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Nov 6 16

Triolett vom Schrei des Waldkauzes

Als könnt er tote Seelen auferwecken,
zerreißt sein Schrei die dünnen Spinnenweben,
doch ist er nur des Waldes kleiner Schrecken
und kann die toten Seelen nicht erwecken.
O wäre Dichtung mehr als Ohren-Necken
und dürfte Seelen aus den Gräbern heben.
Als könnt er tote Seelen auferwecken,
zerreißt des Kauzes Schrei die Spinnenweben.

Nov 6 16

Maurice Scève, Si tu t’enquiers pourquoi sur mon tombeau

Si tu t’enquiers pourquoi sur mon tombeau
On aura mis deux éléments contraires,
Comme tu vois être le feu et l’eau
Entre éléments les deux plus adversaires :
Je t’avertis qu’ils sont très nécessaires
Pour te montrer par signes évidents
Que si en moi ont été résidents
Larmes et feu, bataille âprement rude :
Qu’après ma mort encores ci dedans
Je pleure et ars pour ton ingratitude.

 

Wenn du dich fragst, warum auf meinem Grab
sind zwei Dinge gegensinnig wohl vereint,
du siehst ja Wassers Schale, Feuers Stab,
das eine doch des andern höchster Feind:
Gewahre, was ihr Wesen dir vermeint,
mit solchen schlichten Zeichen dir zu zeigen,
gab ich mein ganzes Leben schon zu eigen
Tränen und Flammen, in bitter-heißer Schlacht,
sie sollen auch nach meinem Tod nicht schweigen,
so wein ich, brenn um deine Niedertracht.

Nov 6 16

Maurice Scève, Quand l’ennemi poursuit son adversaire

Quand l’ennemi poursuit son adversaire
Si vivement qu’il le blesse ou l’abat :
Le vaincu lors pour son plus nécessaire
Fuit çà et là et crie et se débat.
Mais moi, navré par ce traître combat
De tes doux yeux, quand moins de doute avois,
Cèle mon mal ainsi, comme tu vois,
Pour te montrer à l’oeil évidemment
Que tel se tait et de langue et de voix,
De qui le coeur se plaint incessamment.

 

Wenn der Feind den Gegner atemlos bekriegt,
bis er ihn verwundet oder niedersticht:
Es flieht um seines Heiles, der besiegt,
hierhin, dorthin, daß schreiend er noch ficht.
Doch ich, geblendet vom Verräterlicht
in deinen Augen, es schlug der Wahrheit Stunde,
verdecke deinem Blick halb nur die Wunde,
damit deine Auge klar und wahr befände,
was hier verhält in Worten laute Kunde,
ein Herz ist, dessen Klage ohne Ende.

Nov 6 16

O Duft der Frühe

Die Haare grau, so kühl die Hand,
das Herz zerwühlter Wurzelstock.

O Duft der Frühe, zarte Schneise,
o Kuckucksrufe, leise, leise.

Die Transparenz der Leere Wand,
das Licht gefrorner blauer Block.

O Tau der Blume, Gartenschwelle,
o Blitz im Bach, forellenschnelle.

Die Lippen wund, die Schläfe dumpf.
Tanz auf dem dünnen Haar der Traum.

O Licht der Birke, grüne Welle,
o Kuß der Kirsche auf der Stelle.

Die müden Blicke weilen stumpf.
Die letzten Worte weißer Schaum.

O Duft der Frühe, zarte Schneise,
o Kuckucksrufe, leise, leise.

Nov 6 16

Maurice Scève, Plutôt seront Rhône et Saône disjoints

Plutôt seront Rhône et Saône disjoints,
Que d’avec toi mon coeur se désassemble :
Plutôt seront l’un et l’autre mont joints,
Qu’avecques nous aucun discord s’assemble :
Plutôt verrons et toi et moi ensemble
Le Rhône aller contremont lentement,
Saône monter très violentement,
Que ce mien feu, tant soit peu, diminue,
Ni que ma foi décroisse aucunement.
Car ferme amour sans eux est plus que nue.

 

Es werden eher Rhône und Saône sich entzweien,
als daß mein Herz sich jemals von dir wende:
Es wird ein Berg sich eher fernem Berge reihen,
als daß ein Mißton unsern Einklang schände:
Es werden eher du und ich gereichter Hände
die Rhône sehen mählich bergwärts fließen
und schäumend die Saône aufwärts schießen,
als daß sich mindre meiner Flamme Größe,
sich meiner Treue Blüte würde schließen.
Ihr Fehl gäb echter Liebe eine Blöße.

Nov 6 16

Maurice Scève, Epitaphe de Pernette du Guillet

L’heureuse cendre autrefois composée
En un corps chaste, où vertu reposa,
Est en ce lieu, par les Grâces posée,
Parmi ses os, que beauté composa.

Ô terre indigne ! en toi son repos a
Le riche étui de cette âme gentille,
En tout savoir sur toute autre subtile,
Tant que les cieux, par leur trop grande envie,
Avant ses jours l’ont d’entre nous ravie,
Pour s’enrichir d’un tel bien méconnu,
Au monde ingrat laissant bien courte vie,
Et longue mort à ceux qui l’ont connu.

 

Grabspruch für Pernette du Guillet

Die Asche selig, einstmals aufgespart
dem keuschen Leib, der Tugend Unterpfand,
sie ruht nun hier, von Grazien aufgebahrt,
mit dem Gebein, das Schönheit einst verband.

O Erde ohne Würde, Ruhe fand
in dir die edle Schale jener schönen Seele,
Feinsinn in allem, allseits ohne Fehle,
da waren selbst die Himmel voller Neid
und haben sie entrückt uns vor der Zeit,
zu rühmen sich des Schmuckes, den verkannten,
ein kurzes Leben, schnöder Welt geweiht,
ein langer Tod für jene, die sie kannten.

Nov 6 16

Maurice Scève, En tel suspens ou de non ou d’oui

En tel suspens ou de non ou d’oui,
Je veux soudain et plus soudain je n’ose.
L’un me rend triste, et l’autre réjoui
Dépendant tout de liberté enclose.
Mais si je vois n’y pouvoir autre chose,
Je recourrai à mon aveugle juge.
Réfrénez donc, mes yeux, votre déluge :
Car ce mien feu, malgré vous, reluira.
Et le laissant à l’extrême refuge,
Me détruisant, en moi se détruira.

 

So in der Schwebe zwischen Ja und Nein,
streb ich nach vorn und schneller noch zurück,
das eine läßt mich froh, das andre traurig sein,
je nach dem Spielraum für mein eignes Glück.
Doch muß ich spielen nur das eine Stück,
begeb ich mich in Schicksals dunkle Hut.
So haltet, Augen, an die Tränenflut:
Mein Feuer wird, trotz euch, aufs Neu erröten.
Und geb ich ihm zur Nahrung all mein Gut,
wird es mit meinem Tod sich mit mir töten.

Nov 5 16

Triolett vom blonden Schalk

Als wäre Nacht ein schwarzer Katafalk,
bestreut mit Purpurtau von Blutrubinen,
ihr Glimmen löscht der graue Morgenkalk.
Der Nacht entstieg ein schwarzer Katafalk.
Es hat der Mond, der Dichtung blonder Schalk,
um ihn entflammt die Fackeln der Lupinen.
Als wäre Nacht ein schwarzer Katafalk,
bestreut mit Purpurtau von Blutrubinen.

Nov 5 16

Triolett vom milden Hauch

Es taut von Süden milder Hauch
der Schmerzen weiße Schneekristalle.
Am Wasser trinkt ein goldner Rauch,
es weht von Osten milder Hauch.
War unser Traum nicht golden auch?
Und sank ins Blau wie Steinkoralle.
Es taut von Süden milder Hauch
der Schmerzen weiße Schneekristalle.

Nov 5 16

Maurice Scève, En devisant un soir me dit ma Dame

En devisant un soir me dit ma Dame :
Prends cette pomme en sa tendresse dure,
Qui éteindra ton amoureuse flamme,
Vu que tel fruit est de froide nature :
Adonc aura congrue nourriture
L’ardeur qui tant d’humeur te fait pleuvoir.
Mais toi, lui dis-je, ainsi que je puis voir,
Tu es si froide et tellement en somme
Que, si tu veux de mon mal cure avoir,
Tu éteindras mon feu mieux que la pomme.

 

Beim Abendplausch Madame das Wort mir tut:
Genieße diese Frucht von herber Zärte,
sie wird dir löschen amouröse Glut,
ist nur ihr Fleisch von Frostes krosser Härte,
läßt sie dem Brand des Herzens keine Fährte,
auf der so viele Tränen dir nacheilen.
Doch du, sprach ich, mein Blick muß kurz nur weilen,
du bist von stetem Winter heimgesucht,
willst du mich von dem Übel wirklich heilen,
so löschest du mein Feuer besser als die Frucht.

Nov 4 16

Triolett vom Abschied

Zwei Rosen glimmen scheu dir im Gesicht,
im Wald der Eule schauert schon die Nacht.
In Wolkentrümmern blüht noch vag ein Licht.
Zwei Rosen glimmen scheu dir im Gesicht,
Sie sind wie Abschied, der aus Asche spricht.
Nur deiner Hände Fächer hält noch Wacht.
Zwei Rosen glimmen scheu dir im Gesicht,
im Wald der Eule schauert schon die Nacht.

Nov 4 16

Maurice Scève, Le jour passé de ta douce presence

Le jour passé de ta douce présence
Fut un serein en hiver ténébreux,
Qui fait prouver la nuit de ton absence
A l’oeil de l’âme être un temps plus ombreux,
Que n’est au Corps ce mien vivre encombreux,
Qui maintenant me fait de soi refus.

Car dès le point, que partie tu fus,
Comme le Lièvre accroupi en son gîte,
Je tends l’oreille, oyant un bruit confus,
Tout éperdu aux ténèbres d’Egypte.

 

Es hob der Tag in deiner süßen Nähe
aus Winters Trübe grünen Sommers Matten,
die Nacht, da ich dich nicht mehr sehe,
türmt um die blinde Seele doppelt Schatten,
als wollten sie lebendig mich bestatten,
der ich nunmehr bin von mir abgefallen.

Im Augenblick, da deine Schritte hallen,
heb einem Hasen gleich, ins Gras geduckt,
das Ohr ich an und höre wirres Lallen,
ganz von Ägyptens Finsternis verschluckt.

Nov 4 16

Maurive Scève, En toi je vis, où que tu sois absente

En toi je vis, où que tu sois absente :
En moi je meurs, où que soye présent.
Tant loin sois-tu, toujours tu es présente :
Pour près que soye, encore suis-je absent.

Et si nature outragée se sent
De me voir vivre en toi trop plus qu’en moi :
Le haut pouvoir qui, oeuvrant sans émoi,
Infuse l’âme en ce mien corps passible,
La prévoyant sans son essence en soi,
En toi l’étend comme en son plus possible.

 

Ich lebe nur bei dir, bist du auch gar nicht da:
Ich sterbe meiner selbst, bin ich in deiner Nähe.
Bist du auch noch so fern, du bleibst doch immer da.
Ich bleib noch immer fern, auch wenn ich dich erspähe.

Und wär es auch, als ob Natur ich schmähe,
weil Leben mehr in dir als mir will wohnen,
es will die hohe Macht das Herz nicht schonen
und haucht die Seele mir in dieses Körpers Mitte,
gewährt ihr aber nicht ein In- sich-Thronen,
daß sie aufs Äußerste zu dir hinüberglitte.

Nov 4 16

Maurice Scève, Au moins toi, claire et heureuse fontaine

Au moins toi, claire et heureuse fontaine,
Et vous, ô eaux fraîches et argentines,
Quand celle en vous – de tout vice lointaine -
Se vient laver ses deux mains ivoirines,
Ses deux soleils, ses lèvres corallines,
De Dieu créées pour ce monde honorer,
Devriez garder pour plus vous décorer
L’image d’elle en vos liqueurs profondes.
Car plus souvent je viendrais adorer
Le saint miroir de vos sacrées ondes.

 

Du immerhin, du rein geglückter Strahl,
und frische Wasser ihr im Silberschein,
wenn jene eine – ohne Sündenmal –
in euch getaucht der Hände Elfenbein,
die Zwillingssonnen, ihres Munds Korall,
von Gott erschaffen, dieser Welt zu singen,
dann wird ein Kleinod euch entspringen,
ihr Bild aus euren feuchten Quellen.
Ich kniete öfter, Tränen darzubringen
dem heiligen Spiegel eurer Segenswellen.

Nov 4 16

Triolett von der Brücke

Geträumt ist vollen Sinnes Brückenbogen,
der sich im Spiegel stillen Teichs ergänzt.
Des Himmels blaue Wolke hat getrogen,
geträumt ist vollen Sinnes Brückenbogen,
auf Wassers Schimmer kommt sie nachgezogen.
Die graue Brücke des Gedichts erglänzt,
hat es im Traum des vollen Sinnes Bogen
im Spiegel stillen Teiches sich ergänzt.

Nov 3 16

Triolett über Maria lactans

Das alles schuf, das Wort, hast du geboren,
der Sterne Traum hat deine Milch genährt.
Zur Stillung reinen Worts warst du erkoren
vom Hauch der Schöpfung, den du uns geboren.
Daß leuchte Edens Lilie reinen Toren,
wird deine weiße Milch im Lied verehrt.
Das alles schuf, das Wort, hast du geboren,
der Sterne Traum hat deine Milch genährt.

Nov 3 16

Stéphane Mallarmé, Brise marine

La chair est triste, hélas ! et j’ai lu tous les livres.
Fuir ! là-bas fuir ! Je sens que des oiseaux sont ivres
D’être parmi l’écume inconnue et les cieux !
Rien, ni les vieux jardins reflétés par les yeux
Ne retiendra ce cœur qui dans la mer se trempe
O nuits ! ni la clarté déserte de ma lampe
Sur le vide papier que la blancheur défend
Et ni la jeune femme allaitant son enfant.
Je partirai ! Steamer balançant ta mâture,
Lève l’ancre pour une exotique nature !
Un Ennui, désolé par les cruels espoirs,
Croit encore à l’adieu suprême des mouchoirs !
Et, peut-être, les mâts, invitant les orages
Sont-ils de ceux qu’un vent penche sur les naufrages
Perdus, sans mâts, sans mâts, ni fertiles îlots…
Mais, ô mon cœur, entends le chant des matelots !

 

Meeresbrise

Wie trist ist, ach, das Fleisch! Die Bücher hab ich all gelesen.
Fliehen, weithin fliehen! Die Vögel, die im Schaum gewesen,
im unbekannten, und den Himmeln, sind wie trunken!
Nichts hält, die alten Gärten nicht, die tief gesunken
in meine Augen, nichts hält dies Herz zurück, das ins Meer,
o Nächte, taucht, nicht meiner Lampe öde Klarheit mehr
auf leeren Bogen, den die Farbe Weiß bewehrt,
und nicht die junge Frau, die ihrem Kind die Brust beschert.
Ich reise ab! Mein Dampfer, der die Masten wiegt,
den Anker lichte, auf zur Quelle, mir noch unversiegt!
Dem Überdruß, genagt von arger Hoffnung hohl,
ihm winken Taschentücher noch zum Lebewohl!
Mag sein, die Masten, welche sich den Stürmen schmiegen,
sind jene dann, die Winde über Trümmer biegen,
verloren, ohne Masten, ohne Masten, fern die Inselrosen …
Doch höre, o mein Herz, die Lieder der Matrosen!

Nov 3 16

Stéphane Mallarmé, Salut

Rien, cette écume, vierge vers
A ne désigner que la coupe ;
Telle loin se noie une troupe
De sirènes mainte à l’envers.

Nous naviguons, ô mes divers
Amis, moi déjà sur la poupe
Vous l’avant fastueux qui coupe
Le flot de foudres et d’hivers ;

Une ivresse belle m’engage
Sans craindre même son tangage
De porter debout ce salut

Solitude, récif, étoile
A n’importe ce qui valut
Le blanc souci de notre toile.

 

Gruß

Nichts, ein Schaum, das keusche Lied,
es duftet wenig nur wie leere Schale;
so tauchen fern im Wellentale
Sirenen, rücklings manche zieht.

Wir segeln, o ihr Freunde weit
und nah, ich in Heckes Sturme schon,
ihr auf hohen Buges Prachtbalkon,
der vor Blitz und Frösten feit.

Mich betört ein schöner Wahn,
mir schwindelt nicht im Ozean,
diesen Gruß aufrecht zu singen.

Einsamkeit und Riff, der Sterne Fluch,
nichts kann uns entringen
die weiße Angst um unser Tuch.

Nov 3 16

Stéphane Mallarmé, Soupir

Mon âme vers ton front où rêve, ô calme soeur,
Un automne jonché de taches de rousseur,
Et vers le ciel errant de ton oeil angélique
Monte, comme dans un jardin mélancolique,
Fidèle, un blanc jet d’eau soupire vers l’Azur !
- Vers l’Azur attendri d’Octobre pâle et pur
Qui mire aux grands bassins sa langueur infinie
Et laisse, sur l’eau morte où la fauve agonie
Des feuilles erre au vent et creuse un froid sillon,
Se traîner le soleil jaune d’un long rayon.

 

Seufzer

Zu deiner Stirn hinan, wo, stille Schwester, träumt
ein Herbst, von Sommersprossen rot gesäumt,
und himmelwärts, wo deines Auges Engel schweift,
steigt auf mein Geist, als ob im Garten, wo die Schwermut reift,
ergeben seufzt des Wassers weißer Strahl zum blauen Schoß!
– Ins Himmelsblau, gelindert von Oktober, fahl und makellos,
das in den großen Teichen sein unendliches Verschmachten
spiegelt, und auf toter Feuchte, wo falber Blätter Frachten
wirrt ein Grabeshauch und Frost zieht erste Schneisen,
eine gelbe Sonne kreisen läßt und immer kreisen.

Nov 2 16

Triolett vom toten Kind

O steige, Wort, auf trübe Erde nieder
zu eines Kindes jäh gebrochner Blüte,
die strömte sanft wie wilder Flieder
der Unschuld Duft auf trübe Erde nieder.
O hebe seine schöne Seele wieder
in deinen hohen Himmel reiner Güte.
O steige, Wort, auf trübe Erde nieder
zu eines Kindes jäh gebrochner Blüte.

Nov 2 16

Triolett von der Verwandlung

Uns hob des Wortes Hostie auf die Zungen
der Herr der Zeit, daß uns Verwandlung werde.
Das Fleisch von Liebespfeilen sei durchdrungen,
des Wortes Hostie brennt auf unsern Zungen,
bis alle Klage ist im Liebestod verklungen.
Es salbte Licht den Mund der dunklen Erde,
als Wortes Hostie hob uns auf die Zungen
der Herr der Zeit, daß uns Verwandlung werde.

Nov 2 16

Triolett vom goldenen Licht

Die höchste Herrschaft übt das goldne Licht,
du aber singe, sternenholde Nacht.
Der Herr der Sonne hält sein Weltgericht,
der Stern der Gnade funkelt im Gedicht.
Es flucht dem Sonnenschein der Bösewicht,
den Edlen hebt Gesang aus Todes Schacht.
Die höchste Herrschaft übt das goldne Licht,
du aber singe, sternenholde Nacht.

Nov 2 16

Der Aufstand der Vokale

Es knicken von den Buchen ab die Stäbe,
die Stäbe wollen, daß es keine Buchen gäbe,
die Selberlaute springen
atemlos aus ihren Zeilen,
ihren Brüdern zu enteilen,
die nur mit ihnen wohl zusammenklingen.

Das O verstopft das Ofenrohr,
das I knickt sich ein Eselsohr,
das E zerbricht ein Ei entzwei,
das A walkt einen Madenbrei,
das U ruft seinen Schwestern zu:
„Was macht das Y denn hier,
macht aus dem Zwitter ein Ragout!“
Das wird ein grausiges Plaisir.

Da hatʼs die Konsonanten kalt erwischt,
sie werden von den Anarchisten ausgezischt,
die ringeln wie die Würmer umeinand,
und kleben wie die Fliegen an der Wand.

O Dichter, blase Geistes Odem in das Chaos
und öffne deinen Garten mit den Früchten,
wo deine Rose mit der Beere sproß,
und deine Bienen Liebesdüfte züchten.

Zeig den Krakeelern, was sie wohl verpassen,
wenn sie von ihrem Aufruhr nicht ablassen,
den feinen Duft, den süßen Saft,
den holden Klang, der Welten schafft.

Das U verduftet ohne Luft.
Das A verblaßt in kalter Gruft.
Das O wohnt ohne Mohnes Sonne.
Das E welkt ohne Regens Wonne.
Das I reckt seine Elendsspitze
in einen Himmel stummer Blitze.

Doch kann sie alle Schöne nicht mehr neigen,
geh Dichter, hülle dich in Schweigen.
Harr aus in deinem Gartenreich allein,
gesanglos wird die Stille dunkler sein.

Nov 1 16

Triolett vom Sonnenschein

Wir sind zu Gast im goldnen Sonnenschein,
aus Nacht gerufen, fanden wir zum Licht,
der Herr der Sonne lud uns herzlich ein.
Wir sind die Trauben für den Abendwein,
sind tot wir in der Kelter schwarzem Schrein,
im Kelch zu funkeln – unsre Zuversicht.
Wir sind zu Gast im goldnen Sonnenschein,
aus Nacht gerufen, fanden wir zum Licht.

Nov 1 16

Triolett vom Spiegel

Im Spiegel scheint das Schöpfungswerk vollendet,
und lächelnd fließt es in sein stilles Reich,
der hohe Himmel hat sich ganz verschwendet,
er spiegelt sich im Geist und scheint vollendet.
Hat zarte Schleier Himmels Blau gesendet,
Gesang der Wolken spiegelt sich im Teich.
Im reinen Spiegel sieht sich Gott vollendet,
und lächelnd geht er in sein stilles Reich.

Nov 1 16

Triolett vom Kuß der chinesischen Flöte

Die Jade-Flöte küßt den Wind,
o daß ein müdes Herz sie tröste.
Ihr Lied ist wie das Wasser lind,
die Jade-Flöte küßt den Wind.
Von Buddhas Fuß ein Tropfen rinnt,
der sich vom hohen Bambus löste.
Die Jade-Flöte küßt den Wind,
o daß ein müdes Herz sie tröste.

Okt 31 16

Triolett vom Kuß der Flöte

Die Flöte Pans, sie küßt den Wind,
o daß dein sanftes Herz ihr lausche.
Mein Lied umkost den Schlaf dir lind,
die Flöte Pans, sie küßt den Wind.
Von Rosendüften träum, mein Kind,
des Engels Flügel dich umrausche.
Die Flöte Pans, sie küßt den Wind,
o daß dein sanftes Herz ihr lausche.

Okt 31 16

Triolett vom Kuß der Venus

Wie tröstet uns der Spiegel frohen Lebens
im blütenhellen Teiche grüner Stille.
Ist Anmut nicht das Spiel des Liebe-Gebens,
gespiegelt in den Augen frohen Lebens?
Die Dichtung ist Geduld des Worte-Webens,
bis sie zum Kusse beugt der Venus Wille.
Dann fängt sie ein der Spiegel frohen Lebens
im blütenhellen Teiche grüner Stille.

Okt 31 16

Terzinen von der Heimkehr

O Lied, trägst du mich noch zum Strand der Nacht?
Schon glomm im weiten Sund der Meeresschaum
von eines großen Mondes fahler Pracht.

O Lied, das sich verstieg zum Sternenraum,
singst leiser du das Totenlied den Fahrten,
wenn schimmert jenes Ufers Blumensaum?

Fern leuchten Rosen weiß im Jenseits-Garten –
sind stille Kerzen dort, die heimlich winken,
sind Seelen selig dort, die mich erwarten?

Dort darf von Rosen ich die Küsse trinken,
den Tau, der stillt den Schmerz, den dunklen Traum,
in lichte Augen darf ich sterbend sinken –

o Lied, trägst du mich noch zu jenem Saum?

Okt 31 16

Triolett vom fremden Hauch

Von feinen Blitzen knistert blaue Gaze,
o fremde Fühlung wie von kühlem Hauch,
die Nacht wogt stumm wie hinter Glase,
wenn unter Blitzen reißt die blaue Gaze.
Als schwebte geisterhaft die schlanke Vase,
fühlst du aus fremder Welt die Kühle auch.
Von feinen Blitzen knistert blaue Gaze,
o fremde Fühlung wie von kühlem Hauch.

Okt 30 16

Plaisir d’amour

Plaisir d’amour ne dure qu’un moment.
chagrin d’amour dure toute la vie.

J’ai tout quitté pour l’ingrate Sylvie.
Elle me quitte et prend un autre amant.

Plaisir d’amour ne dure qu’un moment.
chagrin d’amour dure toute la vie.

Tant que cette eau coulera doucement
vers ce ruisseau qui borde la prairie,

Je t’aimerai me répétait Sylvie.
L’eau coule encore. Elle a changé pourtant.

Plaisir d’amour ne dure qu’un moment.
chagrin d’amour dure toute la vie.

 

Die Liebeslust vergeht im Augenblick,
das Liebesleid umschattet unser Leben.

Der Schnöden hab ich alles hingegeben,
sie gab sich nicht, fand anderswo ihr Glück.

Die Liebeslust vergeht im Augenblick,
das Liebesleid umschattet unser Leben.

Wie dieses Wasser stets durchs Wiesenstück
hinfließt, wo ringsum Blumenglocken beben,

so schwur sie, soll mein Lieben dich umschweben.
Noch rinnt der Bach. Sie kam nicht mehr zurück.

Die Liebeslust vergeht im Augenblick,
das Liebesleid umschattet unser Leben.


Liedtext (1784): Jean-Pierre Claris der Florian, Vertonung (1785): Jean Paul Egide Martini.
Interpretation durch Elisabeth Schwarzkopf:
https://www.youtube.com/watch?v=IjBNp07_qok&list=RDfxl9f83ftB0&index=19

Okt 30 16

Ich sah in deine Augen

Ich sah in deine Augen und wußte,
es gibt ein stilles Land,
wo in der blauen Nacht
Blumenkerzen brennen,
die uns wie Kinder leiten
heimwärts überall.

Ich sah in deine Augen und wußte,
sie sind mir Unterpfand
der stillen Gnadenmacht,
die Gottes Sänger nennen,
wenn Engel sie begleiten
heimwärts überall.

Ich sah in deine Augen und wußte,
auch wenn zerreißt das Band
des Lebens Niedertracht,
nichts wird mich jemals trennen,
sie werden mich geleiten
heimwärts überall.

Okt 30 16

Dämmernde Stunde

So viele Steine, so viele Schritte,
Gräser, die raunten,
Rosen, die staunten,
im tiefen Himmel ohne Mitte.

So viele Blumen, so viele Worte,
Augen, die trogen,
lächelnde Wogen,
erblühte Worte, Blumen verdorrte.

Verschwiegenes Leben, lallender Tod,
dämmernde Stunde,
verstummende Wunde –
nimmt mich auf das Abendrot?

Okt 30 16

Hüll dich ein

Hörst du das ferne Rauschen der Zeit?
Hüll dich ein,
trink den Wein,
sternlose Nacht hält dir bereit
Wahn und Weh allein.

Siehst du im Grund den Geisterschein?
Birg dich gut,
Geist ist Hut,
aus der Schale mit dunklem Wein
wehen die Lieder ins Blut.

Singt aus dem Ofen die Zauberglut?
Hüll dich ein,
trink den Wein,
bleibe wach unter trunkner Flut,
sprich mit Gott allein.

Okt 30 16

Nachgeträumte Terzinen

Wir sind wie Glocken, die noch leise beben,
wenn schon am Gnadenschrein die Kerze schwelt,
das Echo ferner Welt, verblaßter Leben,

wie nächtens Schnee Erinnern uns beseelt,
doch schmilzt er schon dahin, wenn Morgen graut.
Wir sind ein fernes Echo, das dem Traum verhehlt,

wie längst des Sängers Mund die Schatten kaut,
wenn dunkles Melos unser Herz bestrickt,
die Träne an der Herbstzeitlose taut.

Gleich Lilien, die ein roher Schritt geknickt,
so träumen wir verwehten Düften nach,
von keines Falters Auge mehr entzückt.

Die nackte Krume liegt im Schneelicht brach,
und Flocken säumen uns den Traum vom Leben,
wir fühlen nur, wenn uns die Rose stach.

Wir sind wie Glocken, die noch manchmal beben,
wenn Mohn und Moos um die Altäre schauert,
verglühter Hymnen Wolken sie umschweben.

O Engel tränenlos, der in der Nische kauert!

Okt 30 16

Sinken, Mund an Mund

Wir wollen leise werden, in uns lauschen
nach jenem zarten, frohen Leben,
dem Lerchenflug, der fern uns überstieg.

Wir wollen, scheue Blätter, dunkel rauschen,
wenn süßer Hauch aus jenem Leben
noch einmal duftet uns von Lichtes Sieg.

Wir wollen Labyrinth der Muschel sein,
Gedächtnis jenem grünen Meer,
und tiefer sinken, sinken bis zum Grund.

Wir wollen trinken von dem dunklen Wein,
den Becher Schwermut trinken leer,
und tiefer sinken, sinken, Mund an Mund.

Okt 29 16

Triolett vom orphischen Ohr

O Ohr, der goldnen Pollen Seelenwaage,
die Orpheusʼ Atem sich zum Preis gehäuft,
du Tor zur Heimat blind geweinter Klage,
die Liebe mit den goldnen Pollen trage
zum Bräutigam im Muschelreich der Sage.
Ist Tau auf Rosen, Eurydike, geträuft,
schwingt goldner Pollen voll die Seelenwaage,
die Orpheusʼ Atem sich zum Preis gehäuft.

Okt 29 16

Ein Dämon rief

Daß du dies liest, wie eine Wolke zieht
an deiner Stirn ein vages Bild vorbei –
daß sich mir schrieb dies müde drängend Lied,

schiebt es ein leichtes Schauern zwischen zwei
entfernte Atemzüge, Vogelschatten,
zog nicht die Wolke schon ins blaue Einerlei?

Wie Reste Schnees auf Hochgebirges Matten
so schmelzen wir in gnadenlosem Licht,
die Strahlen wollen uns kein Sein gestatten.

Und wie dein Traum in fremden Bildern spricht,
die, dunkler Tau, von scheuer Wimper rinnen,
so ist des Tages Reden dunkelster Verzicht.

Und doch fleht jeder Vers um Neubeginnen,
und doch fleht jeder Händedruck sein „Bleib!“,
bis wieder hüllt der Mond sein weißes Linnen

dem Wort, der scheuen Knospe, um den Leib.
So läßt der Herbst uns ohne Wein und Nuß.
Ein Dämon rief: „Aufs Schneetuch schreib!“

O, Lied, das hinschmilzt unter niemands Kuß!

Okt 28 16

Triolett von den Knospen

Ballung und Schwung, Geheimnis und Maß,
schwebend auf wiegenden Fingern ins Licht,
Schönheit, die göttliche Schöpfung erlas,
Ballung und Schwung, Geheimnis und Maß.
Flamme, sie singt einfältigem Gras,
Knospe, sie öffnet das schlichte Gedicht.
Ballung und Schwung, Geheimnis und Maß,
schwebend auf wiegenden Fingern ins Licht.

Okt 28 16

Triolett von den Dornen

Es ritzen die Dornen das ewige Blau
und leiten Strahlen zum schlafenden Schoß,
als weckten Zungen den Rosentau,
mit Strahlen segnet das ewige Blau,
erlöst aus der Sprache fiedrigem Bau
das Wort, das Auge, gedankengroß,
es öffnet das Lid zur seligen Schau.
Es ritzen die Dornen das ewige Blau
und leiten Strahlen zum schlafenden Schoß.

Okt 27 16

Stanze von den Farben

Die Farben wohnen in dem stillen Land,
wo alles innen scheint, die Seele lebt.
Die graue Mutter knüpft das Tränenband,
die Schwester Purpur schneegesäumt entschwebt,
es haben Blumenaugen dem Gewand
die Mädchen Grün und Gelb sich eingewebt.
Was seelentags wie Sonnenblume schien,
glüht geistvoll nachts, ein Engel aus Rubin.

Okt 26 16

Stanze auf den Stern der Erlösung

Wenn Lüfte, weich und rein, aus Eden quellen,
ein blauer Schatten hohe Stirn bekränzt,
wenn goldne Schäume spielen auf den Wellen,
wird halber Mond von hellem Lied ergänzt.
Die Menschen wachen auf des Todes Schwellen,
bis groß der Stern der Rettung wieder glänzt.
Vom Blumenwort, das keuschem Mund erblüht,
die Träne rinnt, wenn jener Stern erglüht.

Okt 26 16

Stéphane Mallarmé, Apparition

La lune s’attristait. Des séraphins en pleurs
Rêvant, l’archet aux doigts, dans le calme des fleurs
Vaporeuses, tiraient de mourantes violes
De blancs sanglots glissant sur l’azur des corolles.
–C’était le jour béni de ton premier baiser.
Ma songerie aimant à me martyriser
S’enivrait savamment du parfum de tristesse
Que même sans regret et sans déboire laisse
La cueillaison d’un Rêve au cœur qui l’a cueilli.
J’errais donc, l’œil rivé sur le pavé vielli
Quand avec du soleil aux cheveux, dans la rue
Et dans le soir, tu m’es en riant apparue
Et j’ai cru voir la fée au chapeau de clarté
Qui jadis sur mes beaux sommeils d’enfant gâté
Passait, laissant toujours de ses mains mal fermées
Neiger de blancs bouquets d’etoiles parfumées.

 

Erscheinung

Der Mond ward düster. Seraphine weinten im Traum,
sie hielten den Bogen, still an blumenduftigem Saum,
entlockten helle Seufzer hinsterbenden Violen,
die im Blau des Himmels streiften an Gladiolen.
– Es war des ersten Kusses Tag, dich zu erwählen.
Ich mag es, wenn ich träume, mich zu quälen,
mein Traum, er trug kokett den Duft Tristesse,
und gönnte ohne Reue doch und ohne Blässe
dem Herzen seine Lese, Trauben, die es pflückte.
Ich irrte, Blicke stier auf Steine, moosbestückte,
als, im Haare Sonnenflecken, auf den Serpentinen
des Abends du bist lächelnd mir erschienen.
Ich sah wohl unterm Hut des Lichts die Fee,
die vor zartem Knaben durch die Traumallee
einst entschritt, und immer ließ der Hände Benedeien
mir weiß und duftend Sternenblüten schneien.

Okt 25 16

Triolett vom goldenen Strahl

Hält goldnem Licht der Überwelt
das Wort allein die Blüte offen?
Das Wort scheint rein und unentstellt
im goldnen Licht der Überwelt.
Kann auf den Strahl aus jener Welt
auch unsre wunde Seele hoffen?
Hält goldnem Licht der Überwelt
das Wort allein die Blüte offen?

Okt 25 16

Triolett von den Quellen

Wie Quellen einsam singen, singst du auch,
in deiner Brust verrinnt ein süßes Wasser,
und strömt wie Abendlied ein goldner Rauch,
so singst du wie die Quelle einsam auch.
Die Knospe Herz schloß auf ein Sternenhauch,
sie blüht zur Nacht, die Sonne macht sie blasser.
Wie Quellen einsam singen, singst du auch,
in deiner Brust verrinnt ein süßes Wasser.

Okt 25 16

Triolett vom kleinen Kind

Wie dunkel-wehe wühlen Winde
in ferner Kindheit Herbstgefühl.
Du küßtest die gelben Herzen der Linde,
um Dunkles, Wehes wußten die Winde,
die kleine Hand griff ums Gebinde,
ein Ahornblatt war schon zuviel.
Wie dunkel-wehe wühlen Winde
in ferner Kindheit Herbstgefühl.

Okt 24 16

Südliches Triolett

Mond schlief auf dem Marmorstein,
Nacht, durchäugt vom Gold der Zitronen,
Windes Summen, Erinnern wie Wein,
mondübergossen blühte der Stein.
Offen stand der Düfte Schrein,
traumhell winkten Anemonen.
Mond schlief auf dem Marmorstein,
Nacht, durchäugt vom Gold der Zitronen.

Okt 24 16

Triolett von der fallenden Frucht

Der Tropfen füllt und füllt sich an und fällt,
wie Früchte, herbstgeschwellt, ins Dunkle klopfen,
wie bang die Träne sich am Rand der Wimper hält,
bis sich ihr Glanz erfüllt und niederfällt.
Wie gibt, von Reife süß, sich hin die Welt,
wenn Küsse dir aus Sapphos Liedern tropfen.
Der Tropfen füllt und füllt sich an und fällt,
wie Früchte, herbstgeschwellt, ins Dunkle klopfen.

Okt 24 16

Herbst-Triolett

Wie aus den Blättern schwindet Schein und Saft,
es ist, als wollt das Herz der Welt erblassen,
als wären Mienen geisterhaft erschlafft,
es schwand in Grind und Grauen Sommers Saft,
kein Wort erfüllt, wo stumm die Wunde klafft.
Ein Hunger-Bellen irrt durch Nebelmassen.
Wie aus den Blättern schwindet Schein und Saft,
es ist, als wollt das Herz der Welt erblassen.

Okt 23 16

Ein Rätsel

Erst tauchst du sie in Farbenpracht,
damit des Lichtes Frucht sie scheine,
dann zuckt aus ihr das große Eine,
du hüllst sie in den Samt der Nacht.

Du bist in ihr gezeugt, geboren,
im Wandern zwischen Stirn und Mund
hast du sie im Gestrüpp verloren,
und unter dir schwimmt blau der Grund.

Dann gehst im Schnee du letzten Gang,
der Wind die Spuren schon verweht,
da hörst im Nebel du Gesang,
die lang vergessen, vor dir steht.



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