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Jun 12 18

Das rote Mal

Hier steigt noch Rauch,
doch golden nicht.

Ein Schatten knirscht,
wenn einer träumt.

Wie dumpf es hallt,
wenn einer spricht.

Das Leben hält
in seinen fahlen Tag
den nackten Stumpf
und voller Grind.

Die Lippen lallen
Wassern nach
aus Brunnen
ohne Moos des Lichts.

Zunge,
wurmzernagtes
Totholz,
das im Dunkeln
faulig glimmt.

„Was gibtʼs zu Mittag“,
fragt der Gast
mit der Narbensichel
auf der Stirn
und legt das blitzende,
das Messer auf den Tisch.
Die Frau
verrührt den Brei,
der Mann
schenkt grinsend ein,
das Kind
krault ihm den Bart,
und der Dunkle ißt.

„Was gibtʼs zu Abend?“,
fragt der Töter,
der zur Sühne
die Kindfrau wiegt
auf seinem Schoß.
Da rinnen
wie von Veilchen
Tropfen
auf den Stein
der Faust.

Doch am Abend
schleichen Engel
von Haus zu Haus,
tunken ihre Flügel
in die Eimer Blut
von reinen Lämmern
und streichen
auf die Schwellen,
an die Türen
rot ein Mal.

Auf alle Schwellen?
Alle.
An alle Türen?
Alle.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, He Wishes his Beloved were Dead

Were you but lying cold and dead,
And lights were paling out of the West,
You would come hither, and bend your head,
And I would lay my head on your breast;
And you would murmur tender words,
Forgiving me, because you were dead:
Nor would you rise and hasten away,
Though you have the will of wild birds,
But know your hair was bound and wound
About the stars and moon and sun:
O would, beloved, that you lay
Under the dock-leaves in the ground,
While lights were paling one by one.

 

Er wünscht sich die Geliebte tot

Lägst endlich du im kühlen Grab,
und bliese Westen Dämmerdust,
du kämest, neigtest dich herab,
mein Haupt bärg ich an deiner Brust.
Du flüstertest mir zu so mild,
vergäbest mir, du Hauch vom Grab,
erhöbst dich nicht, gingst nicht davon,
war auch dein Wille vogelwild.
Nun ist du weißt dein Haar ein Band,
gezwirnt um Sonne, Mond und Stern,
O lägest du, Geliebte, schon
bedeckt von Ampfers Laub im Sand
und Lichter fahlten nah und fern.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, To an Isle in the Water

Shy one, shy one,
Shy one of my heart,
She moves in the firelight
Pensively apart.

She carries in the dishes,
And lays them in a row.
To an isle in the water
With her would I go.

She carries in the candles,
And lights the curtained room,
Shy in the doorway
And shy in the gloom;

And shy as a rabbit,
Helpful and shy.
To an isle in the water
With her would I fly.

 

Zu einer Insel im Meer

Die Scheue, sie hat scheu
mein Herz gewonnen,
sie kramt im Feuerschein,
scheu und versonnen.

Sie holt die Tassen rein,
sie wischt die Teller leer.
Mit ihr ging ich wohl gern
auf eine Insel im Meer.

Sie stellt die Kerzen auf,
läßt es im Duster funkeln,
auf der Schwelle scheu,
und scheu im Dunkeln.

Ja, scheu wie eine Häsin,
scheu, mit weichem Kern.
Zu einer Insel im Meer
flög ich mit ihr wohl gern.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, The Cap and Bells

The jester walked in the garden:
The garden had fallen still;
He bade his soul rise upward
And stand on her window-sill.

It rose in a straight blue garment,
When owls began to call:
It had grown wise-tongued by thinking
Of a quiet and light footfall;

But the young queen would not listen;
She rose in her pale night-gown;
She drew in the heavy casement
And pushed the latches down.

He bade his heart go to her,
When the owls called out no more;
In a red and quivering garment
It sang to her through the door.

It had grown sweet-tongued by dreaming
Of a flutter of flower-like hair;
But she took up her fan from the table
And waved it off on the air.

‘I have cap and bells,’ he pondered,
‘I will send them to her and die’;
And when the morning whitened
He left them where she went by.

She laid them upon her bosom,
Under a cloud of her hair,
And her red lips sang them a love-song
Till stars grew out of the air.

She opened her door and her window,
And the heart and the soul came through,
To her right hand came the red one,
To her left hand came the blue.

They set up a noise like crickets,
A chattering wise and sweet,
And her hair was a folded flower
And the quiet of love in her feet.

 

Kappe mit Schellen

Der Narr lief durch den Garten,
verstummt war Baum und Rank.
Aufschwung befahl er der Seele
vor ihrer Fensterbank.

Sie stieg, ein blauer Mantel,
und Eulenruf erklang:
Wahrzüngig schuf sie Sinnen
auf ihren stillen, leichten Gang.

Taub blieb die junge Königin.
Sie ging, das bleiche Nachtkleid flirrte,
und schloss die Fensterflügel zu,
der schwere Riegel klirrte.

Er wies das Herz auf ihre Wege,
stumm war der Eulen Chor.
In roten Kleides Flattern
sang es vor ihrem Tor.

Süßzungig schuf es Träumen
von ihres Blumen-Haares Flausch.
Sie aber nahm vom Tisch den Fächer
und fächelte hinweg den Rausch.

„Ich hab Hut und Schellen“, sann er,
„die schick ich ihr vor meinem Tod.“
Und ließ sie, als der Morgen graute,
auf ihrer Schwelle, blau und rot.

Sie legte auf die Brust sie nieder,
in Locken-Wolken eingehüllt,
ihr Mund ward rot von Liebesliedern,
bis Nacht von Flimmern war erfüllt.

Sie schloss Türe auf und Fenster,
und Herz und Seele sie sich fand,
das rote lag zu ihrer rechten,
die blaue ihr zur linken Hand.

Sie zirpten laut wie Grillen,
sie zirpten weise und süß,
ihr Haar die volle Knospe,
den Füßen Liebe Stille wies.

 

Jun 11 18

William Butler Yeats, Veronica’s Napkin

The Heavenly Circuit; Berenice’s Hair;
Tent-pole of Eden; the tent’s drapery;
Symbolical glory of the earth and air!
The Father and His angelic hierarchy
That made the magnitude and glory there
Stood in the circuit of a needle’s eye.
Some found a different pole, and where it stood
A pattern on a napkin dipped in blood.

 

Das Tuch der Veronika

Der Himmelskreis. Der Berenike Haar.
Der Pfahl in Edens Zelt, des Zeltes Vorhang:
Der Glorie Bild ward Land und Lüften wahr!
Der Vater und der Engel gestufter Rang,
sie stellten das erhabne Werk des Ruhmes dar,
schwebend in der Mitte eines Nadelöhrs.
Und manche fanden einen anderen Pfahl,
da lag ein Tuch, gemustert von Blutes Strahl.

 

Jun 10 18

William Butler Yeats, A Coat

I made my song a coat
Covered with embroideries
Out of old mythologies
From heel to throat;
But the fools caught it,
Wore it in the world’s eyes
As though they’d wrought it.
Song, let them take it,
For there’s more enterprise
In walking naked.

 

Das Kleid

Mein Lied ward mir zum Kleid,
bestickt an schönen Säumen
mit alter Sagen Träumen,
es wallt in Festlichkeit.
Doch es stahlen Laffen,
um damit zu protzen,
als hätten sieʼs erschaffen.
Lied, gib dich nur her,
sie haben mehr zu glotzen,
geh ich nackt einher.

 

Jun 10 18

Der Mann der hohen Fahrten

Der Mann der hohen Fahrten
übers offne Meer,
die Augen ferne Schimmer,
Wimpern traumesschwer.

In Fluten und in Ebben
schwoll und sank sein Herz,
er sang die dunklen Lieder,
helle voller Scherz.

Und blitzte auf den Wellen
früher Möwenschrei,
blind stopfte er die Pfeife
und er sang dabei.

Vergoß in Wogenkelche
Abend roten Wein,
beglänzte seine Lippen
Liedes Purpurschein.

Ich kam auf seine Insel
jüngst ein letztes Mal,
ich sah ihn vor der Kate,
stumpfen Auges, fahl.

Es schrie die lichte Möwe
stürzend überm Meer,
kalt leckte Mond auf Wogen,
doch er sang nicht mehr.

 

Jun 10 18

Christina Rossetti, If Stars Dropped Out of Heaven

Sing-Song L

If stars dropped out of heaven,
And if flowers took their place,
The sky would still look very fair,
And fair earth’s face.

Winged angels might fly down to us
To pluck the stars,
Be we could only long for flowers
Beyond the cloudy bars.

 

Sing-Sang L

Fielen vom Himmel die Sterne
und tauschten mit Blumen die Stelle,
schön würde der Himmel blühen
und Erde leuchten helle.

Es schwebten Engel hernieder zu uns,
die Sterne zu pflücken.
Wir aber sehnten nach Blumen uns
hinter den Wolkenrücken.

 

Jun 10 18

Christina Rossetti, O Lady Moon

Sing-Song XLIX

O Lady Moon, your horns point toward the east:
Shine, be increased;
O Lady Moon, your horns point toward the west:
Wane, be at rest.

 

Sing-Sang XLIX

O Frau Mond, deine Hörner zeigen Richtung Osten.
Scheine und nimm zu.
O Frau Mond, deine Hörner zeigen Richtung Westen.
Weiche, geh zur Ruh.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, A Diamond Or a Coal?

Sing-Song XLVIII

A diamond or a coal?
A diamond, if you please:
Who cares about a clumsy coal
Beneath the summer trees?

A diamond or a coal?
A coal, sir, if you please:
One comes to care about the coal
What time the waters freeze.

 

Sing-Sang XLVIII

Den Diamanten oder Kohle?
Den Diamanten, darf ich bitten.
Wen schert die plumpe Kohle
im Sommer gelber Quitten?

Den Diamanten oder Kohle?
Die Kohle, darf ich Sie bitten,
man schert sich um die Kohle,
wenn Schnee knirscht unter Schlitten.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, When a Mounting Skylark Sings

Sing-Song XLVII

When a mounting skylark sings
In the sunlit summer morn,
I know that heaven is up on high,
And on earth are fields of corn.

But when a nightingale sings
In the moonlit summer even,
I know not if earth is merely earth,
Only that heaven is heaven.

 

Sing-Sang XLVII

Wenn die Lerche steigend singt
im Sommermorgenschimmer,
weiß ich Himmels Blau sehr hoch,
und Erde unter goldnem Flimmer.

Doch singt im Mondeslicht
der Sommernacht die Nachtigall,
weiß ich mich auf Erden nicht,
fühle Himmel überall.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, I Have But One Rose

Sing-Song XLVI

I have but one rose in the world,
And my one rose stands a-drooping:
Oh, when my single rose is dead
There’ll be but thorns for stooping.

 

Sing-Sang XLVI

Mir blieb nur eine Rose rot,
und die eine will verwehen.
O, ist meine eine Rose tot,
nur Dornen bleiben stehen.

 

Jun 9 18

Leiser Sang I

Leiser Sang,
du kehrest wieder,
wie die Träne
niederglänzet
an der Wimper bang.
Gelbe Strähne
Abendsonne
streifet milde
über müde Lider.
Und der Schwäne
schmerzlich Blassen
wandert
aus dem Bilde
einsam
und gelassen.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, The Wind Has Such a Rainy Sound

Sing-Song XLV

The wind has such a rainy sound
Moaning through the town,
The sea has such a windy sound, –
Will the ships go down?

The apples in the orchard
Tumble from their tree. –
Oh will the ships go down, go down,
In the windy sea?

 

Sing-Sang XLV

Wind singt kalter Tropfen Lied,
trostlos Scheiben blinken.
Meer singt kalten Windes Lied,
werden Schiffe sinken?

Wie von ihren Zweigen
Äpfel niedersausen.
Schlingt hinab die Schiffe, schlingt sie
Meeresbrausen?

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, The Lily Has an Air

Sing-Song XLIV

The lily has an air,
And the snowdrop a grace,
And the sweetpea a way,
And the heartsease a face, –
Yet there’s nothing like the rose
When she blows.

 

Sing-Sang XLIV

Lilie hat den Hauch,
Anmut Anemone,
Wege kennt die Wicke,
Blicke die Viole,
ganz entrückt die Rose,
weht sie lose.

 

Jun 9 18

Flamme singe edles Blut

Hoher Himmel glimmt auf allen,
zwischen Licht und Blättern Tau,
Wahn und leere Blüten fallen,
Harz und Honig rinnt im Bau.

Hellas wölbte den Azur,
flammend über blauen Traum
wortgepflügter Meeresflur,
stickte zarten Mythen-Saum.

Treue Spiegel sinnen Augen
sich die Sternenbilder an,
Lippen, die zu Liedern taugen,
rührt ein Hauch im Schilfe, Pan.

Schneiden tauben Nerv wir los,
Flamme singe edles Blut,
Gottes Zorn ist auch der Schoß,
wo der Wunder-Samen ruht.

 

Jun 9 18

Christina Rossetti, I Planted a Hand

Sing-Song XLIII

I planted a hand
And there came up a palm,
I planted a heart
And there came up balm.

Then I planted a wish,
But there sprang a thorn,
While heaven frowned with thunder
And earth sighed forlorn.

 

Sing-Sang XLIII

Ich pflanzte eine Hand:
ein Palmtrieb erschien.
Ich pflanzte ein Herz:
Melisse schoss grün.

Ich pflanzte einen Wunsch,
ein Dorn ward geboren,
donnernd grollte der Himmel,
Erde seufzte verloren.

 

Jun 8 18

Christina Rossetti, Sing Me a Song

Sing-Song XLII

Sing me a song–
What shall I sing? –
Three merry sisters
Dancing in a ring,
Light and fleet upon their feet
As birds upon the wing.

Tell me a tale–
What shall I tell?
Two mournful sisters,
And a tolling knell,
Tolling ding and tolling dong,
Ding dong bell.

 

Sing-Sang XLII

Sing mir ein Lied.
Wovon dir singen?
Drei heitre Schwestern
tanzten Ring in Ringen,
leicht und fließend auf den Füßen
gleich Vögeln mit den Schwingen.

Kennst du eine Mär?
Wohin dich locken?
Drei düstren Schwestern
dröhnten Totenglocken,
dröhnten Wu und dröhnten Wei,
Wu-Wei-Glocken.

 

Jun 8 18

Christina Rossetti, If Hope Grew On a Bush

Sing-Song XLI

If hope grew on a bush,
And joy grew on a tree,
What a nosegay for the plucking
There would be!

But oh! in windy autumn,
When frail flowers wither,
What should we do for hope and joy,
Fading together?

 

Sing-Sang XLI

Wüchs Hoffnung rot mit Beeren,
wie Reben Freudenglanz,
wie füllten wir die Körbe, bänden
froh den Kranz!

Doch wenn in Herbstes Hauch
verblassen Rosen, Nelken,
wie Hoffnung bergen, Freude uns,
da sie verwelken?

 

Jun 8 18

Paul Valéry, Le bois amical

Nous avons pensé des choses pures
Côte à côte, le long des chemins,
Nous nous sommes tenus par les mains
Sans dire… parmi les fleurs obscures ;

Nous marchions comme des fiancés
Seuls, dans la nuit verte des prairies ;
Nous partagions ce fruit de féeries
La lune, amicale aux insensés.

Et puis, nous sommes morts sur la mousse,
Très loin, tout seuls, parmi l’ombre douce
De ce bois intime et murmurant.

Et là-haut, dans la lumière immense,
Nous nous sommes trouvés en pleurant
O mon cher compagnon de silence !

 

Freundeshain

Unser Sinnen ging nach reinen Dingen,
Seit an Seit, bis hin zum Wiesenrand,
wir schlangen ineinander Hand und Hand,
kein Wort … nur der Blumen dunkles Schwingen.

Wir schritten wie Verlobte traulich hin,
einsam, im Auengrund der grünen Nacht.
Wir teilten uns die Frucht, die Feen lacht,
den Mond, der süß selbst scheinet stumpfem Sinn.

Und dann sind wir gestorben auf dem Schaume,
sehr fern, allein, am weichen Schattensaume
des Haines dort, voll innig-leiser Lieder.

Und droben, in des Lichtes wahrer Fülle,
dort fanden wir uns unter Tränen wieder,
o teurer Freund mir auf dem Weg der Stille!

 

Jun 7 18

Terzinen vom dürftigen Leben

Und du und ich, wir gingen Hand in Hand,
wie Kinder tun, sind Mohn und Mond verblichen
und Licht der Heimat löschte Nebelwand.

Die Lüfte, die um deine Locken strichen,
sie brachten keinen Duft und keine Milde,
die jener Fluren weißem Frühling glichen.

Wie Schatten wir im kahlen Traumgefilde,
und Schatten, was wie Traum ins Leere quillt,
kein Sternenfeuer, das uns formt zum Bilde.

Rinnt nicht ein Lied herab, das gütig stillt
den Blick mit Tau, starb edlen Blutes Singen,
das unsrer Herzen dürres Blattwerk füllt?

O Rauschen über uns von Purpurschwingen!

 

Jun 7 18

Christina Rossetti, Pussy Has a Whiskered Face

Sing-Song XL

Pussy has a whiskered face,
Kitty has such pretty ways;
Doggie scampers when I call,
And has a heart to love us all.

 

Sing-Sang XL

Kater Murr knurrt in den Bart,
Miezekätzchen schnurrt so zart.
Hündchen hüpft, hörtʼs meinen Schritt.
Klopft sein Herz, pocht Liebe mit.

 

Jun 7 18

Christina Rossetti, When Fishes Set Umbrellas Up

Sing-Song XXXIX

When fishes set umbrellas up
If the rain-drops run,
Lizards will want their parasols
To shade them from the sun.

 

Sing-Sang XXXIX

Klappen Fische Regenschirme
auf, wenn Schauer fegen,
wollen Echsen Sonnenschirme,
im Schatten sich zu pflegen.

 

Jun 7 18

Christina Rossetti, Dancing On the Hill-Tops

Sing-Song XXXVIII

Dancing on the hill-tops,
Singing in the valleys,
Laughing with the echoes,
Merry little Alice.

Playing games with lambkins
In the flowering valleys,
Gathering pretty posies,
Helpful little Alice.

If her father’s cottage
Turned into a palace,
And he owned the hill-tops
And the flowering valleys,
She’d be none the happier,
Happy little Alice.

 

Sing-Sang XXXVIII

Tanzt so leicht durch Auen,
lacht im Bach ihr Bilde,
weiche Tränen tauen,
frohe kleine Hilde.

Zupft den Lämmern Flöckchen,
Sommer rauscht ihr milde,
windet blaue Glöckchen,
gute kleine Hilde.

Würde Vaters Hütte
wunders eine Villa,
und die Auen Parke
ohne Blumen wilde,
lächelte nicht süßer
frohe kleine Hilde.

 

Jun 6 18

William Butler Yeats, When you are old and grey

When you are old and grey and full of sleep,
And nodding by the fire, take down this book,
And slowly read, and dream of the soft look
Your eyes had once, and of their shadows deep;

How many loved your moments of glad grace,
And loved your beauty with love false or true,
But one man loved the pilgrim Soul in you,
And loved the sorrows of your changing face;

And bending down beside the glowing bars,
Murmur, a little sadly, how Love fled
And paced upon the mountains overhead
And hid his face amid a crowd of stars.

 

Bist einmal alt du, grau und Schlummers voll
und Flamme wiegt dich schon, hauch Zeilen ein
aus diesem Buch und träum den süßen Schein
in deinem Aug von einst, dem Dunkel quoll.

Ein Schwarm wob um die Grazie deines Lichts,
um deine Schöne Liebes, Truges Sinn,
nur einer sah die Seele Pilgerin,
erglüht am Schattenspiel des Angesichts.

Und krümmst dich nieder, letzte Glut entfacht,
so raune trauersanft, wie Liebe schwand,
hinan zu Gipfeln schritt ins hohe Land
und barg ihr Antlitz in den Glanz der Nacht.

 

Jun 6 18

Christina Rossetti, A motherless soft lambkin

Sing-Song XXXVII

A motherless soft lambkin
Along upon a hill;
No mother’s fleece to shelter him
And wrap him from the cold:–
I’ll run to him and comfort him,
I’ll fetch him, that I will;
I’ll care for him and feed him
Until he’s strong and bold.

 

Sing-Sang XXXVII

Ein mutterloses Lämmchen schreit
verzagt vom Hügel her.
Kein Muttervlies, das Schutz verleiht
und ihm die Kälte wehrt.
Ich laufe, wickelʼs in mein Kleid.
Ich holʼs, ein Hort sei ihm beschert.
Ich zieh es groß, darauf mein Eid,
es lebe gut und unbeschwert.

 

Jun 6 18

Christina Rossetti, Three Plum Buns

Sing-Song XXXVI

Three plum buns
To eat here at the stile
In the clover meadow,
For we have walked a mile.

One for you, and one for me,
And one left over:
Give it to the boy who shouts
To scare sheep from the clover.

 

Sing-Sang XXXVI

Drei Pflaumenkuchen hab ich noch.
Rasten wir am Rand
der Weide voller Klee.
Weit sind wir gerannt.

Einen für dich, einen für mich,
einer aber bleibt
für den Hirtenjungen, hör,
wie er die Schafe heimwärts treibt.

 

Jun 6 18

Christina Rossetti, What Does the Donkey Bray About?

Sing-Song XXXV

What does the donkey bray about?
What does the pig grunt through his snout?
What does the goose mean by a hiss?
Oh, Nurse, if you can tell me this,
I’ll give you such a kiss.

The cockatoo calls “cockatoo,”
The magpie chatters “how d’ye do?”
The jackdaw bids me “go away,”
Cuckoo cries “cuckoo” half the day:
What do the others say?

 

Sing-Sang XXXV

Was schreit der Esel so allein?
Was grunzt das Warzenschwein?
Was wohl die Gans so fauchen muß?
Weißt, Schwester, du darauf den Schluß,
geb ich dir einen dicken Kuß.

Der Kakadu ruft: „Kakadu“,
die Elster scharrt: „Wie alt bist du?“
Die Dohle pickt mich: „Pick dich wund!“
Kuckuck kuckuht Stund um Stund:
Was tun die anderen kund?

 

Jun 6 18

Christina Rossetti, The City Mouse

Sing-Song XXXIV

The city mouse lives in a house;–
The garden mouse lives in a bower,
He’s friendly with the frogs and toads,
And sees the pretty plants in flower.

The city mouse eats bread and cheese;–
The garden mouse eats what he can;
We will not grudge him seeds and stalks,
Poor little timid furry man.

 

Sing-Sang XXXIV

Die Stadtmaus lebt in einem Haus.
Die Gartenmaus in einem Schuppen.
Sie hat ein Herz für Frosch und Lurch
und freutʼs, wenn Falter sich entpuppen.

Die Stadtmaus ißt das Brot, den Käse.
Die Gartenmaus, was ihr fiel hin.
Wir gönnen Samen ihr und Halme,
der armen, scheuen Wisperin.

 

Jun 5 18

Christina Rossetti, Where Innocent Bright-Eyed Daisies Are

Sing-Song XXXIII

Where innocent bright-eyed daisies are,
With blades of grass between,
Each daisy stands up like a star
Out of a sky of green.

 

Sing-Sang XXXIII

Maßliebchens Augen leuchten rein
aus Gräsern wimpernweich.
Jedes scheint ein Stern zu sein
in Himmels grünem Reich.

 

Jun 5 18

Christina Rossetti, Hopping Frog

Sing-Song XXXII

Hopping frog, hop here and be seen,
I’ll not pelt you with stick or stone:
Your cap is laced and your coat is green;
Good bye, we’ll let each other alone.

Plodding toad, plod here and be looked at,
You the finger of scorn is crooked at:
But though you’re lumpish, you’re harmless too;
You won’t hurt me, and I won’t hurt you.

 

Sing-Sang XXXII

Hüpfer Frosch, hüpf, ich will dich sehn,
werfe dir nicht Stock nicht Stein.
Gesäumt dein Hut, dein Mantel grün.
Leb wohl, wir lassen uns allein.

Kriecher Kröte, kriech und zeig dich mir.
Ekel streckt den Finger ja nach dir.
Wenn auch klumpig, harmlos bist von je.
Du tust mir und ich tu dir nicht weh.

 

Jun 5 18

Christina Rossetti, A Pin Has a Head, But Has No Hair

Sing-Song XXXI

A pin has a head, but has no hair;
A clock has a face, but no mouth there;
Needles have eyes, but they cannot see;
A fly has a trunk without lock or key;
A timepiece may lose, but cannot win;
A corn-field dimples without a chin;
A hill has no leg, but has a foot;
A wine-glass a stem, but not a root;
A watch has hands, but no thumb or finger;
A boot has a tongue, but is no singer;
Rivers run, though they have no feet;
A saw has teeth, but it does not eat;
Ash-trees have keys, yet never a lock;
And baby crows, without being a cock.

 

Sing-Sang XXXI

Dem Nagelkopf wird kein Haar je grau.
Dem Ziffernblatt erglänzt kein Tau.
Das Öhr der Nadeln ist kein Ohr.
Das Haus der Schnecke hat kein Tor.
Die Uhr geht nach, geht nicht voraus.
Windes Rasen kommt nicht nach Haus.
Das Auge im Ast, es kann nicht sehen.
Des Berges Fuß hat keine Zehen.
Der Bart des Schlüssels wird nicht länger.
Nessels Lippe taugt nicht zum Sänger.
Die Säge hat Zähne, doch kann nicht essen.
Der Kopf des Berges hat nichts vergessen.
Lichtes Halme kann man nicht mähen.
Babys krächzen und sind keine Krähen.

 

Jun 5 18

Christina Rossetti, Mother Shake the Cherry-Tree

Sing-Song XXX

Mother shake the cherry-tree,
Susan catch a cherry;
Oh how funny that will be,
Let’s be merry!

One for brother, one for sister,
Two for mother more,
Six for father, hot and tired,
Knocking at the door.

 

Sing-Sang XXX

Mutter, Kirschen schlag vom Ast,
Susie sammelt ein.
Spaß sei heute unser Gast.
Laßt uns fröhlich sein!

Bruder eine, Schwester eine,
zwei für Mutter noch.
Sechs für Vater, wenn er müde
an die Türe pocht.

 

Jun 5 18

Christina Rossetti, What is Pink?

Sing-Song XXIX

What is pink? a rose is pink
By the fountain’s brink.
What is red? a poppy’s red
In its barley bed.
What is blue? the sky is blue
Where the clouds float thro’.
What is white? a swan is white
Sailing in the light.
What is yellow? pears are yellow,
Rich and ripe and mellow.
What is green? the grass is green,
With small flowers between.
What is violet? clouds are violet
In the summer twilight.
What is orange? why, an orange,
Just an orange!

 

Sing-Sang XXIX

Was ist rosa? Rosa sind die Rosen,
die um Quellen glosen.
Was ist rot? Der Mohn ist rot,
der unter Ähren loht.
Was ist blau? Blau ist der Himmelsbogen,
durch den die Wolken wogen.
Was ist weiß? Weiß ist der Schwan,
zieht im Licht er seine Bahn.
Was ist gelb? Gelb sind die Birnen
mit ihren rundgereiften Stirnen.
Was ist grün? Das Gras ist grün,
wo auch kleine Blumen blühn.
Was ist purpurn? Wolken sind purpurfarben,
wenn Sommers Gluten starben.
Was ist orange? Na, die Orange,
schlicht und einfach, die Orange.

 

Vergleiche:
http://www.luxautumnalis.de/christina-rossetti-color/

 

Jun 5 18

Christina Rossetti, January Cold Desolate

Sing-Song XXVIII

January cold desolate;
February all dripping wet;
March wind ranges;
April changes;
Birds sing in tune
To flowers of May,
And sunny June
Brings longest day;
In scorched July
The storm-clouds fly.
Lightning-torn;
August bears corn,
September fruit;
In rough October
Earth must disrobe her;
Stars fall and shoot
In keen November;
And night is long
And cold is strong
In bleak December.

 

Sing-Sang XXVIII

Januar, kalt und trostlos.
Februar regnet bloß.
März, die Winde raunen.
April, April hat Launen.
Vogelsang,
Maienwonne.
Den längsten Gang
macht Junisonne.
Durch Juli-Hitzen
Sturmwolken flitzen.
Im Gewitterzorn
reift August das Korn.
September reicht die Frucht.
Oktober, der Raub
an Sommers Laub.
Sternenfall, Sonnenflucht,
November bläht die Nüstern.
Die Nächte längen
Frostes Strengen,
Dezember, Stern im Düstern.

 

Jun 4 18

Christina Rossetti, What Will You Give Me For My Pound?

Sing-Song XXVII

What will you give me for my pound?
Full twenty shillings round.
What will you give me for my shilling?
Twelve pence to give I’m willing.
What will you give me for my penny?
Four farthings, just so many.

 

Sing-Sang XXVII

Sag, was als deutsche Münze gilt.
Das ist die Mark mit Adlers Bild.
Wieviel wog solch ein Stück dereinst?
Zehn Groschen, wenn du diese meinst.
Was mochte man für einen reichen?
Zehn Pfennig mit dem Laub der Eichen.

 

Jun 4 18

Christina Rossetti, How many seconds

Sing-Song XXVI

How many seconds in a minute?
Sixty, and no more in it.

How many minutes in an hour?
Sixty for sun and shower.

How many hours in a day?
Twenty-four for work and play.

How many days in a week?
Seven both to hear and speak.

How many weeks in a month?
Four, as the swift moon runn’th.

How many months in a year?
Twelve the almanack makes clear.

How many years in an age?
One hundred says the sage.

How many ages in time?
No one knows the rhyme.

 

Sing-Sang XXVI

Wieviel Sekunden hat die Minute?
Sechzig kommen ihr wohl zugute.

Wieviel Minuten zählt die Stunde?
Sechzigmal dreht der Zeiger die Runde.

Wieviel Stunden haben die Tage?
Vierundzwanzig für Lust und Plage.

Wieviel Tage füllen die Woche?
Sieben, die allerkleinste Epoche.

Wieviel Wochen gibt ein Monat her?
Vier, und der Mond ist wieder leer.

Wieviel Monate hat ein Jahr?
Zwölf sagt der Kalender klipp und klar.

Wieviel Jahre dauertʼs Säkulum?
Hundert sag, sonst bist du dumm.

Wieviel Säkula blüht Äons Keim?
Keiner weiß darauf den Reim.

 

Jun 4 18

Christina Rossetti, 1 and 1 are 2

Sing-Song XXV

1 and 1 are 2.
That’s for me and you.

2 and 2 are 4.
That’s a couple more.

3 and 3 are 6.
Barley-sugar sticks.

4 and 4 are 8.
Tumblers at the gate.

5 and 5 are 10.
Bluff seafaring men.

6 and 6 are 12.
Garden lads who delve.

7 and 7 are 14.
Young men bent on sporting.

8 and 8 are 16.
Pills the doctor’s mixing.

9 and 9 are 18.
Passengers kept waiting.

10 and 10 are 20.
Roses–pleasant plenty!

11 and 11 are 22.
Sums for brother George to do.

12 and 12 are 24.
Pretty pictures, and no more.

 

Sing-Sang XXV

1 und 1 ist 2.
Hexe kocht den Brei.

2 und 2 ist 4.
Wichtel helfen ihr.

3 und 3 ist 6.
Warzen hat die Hex.

4 und 4 ist 8.
Hexe sagt „Gebt acht.

5 und 5 ist 10.
Wichtel bleibet stehn,

6 und 6 ist 12.
heulen auf die Wölf,

7 und 7 ist 14.
die zum Monde flehn.“

8 und 8 ist 16.
Wichtelmännlein gehn.

9 und 9 ist 18.
Und die Zipfel wehn.

10 und 10 ist 20.
Milchbrei wurde ranzig.

11 und 11 ist 22.
Doch da kommt die Zick.

12 und 12 ist 24.
Hexlein hatte Glück.

 

Jun 4 18

Christina Rossetti, Seldom “can’t”

Sing-Song XXIV

Seldom “can’t,”
Seldom “don’t”;
Never “shan’t,”
Never “won’t.”

 

Sing-Sang XXIV

Selten: „Zwingʼs nicht.“
Selten: „Wagʼs nicht.“
Niemals: „Bringʼs nicht.“
Niemals: „Magʼs nicht.“

 

Jun 4 18

Christina Rossetti, If a Pig Wore a Wig

Sing-Song XXIII

If a pig wore a wig,
What could we say?
Treat him as a gentleman,
And say “Good day.”

If his tail chanced to fail,
What could we do? –
Send him to the tailoress
To get one new.

 

Sing-Sang XXIII

Kommt ein Schweinchen mit ʼnem Schleifchen,
was sagst du wohl sodann?
Wie bei einer Königin
sprich „Gnädigste!“ es an.

Doch ist sein Schwänzchen abgeknickt,
hast du ein Sprüchlein drauf?
„Geh zu deiner Schneiderin,
sie näht ein neues auf.“

 

Jun 4 18

Christina Rossetti, A Pocket Handkerchief

Sing-Song XXII

A pocket handkerchief to hem–
Oh dear, oh dear, oh dear!
How many stitches it will take
Before it’s done, I fear.

Yet set a stitch and then a stitch,
And stitch and stitch away,
Till stitch by stitch the hem is done–
And after work is play!

 

Sing-Sang XXII

Ein Saum um dieses Taschentuch,
o je, o weh und ach!
Wie viele Stiche es da braucht,
bevor es ist gemacht.

Doch auf, ein Stich, und noch ein Stich,
ein Stich, ein Stich ins Ziel,
bis Stich um Stich der Saum vollbracht,
und nach der Mühe Spiel!

 

Jun 3 18

Christina Rossetti, Brown and Furry

Sing-Song XXI

Brown and furry
Caterpillar in a hurry,
Take your walk
To the shady leaf, or stalk,
Or what not,
Which may be the chosen spot.
No toad spy you,
Hovering bird of prey pass by you;
Spin and die,
To live again a butterfly.

 

Sing-Sang XXI

Braun im Stachelfell
Raupe gleitet schnell.
Finde nur dein Ziel
am Schattenblatt, auf schwankem Stiel,
hin oder her,
wo dein Fleckchen immer wär.
Keine Kröte soll dich spähen.
Flieg vorüber, Gier der Krähen.
Spinn dich ein, ein totes Ding,
lebe neu, ein Schmetterling.

 

Jun 3 18

Christina Rossetti, Twist me a crown of wind-flowers

Sing-Song XX

Twist me a crown of wind-flowers;
That I may fly away
To hear the singers at their song,
And players at their play.

Put on your crown of wind-flowers:
But whither would you go?
Beyond the surging of the sea
And the storms that blow.

Alas! your crown of wind-flowers
Can never make you fly:
I twist them in a crown to-day,
And to-night they die.

 

Sing-Sang XX

Flicht mir den Kranz von Anemonen,
der mich ins Land entrücke,
wo ich dem Sang von Sängern lausche,
an Spielen mich beglücke.

Wind um die Stirn dir Anemonen.
Doch weihtest du die Blüten
der aufgepeitschten Meeresflut
und Sturmes wildem Wüten?

Es hebt der Kranz von Anemonen
dich nicht ins Morgenrot.
Die abends ich zum Kranz geflochten,
am Morgen sind sie tot.

 

Jun 3 18

Christina Rossetti, The summer nights are short

Sing-Song XIX

The summer nights are short
Where northern days are long:
For hours and hours lark after lark
Trills out his song.

The summer days are short
Where southern nights are long:
Yet short the night when nightingales
Trill out their song.

 

Sing-Sang XIX

Die Sommernacht ist kurz,
und Nordens Tage lang.
Stunde um Stunde zwitschert
Lerche nach Lerche den Sang.

Der Sommertag ist kurz,
und Südens Nächte lang.
Doch kurz wird Nacht, ertönt
Nachtigallensang.

 

Jun 3 18

Christina Rossetti, What are heavy?

Sing-Song XVIII

What are heavy? sea-sand and sorrow:
What are brief? to-day and to-morrow:
What are frail? Spring blossoms and youth:
What are deep? the ocean and truth.

 

Sing-Sang XVIII

Was ist schwer? Meeressand und Sorgen.
Was ist kurz? Das Heute und das Morgen.
Was ist zart? Frühe Blüte, junges Glück.
Was ist tief? Ozean und treuer Blick.

 

Jun 3 18

Christina Rossetti, Heartsease In My Garden Bed

Sing-Song XVI

Heartsease in my garden bed,
With sweetwilliam white and red,
Honeysuckle on my wall:–
Heartsease blossoms in my heart
When sweet William comes to call,
But it withers when we part,
And the honey-trumpets fall.

 

Sing-Sang XVI

Herzblumen stehn in meinem Beet,
weiß und rot Maßliebchen weht,
Heckenkirsche an der Wand.
Herzblume mir im Herzen scheint,
gibt mein Liebchen mir die Hand.
Doch als er schied, hat sie geweint,
und die Glut des Herzens schwand.

 

Jun 3 18

Christina Rossetti, Rushes In a Watery Place

Sing-Song XV

Rushes in a watery place,
And reeds in a hollow;
A soaring skylark in the sky,
A darting swallow;
And where pale blossom used to hang
Ripe fruit to follow.

 

Sing-Sang XV

Binsen stehn im feuchten Grund,
in einer Mulde Ried.
Die Lerche steigt ins Mittagsblau,
die Schwalbe flieht.
Und wo einst blasse Blüte hing,
Frucht, die lockend glüht.

 

Jun 2 18

Die Lilien, die uns meinten

Wie Liebe uns vergeht,
aus schnödem Mund ein Hauch,
die Worte sind verweht,
die Rosen blassen auch.

Die Lilien, die uns meinten
als Licht im dunklen Ring,
sie sanken, als wir weinten
um ein Schattending.

Dem kleinen Veilchenkranz,
der überm Bildnis hing,
verblich der treue Glanz,
weil Zeit, die Zeit verging.

Es reden fremde Zungen
im leergeträumten Raum.
Was wir an uns umschlungen,
zerstob, ein grauer Schaum.

Wer hat den weißen Stern,
der funkelte im Blut,
zertrümmert wie ein Kern,
erstickt die heilige Glut?

Entflammt denn diese Trauer,
verlöschten Sinnes Scheit,
kein Herz mehr jener Schauer,
die uns dem Gott geweiht?

 

Jun 2 18

Christina Rossetti, Brownie, Brownie

Sing-Song XIV

Brownie, Brownie, let down your milk
White as swansdown and smooth as silk,
Fresh as dew and pure as snow:
For I know where the cowslips blow,
And you shall have a cowslip wreath
No sweeter scented than your breath.

 

Sing-Sang XIV

Wichtel, Wichtel, Milch mir gieß,
schwanenweiß und weich wie Vlies,
frisch wie Tau, wie Schnee so rein:
Kennʼs Versteck der Primelein,
wind den Kranz dir aus der Schar,
duftend süß grad wie dein Haar.

 

Jun 2 18

Christina Rossetti, O wind, where have you been

Sing-Song XIII

O wind, where have you been,
That you blow so sweet?
Among the violets
Which blossom at your feet.

The honeysuckle waits
For Summer and for heat.
But violets in the chilly Spring
Make the turf so sweet.

 

Sing-Sang XIII

O Wind, wo kommst du her,
so süßen Hauch zu bringen.
Alle Veilchen träumen
unter deinen Schwingen.

Die Azaleen säumen,
bis Sonnentage singen.
Kühlt sie auch Frühlingswind,
Veilchenköpfchen schwingen.

 



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