der Römer es uns anvertraut,
nicht stürze er, ein Schwan, in blaue Tiefen,
umsumme, niedre Biene, Quendelkraut,
bis seine Carmina von Nektar triefen.
So hab ich mich ins Sommergras gelegt,
der Ode Ton war schon im Traum verklungen,
ein dunkles Brummen kam herangefegt,
ein Stich, und ich bin schreiend aufgesprungen.
Ungeheuer
Auf Kreuzes Balken seufzt ein Schaum von Flocken,
verkrustet ist die Wunde von Kristall,
die Nacht ist hell wie vor dem Sündenfall,
nichts zischt, sie aus dem Schlaf des Schnees zu locken.
Schon spielt die blaue Luft mit starren Halmen,
stumm aus verharschtem Uferschlund gebleckt,
zu singen hat der Strahl den Schmerz erweckt,
und Zapfen weinen grünem Wasser Psalmen.
Zur Rose sagt die Liebe, küß mich, Feuer,
zum Mohn der Dichter, färb das Wort mir rot,
kehrt auch die Blätter von der Bühne Tod,
fad wär das Schauspiel ohne Ungeheuer.
O die das Blütenblatt ins Album pressen,
bald haben sie des Namens Duft vergessen.
William Shakespeare, Sonett 12
When I do count the clock that tells the time,
And see the brave day sunk in hideous night;
When I behold the violet past prime,
And sable curls, all silvered o’er with white;
When lofty trees I see barren of leaves,
Which erst from heat did canopy the herd,
And summer’s green all girded up in sheaves,
Borne on the bier with white and bristly beard,
Then of thy beauty do I question make,
That thou among the wastes of time must go,
Since sweets and beauties do themselves forsake
And die as fast as they see others grow;
And nothing ‘gainst Time’s scythe can make defence
Save breed, to brave him when he takes thee hence.
Hör ich den Glockenschlag Vergängnis künden
und seh den frohen Tag vergrämt im Trauerkleid,
erblick am Veilchen ich die Fülle schwinden
und schwarze Locken silbern überschneit,
seh ich, wie hohem Stamm die Blätter starben,
Schirm, der das Vieh vorm Sonnenstich bewahrt,
die lichten Grannen starr in dumpfen Garben,
vom Karren weht ihr struppig-weißer Bart,
dann macht dein schöner Leib mich bang erzittern,
daß er im Wüstensturm der Zeit verdorrt,
denn Schönheit welkt und Süße muß verbittern,
blüht andres schon, Tod reißt sie mit sich fort.
Sinnlos, vorm Sichelklang sich taub zu stellen,
doch mag aus Kindesmund dein Lied noch quellen.
Dichters Grab
Die Gräber grünen fahl, im grauen Mond
siehst du noch Lichter, die dich zitternd fragen,
ob auch Gedächtnis bei den Engeln wohnt,
an deren Flügeln bittere Wasser nagen.
Kein Engel schwebt um Dichters schmales Grab,
kein Fittich rauscht ihm nach die Nachtgesänge,
nur eine Weide senkt ihr Haupt herab,
daß sie mit weichem Tau das Mal besprenge.
Nur einmal knirschte aus dem Schlaf der Kies,
ein altes Weib blieb vor dem Schriftzug stehen:
„Mich quälte Duft aus fernem Paradies“,
trüb war ihr Blick, sie konnte ihn nicht sehen.
Bald stinkt das Grab von brandig-faulen Saaten,
es einzuebnen, blitzen schon die Spaten.
Der weiche Schauer
Tropft durch das Laubendach der Dämmerungen
kein Sternenlicht, kein Tau auf unseren Schmerz,
vergebens wär, was Dichter uns gesungen,
ein Schattenspiel, ein selbstverliebter Scherz.
Die es wie Schicksal tragen, Blattwerk stummer Trauer,
gleich Zweigen starr gereckt in Düsternis,
erweckt nur hoher Muse weicher Schauer,
ein Himmel rinnend durch der Seele Riß.
Die weißen Blüten, die es aufgelesen,
das Kind streut lächelnd sie aufs Wasser hin.
Von dunkler Zweifel Fieberwahn genesen,
schenkt uns der Geist im Liede Licht und Sinn.
Mag, Dichter, dich ein sanftes Tröpfeln lehren,
daß noch Gesanges Wolken wiederkehren.
Tau zittert hin
Tau zittert hin, vom Hauch erweicht, Kristall,
die Erde sänftigt leiser Seufzer Rinnen.
Zu Seidenschuhen rollt der Purpurball,
das Spiel von Tod und Liebe will sich spinnen.
Eisblumen, die den müden Blick gebannt,
sind über Nacht gewelkt an lauen Scheiben.
Es schwirren heiße Schatten übers Land,
kein Engel liest, was sie auf Gräber schreiben.
Das schrille Wort, es wird im Zwitschern stumm,
Gefuchtel tauber Hand muß jäh erstarren.
Am Blau des Himmels sieht sich Klugheit dumm,
vorm Abgrund tanzt geblümte Schar der Narren.
Noch perlen, Dichter, dir am Kruge Tropfen,
bald wird den grünen Mund Rauhnacht verstopfen.
Kerzen im Gedicht
Von Stengeln schwach, von Wurzeln nicht gehalten,
die aus den Toden Leben saugen, Pracht,
verschweben wir auf Wassern, Luftgestalten,
Gespinst des Mondes, Schaum der Sternennacht.
Der fernen Blitze hymnische Gravuren
wischt wieder aus ein grauer feuchter Schwamm.
Schnee fällt auf Schnee, unlesbar sind die Spuren.
Im Marmorspalt lallt Grabmals Epigramm.
Wir wandeln unterm Rauschen dunkler Blätter,
worin des Heimwehs Elegie erlischt,
vom jähen Abgrund reißt hinweg kein Retter,
sprüht schon der Reueklage bittrer Gischt.
Magst, Dichter, du im Finstern Kerzen spenden,
daß Liebe trägt der Liebe Bild auf Händen.
Verlassene der Dämmerungen
Wie warmer Hauch in blauen Frost gequollen,
was wir gesungen, wölkte trüb hinan,
Eleison, in Finsternis verschollen,
glomm auch der Kelch, er löste nicht den Bann.
Als Phoebus und Dianas Sänger standen
vorm Sonnentempel auf dem Palatin
Roms Kinder in äolischen Gewanden,
ein Duft floß ihnen zu von Lorbeer grün.
Wo sich der Neckar in den Abendstunden
wohl einem Seher purpurn hat gefärbt,
bog sich ein Kreuz, von wildem Wein umwunden,
ward Sonnensang von Mondes Horn gekerbt.
Daß wir, Verlassene der Dämmerungen,
noch beten könnten wie mit Flammenzungen.
Corona des Wortes
Aufs Wasser gesetzt, Weihgabe der Nacht,
mit Lichtern beflaggte herzblättrige Schalen.
Was uns beschieden, still lächelnd zu zahlen,
sind wir aus Erde und Himmel gemacht.
Im Rauschen des Blattes geht unter Gesang,
was auf den Denkstein die Treue geschrieben,
wird von den Geißeln der Winde zerrieben,
Tau einer Blüte, wie zittert er bang.
Corona des Wortes, verschwiegener Sinn,
Veilchenduft aus zerknitterten Briefen,
Wehklagen, die unter Goldlettern schliefen,
Flocken von Namen, sie schmolzen dahin.
Wort, kaum entsprossen, schon stäubt es hinab,
Himmel und Erde, einträchtig im Streite,
gepfercht in die Enge blaut uns die Weite,
friedvoll hüllt aber Efeu das Grab.
Moos grünt Erinnerung
Auf fernen Gipfeln scheint ein Schnee erglüht
von Rosen, die im Talgrund lang verblaßten.
Hat sich umsonst der Geist ums Wort gemüht,
mag kindlich er nach Jenseitsbildern tasten.
Moos grünt Erinnerung am toten Stein,
der rätselhaften Inschrift hellen Schatten,
verborgen sei das Heil in Brot und Wein,
dem wunden Herzen blieb nur sanft ermatten.
Idiot der Liebe, der ihr Bildnis küßt,
der Seele lichten Schaum aus Dunkelheiten,
weiß wohl, kein Auge weint, das ihn vermißt,
und fühlt Geschwisterblick ihn heimgeleiten.
Der Schrein ist leer, vor dem uns Flammen lohten,
o sende, Abgrund, uns noch Liebesboten.
Im Abschied mild
Dem irdenen Krug, umweht von Spinnenweben,
blieb von den Sonnentrauben kaum ein Dunst.
Die Knospen, die im Abendwind erbeben,
im Abschied mild, entrückter Anmut Gunst.
Beschwingte Stimmen sind schon fortgezogen,
wir bleiben mit dem kahlen Wort allein,
doch hat das Lied der Lerchen nicht getrogen,
das höher stieg als unser dumpfes Sein.
Ist längst erloschen auch das Gold der Früchte,
und weichen Singsangs Lippe ward dir rauh,
im Schlaf erglänzt auf deinem Angesichte
wie hingeneigter Blüte frischer Tau.
Noch einmal kehre Zwitschern in die Lauben,
bevor die grauen Herzen uns ertauben.
Im Kuß der Sonne scheiden
Laß Hand in Hand uns durch die Auen streifen,
schon duftet es nach Veilchen blau und kühl,
und konnte uns die goldne Frucht nicht reifen,
schwebt blaß, doch vollen Mondes das Gefühl.
Wild überwuchert finden sich noch Quellen,
versiegt ist nicht, was heimlich Gaia spricht,
und knien wir auf feuchten Mooses Schwellen,
schöpft unser Herz, das wunde, dunkles Licht.
Bricht ein der Strahl, die Knospen aufzuschließen,
daß selig süßen Tau die Blüte weint,
sind Schatten wir, die ineinanderfließen,
zwei Siegelhälften, stumm im Tod vereint.
Und mußten wir im Kuß der Sonne scheiden,
der Mond wird uns in Efeublätter kleiden.
Die zerbrochene Syrinx
Ist eine Scherbe, sind es blanke Knochen,
was schimmernd aus der dunklen Erde ragt,
Hand des Barbaren hat den Krug zerbrochen,
der Mensch, der fiel, hat nicht Lebwohl gesagt.
Ist es der Atem auch, der dunkel floß,
daß bange Nacht das Schilf in Schauern wiegt,
weil Keuschheit sich dem wilden Gott verschloß,
hat er sich selbst im reinen Ton besiegt.
Wie stumm die Welt inmitten allen Lärmens,
als hätt die Syrinx sich zerbrochen Pan,
wie schal der Trost inmitten allen Schwärmens,
als wär im Wahn die Wahrheit abgetan.
Die Scherbe nimm und pflanz ein Veilchen drein,
lies auf die Knochen, birg sie fromm im Schrein.
Sonett an den Dichter
Die Knospe hat dem Strahl sich aufgeschlossen,
gesickert sind hinab aufs stumme Moos
Tautropfen, die von Rosenfingern flossen
der Magd der Sonne, Morgenröte Eos.
Das Fenster öffne, daß der Hauch der Frühe
ein wenig deine müde Stirn erfrischt,
es ist, als ob der graue Reim erblühe,
wenn Veilchenduft sich deinem Atem mischt.
Und gehst du einsam unter Schattenlauben,
aus denen geisterhaft noch Sternlicht quillt,
lausch nach dem trunknen Lied der Turteltauben,
das bald erlischt wie ferner Liebe Bild.
Daß dir die heiße Saite nicht zerspringe,
still hülle dich des Abends Purpurschwinge.
Daß uns noch Tränen glänzen
Der Kerze Flackern, Fratzen in den Spielen
von Schatten geben uns der Seele Bild.
Wenn wir den Wind der Unrast nicht mehr fühlen,
erloschen wär, was aus dem Innern quillt.
So fingert Eos auf den Schlaf der Blume,
von Wimpern stäubt der Traum zum hohen Strahl.
Der Regen singt entzwei die Erdenkrume,
und Veilchen flehen, Mond, o mach uns fahl.
Wie Tropfen, die an zarten Fäden zittern,
gewebt von grauer Spinne des Geschicks,
zerrinnen in den herbstlichen Gewittern
die Blicke, Küsse, Verse leisen Glücks.
Daß uns, wenn auch die Schatten sich schon längen,
noch Tränen glänzen bei den Abschiedssängen.
Der grüne Pfad
Noch sehen wir den grünen Pfad sich winden,
den Knaben in der Joppe, wie er lacht,
früh brach er auf, das scheue Reh zu finden,
spät liegt er unterm Mond, Grabmal der Nacht.
Das Mädchen mit bepacktem Leiterwagen,
das Moos glänzt purpurrot vom Weltenbrand,
kein Mund ist weich genug, davon zu sagen,
wie steinig es den grünen Pfad empfand.
Die Greisin, aufgewehter Schleier Schatten,
krumm tastend mit dem Stecken, blind vom Tau,
der von den Wangen rinnt, den sterbensmatten,
grün ist der Pfad, o Herz, wie bist du grau.
Durchs Dunkel, Dichter, mag der Pfad dich leiten,
bis Auen sich im Licht des Liedes weiten.
Es sang der Strom
Ward auch die Inschrift auf dem Stein verdeckt,
das Efeulaub hat dir wie Lichtgezitter
auf Wassern Namen, schlafende, geweckt,
wie schwarze Kirschen süß, wie Wermut bitter.
Erstickt in Dünsten, Regenmelodie,
doch bebten Tropfen noch herabzufließen,
von zarten Halmen eine Elegie,
wie Tränen, wenn sich müde Lider schließen.
Es sang der Strom hoch in der Finsternis,
als längst die Purpurknospe hingesunken,
Wind ging, das graue Netz des Traums zerriß.
Hast du noch Licht aus Stromes Sang getrunken?
Begradigt leckt der Fluß am Ufer Teer.
Im Frack Rimbaud, er pfeift, das Auge leer.
Veilchen im Tal
Ihr aber, liebliche Veilchen im Tal,
wo ich mir selber entrückt hab gelegen,
lindert die Wehmut mit Duft noch einmal.
Ach, der Asphalt glänzt duftlos im Regen.
Unter dem dämmernden Efeugerank
hast du gesalbt die Stirn mir mit Küssen,
denn mein Herz war, mein Herz, es war krank.
Nun hat es selbst sich in Stücke gerissen.
Vor der Kapelle blau leuchtendem Bild,
Mutter, die uns ihren Mantel gebreitet,
lilienumkost hat ihr Lächeln gestillt.
Mondin, du hast mich ins Dunkel geleitet.
Glocke, am Grunde des Stromes ertönt,
und an der Wimper hat lang sie gezittert,
Träne, die mit dem Leben versöhnt.
Auge, wie bist du von Schatten umgittert.
William Shakespeare, Sonett 11
As fast as thou shalt wane, so fast thou grow’st
In one of thine, from that which thou departest;
And that fresh blood which youngly thou bestow’st,
Thou mayst call thine when thou from youth convertest.
Herein lives wisdom, beauty, and increase;
Without this folly, age, and cold decay:
If all were minded so, the times should cease
And threescore year would make the world away.
Let those whom nature hath not made for store,
Harsh, featureless, and rude, barrenly perish:
Look whom she best endowed, she gave the more;
Which bounteous gift thou shouldst in bounty cherish:
She carved thee for her seal, and meant thereby,
Thou shouldst print more, not let that copy die.
Dein Schwinden halte auf im zarten Zweige,
den du gepflanzt, und du wirst neu ergrünen.
Dein Blut gib hin vor deines Tages Neige,
mag dir zur Freude es den deinen dienen.
So lehrt die Weisheit Schönheit weiterschreiten,
sonst Torheit Welken, Grauen und Verfall:
Es herrschte, stürben bleich dir nach die Zeiten,
nach sechzig Jahren Öde überall.
Strauch, den Natur gehemmt, sich zu vermehren,
laß herb und grau, dürr ohne Frucht dem Tod.
Die Reichbegabten fruchten ihr zu Ehren,
so ehre, was sie milde dir entbot.
Ihr Siegel schnitt sie dich, um froh zu künden:
Drück ein dein Abbild, laß es nicht erblinden.
Das stille Leben
Der Gärtner hat die Rosen rings beschnitten
von wüsten Trieben, kümmerlichen auch.
Verschweigen wir, was wir um uns gelitten,
in einem Schweigen mild wie Blütenhauch.
Südfrüchte schimmernd in kristallnen Schalen,
beglänzt vom feuchten Mond ein Silberkrug,
es konnte eine edle Hand nur malen
das stille Leben, das sich selbst genug.
Wo Efeuranken Dämmerung verbreiten,
die Inschrift überwuchern Gram und Gras,
wird der umflorte Blick vorübergleiten,
nicht lesen, was im Licht der lichte las.
Weißt du es noch, was uns der Vers verkündet?
Die Quelle klagt, der Sehnsucht Strömung mündet.
Die Tür war nur angelehnt
Philosophische Sentenzen und Aphorismen
Wer herausragt, zieht scheele Blicke auf sich. – Guillotiniert man die exzellenten Orchideen und Rosen, bleibt, der uns auf Dauer anödet, der bieder-niedere Rasen.
Die Krone kann einer nur tragen; sie allen erbberechtigten Brüdern vermachen zu wollen hieße, sie in Stücke zerschlagen zu müssen.
Wenn alle – o Reich der Liebe – gleich zu gleich auf Augenhöhe gestellt werden, sind alle gleichermaßen gedemütigt, düpiert und gelackmeiert.
Wer effeminiert die scharfe Schneide des Verstandes fürchtet, versteckt sich hinter süßlichen Grimassen und verständnisheischendem Gefuchtel.
Dichters Ehre – sich nicht von tätowierten Brillenschlangen ins Gedicht zischen zu lassen.
Am Nullpunkt des Denkens und Sagens spalten und gabeln sich Ja und Nein, Wahr und Falsch, Sein und Nichtsein, Leben und Tod.
Am Nullpunkt des Denkens lösen sich die Bilder auf.
„Das Leben ist ein Gefängnis.“ – „Das Leben ist ein Geschenk.“ – Aber der noch nicht Existente kann weder in Ketten geschlagen noch beschenkt werden.
Die Seele ist kein Schatten des Körpers. – Der Schatten ist kein interner Teil dessen, der ihn wirft.
Denken, das mit dem Kopf gegen die Mauer der Sprache schlägt.
Will man alles bedenken, alles erwägen, kommt man nie dazu, die Schwelle zu überschreiten.
Die Größe ist ungerecht.
Die Illusion, allem und allen gerecht werden zu sollen, mündet in Stumpfsinn und Apathie.
Der Unglückliche und der Glückspilz reden nicht über dasselbe, auch wenn sie das gleiche sagen.
Empfindungen lassen sich nicht vollständig analysieren; die Farbempfindung geht nicht auf in der Formel Lichtfrequenz x Nervensystem, für deren Geltung wir einen Apparat ohne Wissen von sich selbst konstruieren können.
Man kann anhand des lächelnden Gesichts im Spiegel nicht erkennen, daß man es selbst ist, der lächelt, ohne gefühlt zu haben, daß man lächelt.
Empfindungen sind Keimstätten des Gefühls; die Ekelempfindung ist der Keim für die Gefühle der Abneigung und Verachtung.
Weil Hinz die Juden, die abstrakte Malerei und Dichtung, die atonale Musik und den Jazz haßte, ist Kunz nicht dazu verpflichtet, all das hochzuschätzen und zu lieben.
Sprachkritik oder die Eichung von Begriffen.
Das Langenmaß muß die Dimension des zu Messenden haben; die Ars poetica über Begriffe verfügen, die sich an die Dichte und Intensität der poetischen Bilder und Rhythmen anzuschmiegen geeignet sind.
Ist Intensität ein ausreichendes Maß der Empfindung? – Der ersterbende Klang der Sonate.
Rilke läßt den letzten Takt im letzten Vers des Gedichts „Der Panther“ aus; die Steigerung des Ausdrucks durch das Ausgesparte und nicht Ausgedrückte.
Die kausale Perspektive der Biologie – Tier unter Tieren – genügt nicht, um zu verstehen, daß wir es sind, die morgens erwachen.
Der tierische Laut ist kein Begriff; die Nachtigall weiß nicht, daß sie singt.
Die Bedeutung und der Begriff sind nicht der Schatten des Körpers des Lauts.
Der Blick öffnet und schließt das Gesichtsfeld. – Das unwillkürliche Tasten des Blicks, das registrierende, bewertende Prüfen des Blicks.
Wie man ihn anblickt, blickt der Angeblickte zurück.
Mythologie, als könne das Gehirn etwas erblicken, ein Bild, eine Landschaft, ein Gesicht.
Mythologie, als wäre das Ich oder Subjekt der geheime Souverän und Schattenkönig im Reich der Bewußtseinsphänomene; Mythologie, auf der immerhin ein Platon, ein Kant ihre Ethik gründen, die sich in der Maxime verdichtet, der Souverän werde offenbar und trete aus dem Schatten.
Der reduktive Naturalismus ist begrifflicher Selbstmord aus Angst vor der Verführung durch den Idealismus.
Das aufopferungsvoll seine Jungen nährende und hütende Muttertier weiß nicht, daß sein Verhalten dazu dient, seine Gene weiterzugeben oder die Art zu erhalten.
Eltern zeugen und päppeln unter hohem Einsatz ihrer Energien und Ressourcen ihre Nachkommen nicht in der Absicht, die Populationsrate nicht sinken zu lassen.
Das Recht ist – trotz Platon, trotz Kant – kein Ableger der reinen Vernunft, sondern ein genuiner Sproß des Rechtsempfindens. Und dieser gedeiht in den Nebelauen urtümlicher Reaktionen wie solchen des Zorns, des Wunsches nach Rache und Vergeltung sowie nach Tötung oder Züchtigung des Übeltäters, Verräters, Mörders und Vergewaltigers.
Der Geschädigte muß den Schaden empfunden haben, bevor er nach Vergeltung schreit; nur der Betroffene ruft „Auge um Auge“ oder verlangt nach einer anderen Form der Entschädigung.
Das Gericht betreibt als Sachwalter der Rache- und Vergeltungswünsche des Geschädigten nicht deren institutionelle Neutralisierung, sondern übt die öffentliche Funktion ihrer Legalisierung aus.
Nur der pädagogisch und strafrechtlich wohldosiert verabreichte Schmerz belehrt; nur die verbrannte Zunge hütet sich vor weiterem Zischen und Lästern, nur das gestopfte Maul garantiert nächtliche Ruhe.
Der kastrierte Vergewaltiger und Triebtäter muß sich ein neues Betätigungsfeld suchen.
Das Mißverständnis der Vernunft als Herrin im Haus der Seele suggerierte und insinuierte der Antike die verlockenden Bilder der Ruhe, der Beschwichtigung, der Meeresstille und Ataraxie.
Der Psychologe Augustinus und der Tiefenpsychologe Pascal hatten gegen die Annahme der antiken Philosophie von der Souveränität der Vernunft den auf tiefem Empfinden gegründeten berechtigten Einwand erhoben, daß die Unruhe des Herzens unstillbar sei und einzig der Frieden Gottes sich – je nach Fall – seiner erbarmen könne.
Das Briefwerk des Horaz ist ein Zeugnis des vergeblichen Ringens um die Befriedung der Unruhe des menschlichen Herzens.
Die Unruhe kann wohl betäubt, nicht aber gestillt werden.
Die Sehnsucht des kleinen Marcel nach dem Gute-Nacht-Kuß der Mutter ist größer und betörender als die Erfüllung seines Wunsches, der einer Enttäuschung nahekommt.
Erwachsen werden oder geistig reifen hieße, die Fremdheit des Daseins ertragen zu lernen, ohne den Verlockungen nachzugeben, sie mittels Betäubungsmittel aller Art – Drogen, Religionen, totalitäre Ideologien – auslöschen zu wollen.
Der Wahnsinnige schlägt verzweifelt gegen die Tür, die, wenn er erschöpft zu Boden sinkt, wie von Geisterhand aufspringt. Die Tür war nur angelehnt.
Das Weinen, das den Nervenknoten und nervösen Krampf löst, den Krampf, in dem wir infantil am unerreichbar Fremden oder fremd Gewordenen hängen (der Imago der stillenden Brust oder der verlorenen Heimat).
Effeminierte Kerle mit grell lackierten Fingernägeln und Ohrringen, halb kahl geschorene Mädchen mit Piercings an Nase und Lippen, plakathafte Vulva-Kitsch-Malereien, Sprachverhunzungen à la „jeder und jede“, „Autor:innen“ oder „Menschen, die menstruieren“: Die Lust an der Entstellung, am Schiefen, Verdrehten und Grellen, gedeiht wie Unkraut in der Bodenlosigkeit der urbanen Endzeit-Zivilisation.
Was wahr und falsch, recht und unrecht, schön und häßlich ist, steht im Allgemeinen nicht zur Disposition; das aber reizt und kränkt den geistig Schwachen und den Perversen.
Leute, die es als befreiende Wahrheit oder alleinseligmachende Offenbarung in alle Mikrophone schreien, es tummle sich zwischen den Polen von Mann und Frau eine faszinierende Schar von zwielichtigen Gestalten, ähneln den Toren, die annehmen, zwischen dem Wahren und Falschen hause noch ein buntes Völkchen verlockender Halbwahrheiten.
Jede Ästhetik und jede Ars poetica sind insofern normativ, als sie methodische Mittel bereitstellen, um beispielsweise über einen vorliegenden Text zur Entscheidung darüber zu kommen, ob es sich dabei um ein Gedicht oder um ein zusammengestoppeltes, zusammengeleimtes, aus Versatzstücken angesagter Zeitgeistphrasen montiertes Pseudo-Gedicht handelt.
Der Irrtum, die Kunst sei etwas durch und durch Künstliches, rührt schon an den Wahn, alles müsse machbar sein. – Der Kern der Kunst ist der Willkür entzogen, ähnlich wie die natürlichen Tatsachen der Zweigeschlechtlichkeit und die in ihr aufsteigenden erotischen Gewitter.
Die Erfahrung des Göttlichen kann man nicht erlernen, provozieren oder nachahmen. – Hölderlin drückt dies aus, wenn er davon spricht, er fühle sich von Apollon geschlagen.
Die Banalität und seelische Kahlheit, der erotischen Gefahr mittels künstlicher Angstverhütungsmittel scheinbar entronnen, reden im Staccato vom Spaß am Sex.
Perversionen sind Gefühlswelten und Verhaltensweisen, in denen sich die mehr oder weniger vollständige Ablösung der Sexualität von der Fruchtbarkeit dokumentiert.
Man kann nicht die Absicht hegen, ein Dichter zu werden oder sich zu verlieben.
Die mittels künstlicher Stimulantien erweckten poetischen Ergüsse machen der Muse kein Kind.
Sie destillieren aus der unverfügbaren Gnade eine fade Soße, die sie auf die noch faderen Hostien einer Massenspeisung streichen, um sie als Liebesmahl zu deklarieren.
Das auf das Puttenmaß von sentimentalem Kitsch allumfassender Menschenliebe und karitativer und politischer Gesinnungsmoral geschrumpfte Christentum zerfällt wie die Reliquie im Schrein, die man unvorsichtigerweise der Frischluft ausgesetzt hat.
Dem entschwundenen Engel
Durch Laubes Flammen sind wir noch geschritten,
von Vogelrufen wogte Herbstluft süß,
es färbte Abendrot, was ich gelitten,
den Blütenschnee in fernem Paradies.
Und löschte auch der Auen Dämmerleuchten
des Nachtwinds schwarzer Flügel bald,
es führten süßen Glanzes, tränenfeuchten,
mich treue Augen durch den Dornenwald.
Zum Saum gelangt, ein Vorhang, aufgerissen,
sah ich im Tal wie Rosen auf dem Strom
die Morgenröte wach die Wasser küssen,
die Heimatstadt, wie kniend um den Dom.
Und bist, ein Engel, du dem Traum entschwunden,
dein Hauch hat mir den hellen Vers entbunden.
Geh kühn ins Ungeheure
Der Schieferdächer Sammetglanz im Regen,
um goldene Säulen Fäden Tods gewunden,
zerfetzt, zerschnitten von der Sonne Degen,
und Wolken tief, Hetzmeuten gleich von Hunden.
Ein Schicksal, unabwendbar, dumpfes Grollen
durch Täler, wo den bangen Ställen Brüllen
und silberkaltes Klirren war entquollen,
und Knospen sprangen, sich mit Blut zu füllen.
Wir Kinder aber rannten ins Gewitter
und lasen, was auf Aschenpergamente
die Blitze ritzten, ah, wie schmeckten bitter
des Himmels Tränen, Tropfen, transparente.
O gehe, Dichter, kühn ins Ungeheure,
daß uns dein Vers mit dunkler Glut befeure.
William Shakespeare, Sonett 10
For shame deny that thou bear’st love to any,
Who for thy self art so unprovident.
Grant, if thou wilt, thou art beloved of many,
But that thou none lov’st is most evident:
For thou art so possessed with murderous hate,
That ‘gainst thy self thou stick’st not to conspire,
Seeking that beauteous roof to ruinate
Which to repair should be thy chief desire.
O! change thy thought, that I may change my mind:
Shall hate be fairer lodged than gentle love?
Be, as thy presence is, gracious and kind,
Or to thyself at least kind-hearted prove:
Make thee another self for love of me,
That beauty still may live in thine or thee.
Schamhaft bekenn, daß Liebe dir nicht eigen,
der an sich selber läßt kein gutes Haar.
Gesteh, wie viele Liebe dir bezeigen,
daß du nicht eine liebst, ist sonnenklar.
Du mußt dem Dämon der Vernichtung dienen,
schrickst nicht vorm Anschlag auf dich selbst zurück,
dein schönes Heim zerlegst du in Ruinen,
das zu beleben wär dein Lebensglück.
Den Sinn erneu, daß ich mich neu besinne.
Soll schöner wohnen Haß als Zartgefühl?
Daß deine Anmut dir ein Herz gewinne,
dem eignen Herzschlag sperre dich nicht kühl.
Zeug dir ein zweites Selbst, schon mir zuliebe.
Daß noch dir Schönheit wie den deinen bliebe.
Der Vorhang ist gefallen
Magst immer weiter du nur wandern,
die abgestreiften Häute laß den andern.
*
Fühle an den Wimpernspitzen
ferner Meere Muscheln blitzen.
*
Von grüner Verse Dämmerranken
laß erdwärts tropfen die Gedanken.
*
Bewehrt ist auch der Liebe Mund mit Zähnen,
auch weiser Sermon macht uns schließlich gähnen.
*
Im Käfig mag die Nachtigall nicht singen,
der Phrasen Öl verklebt des Dichters Schwingen.
*
Hebst du den Block, siehst du hervor sie kriechen,
die Ungestalten und die geistig Siechen.
*
Horaz, geborgen im Sabinergut,
roch Fäulnis schon, die schwarze Flut.
*
Sie lauschten zwischen Schoß und Phallus dunkel
zwittriger Zungen Wahngemunkel.
*
Ist auch der Vorhang längst gefallen,
hört fern man noch Lears Geisterlallen.
*
Sie wollen Vater nicht, nicht Mutter heißen,
Kunstrasen ist, worein sie beißen.
*
Vorm Reim, wie wurde ihnen bang,
die Verse klopfen ohne Widerklang.
*
Das Lied der Anmut kommt aus Fernen,
der alte Adam kann’s nicht lernen.
*
Willst deine Tür du Heuchler nicht verschließen,
darf des Vandalen Tritt dich nicht verdrießen.
Vignettenzart
Von Flammen, die im Morgenwind gezittert,
blieb uns ein dämmerfahles Rosenlicht,
vignettenzart von Schattenlaub umgittert
des Atems Initiale am Gedicht.
Der Schaum um Bilder, die homerisch stiegen
aus Meeresgrotten, Muscheln blauen Klangs,
zerstob in Schilfen, die sich seufzend biegen
in das Morendo eines Nachtgesangs.
Die Strahlen, um der Hymne Kranz gewunden,
der Pindar über Urnenfelder hebt,
im Irrlicht haben wir sie nachempfunden,
das Grabes Inschrift geisterhaft umschwebt.
Und hausen wir auch zwischen kahlen Mauern,
im Traum glänzt noch ein Vers von Liebesschauern.
William Shakespeare, Sonett 9
Is it for fear to wet a widow’s eye,
That thou consum’st thy self in single life?
Ah! if thou issueless shalt hap to die,
The world will wail thee like a makeless wife;
The world will be thy widow and still weep
That thou no form of thee hast left behind,
When every private widow well may keep
By children’s eyes, her husband’s shape in mind:
Look what an unthrift in the world doth spend
Shifts but his place, for still the world enjoys it;
But beauty’s waste hath in the world an end,
And kept unused the user so destroys it.
No love toward others in that bosom sits
That on himself such murd’rous shame commits.
Hast Angst du, einer Witwe Aug zu netzen,
daß dir die Tage öd und einsam sind?
Wird deine Lücke einst kein Kind ersetzen,
seufzt auf die Welt, ein Weib, doch ohne Kind.
Sieh, wie die Welt bereichert, wer verschwendet,
die Münze rollt, die Welt steht hochbeglückt,
liegt Schönheit brach, wird sie der Welt entwendet,
die ungenutzte von Nichtsnutz zerpflückt.
Nie ward der Liebe Anhauch je zum Segen,
wen Schande stachelt, Hand an sich zu legen.
Die erstickte Quelle
Geheimnis aber quoll in stillen Hainen,
vom Blattwerk grüner Einsamkeit verhüllt,
wie zwischen weich von Moos behaarten Steinen
ein Wasser, das mit Monden sinkt und schwillt.
Gleich Pilgern in den Karsten, blütenlosen,
die noch im Traum der Sonnenfalke hetzt,
erflehten Dichter Tau auf Mohn und Rosen,
der ihren Vers, den darbenden, benetzt.
Wie Liebenden, von Schatten dicht ummauert,
zerkratzte spitzes Wort den zarten Mund,
die Wunden schloß, was selig sie umschauert,
Glanz stummer Tränen, Siegel ihrem Bund.
Die Quelle ward erstickt im Teer von Phrasen,
die Asche schmatzend wir im Jahrbuch lasen.
William Shakespeare, Sonett 8
Music to hear, why hear’st thou music sadly?
Sweets with sweets war not, joy delights in joy:
Why lov’st thou that which thou receiv’st not gladly,
Or else receiv’st with pleasure thine annoy?
If the true concord of well-tuned sounds,
By unions married, do offend thine ear,
They do but sweetly chide thee, who confounds
In singleness the parts that thou shouldst bear.
Mark how one string, sweet husband to another,
Strikes each in each by mutual ordering;
Resembling sire and child and happy mother,
Who, all in one, one pleasing note do sing:
Whose speechless song being many, seeming one,
Sings this to thee: ‘Thou single wilt prove none.’
Wie? Traurig lauschst du süßen Harmonien,
für die kein Widerstreit, nur Freude zählt,
umarmst nicht liebend, was dir ward verliehen,
liebst etwa du Umarmung, die dich quält?
Wenn der Akkord von Saiten, die gleich schweben,
Brautpaaren ähnlich, dir das Ohr verstört,
ist es ein Tadel mild, daß dir das Leben
in Einsamkeit den Widerklang verwehrt.
Die Saite, süßer Gatte einer zweiten,
hör, wie ihr eigner Schwung im andern schwingt,
wie Vater, Mutter, Kind den Sinnraum weiten,
wenn süßen Dreiklangs uns ihr Lied erklingt.
Lied ohne Worte, polyphon, doch rein,
sagt dir: gesanglos wohnst du und allein.
Von fahlem Gras umsungen
Im Glanz von Augen wie ein Bild entstehen,
die sehnsuchtsvoll ein Veilchen angeschaut,
von sanften Lidern ausgewischt vergehen,
nur dunkle Feuchte sagt, wie es geblaut.
An harter Stirne weich den Nachtwind fühlen,
und Flammen gaukeln, was verloren ist,
in Schatten, gleich Verlaines Schäferspielen,
Gespenstern, deren Hand du einst geküßt.
Schürst in erloschnen Versen du nach Gluten,
das Herz, es bleibt doch dunkel dir und kalt,
du hörst sie ferne rauschen, schwarze Fluten,
sie schwappen an die Schwelle dir schon bald.
Wie Gras dem Wind beug dich den Dämmerungen,
schlaf, Dichter, ein, von fahlem Gras umsungen.
Entsagung
Erweckt vom Glanz der Tropfen, keuschen, milden,
hat Ton geschmiegt sich seherischer Hand,
was Blüten trieb aus zarten Versgebilden,
quoll über traumbemoosten Brunnenrand.
Ein Leuchten komme noch aus reinen Blicken,
des alten Dichters graues Herz erbat’s,
den Kranz zu winden wollte ihm nicht glücken,
dem Tau geträufelt Oden des Horaz.
Und kehrt sie nicht, die graziöse Muse,
für dumpfen Schlaf hat Schilf noch Dämmerung,
die Mandel schweig verschlossen in der Druse,
bis sie versinkt in stummer Lethe Dung.
Geläute, sanft verweh wie Blütenschneien,
still, Glocken, still, daß wir im Traum nicht schreien.
William Shakespeare, Sonett 7
Lo! in the orient when the gracious light
Lifts up his burning head, each under eye
Doth homage to his new-appearing sight,
Serving with looks his sacred majesty;
And having climbed the steep-up heavenly hill,
Resembling strong youth in his middle age,
Yet mortal looks adore his beauty still,
Attending on his golden pilgrimage:
But when from highmost pitch, with weary car,
Like feeble age, he reeleth from the day,
The eyes, ‘fore duteous, now converted are
From his low tract, and look another way:
So thou, thyself outgoing in thy noon
Unlooked on diest unless thou get a son.
Sieh, wie im Osten Gnadenlicht erhebt
sein Strahlenhaupt und wie ein jedes Wesen
kniet vor dem Bild, das Leuchten neu belebt,
in ihm die heilige Majestät zu lesen.
Und wenn des Himmels Hügel es erklomm,
gleicht roter Knospe es in lichter Schneise,
auf Götterschönheit blicken Menschen fromm,
lobpreisend ihre goldne Pilgerreise.
Doch wie am Gipfelgrat ein alter Mann
hinkt müd der Wagen aus azurner Sphäre,
die Blicke, eben noch verzückt im Bann,
enttäuscht der Untergang, die dunkle Kehre.
Auch du, einmal gestürzt vom Strahlenthron,
stirbst unbesehen, zeugst du keinen Sohn.
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