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Nov 16 16

Triolett von der Vergeblichkeit

Mein Schmerz ist dunkel wie Achat,
dein Kuß hat des Rubinen Schein.
Wie blendet Sichelmondes Mahd,
mein Schmerz ist dunkel wie Achat.
Vergebens war des Liedes Saat,
dein Kuß macht trunkner als sein Wein.
Mein Schmerz ist dunkel wie Achat,
dein Kuß hat des Rubinen Schein.

Nov 16 16

Terzinen von den grünen Schlangen

O wie einst innerlich die Trostgesänge,
von Herz zu Herz das Echo sanfter Glocken,
der weißen Boten federweiche Gänge

durch Gräser, Fluren, Wolkenflocken,
in deinem Haus wird dämmernd Stille wohnen,
kein Licht der Ferne mag dich mehr verlocken,

der Drang zu wandern, fragen dich verschonen,
an deinem Lager tropfen Honigflammen,
die steil auf Löwenkandelabern thronen,

als ob den frühen Kulten sie entstammen,
zu deinen Füßen züngeln grüne Schlangen,
die aus den warmen Wassern Edens schwammen,

um deiner Träume fahles Todesbangen
zu tanzen, es in Tänzen zu verschwenden,
bis ihre Zungen an dein Herz gelangen.

O süße Gifte, Ruhe dir zu spenden.

Nov 16 16

Winterliches Triolett

Verblaßt sind schon des Lebens satte Farben,
wenn spätes Licht auf graue Schwelle fällt.
Der Gladiolen große Klänge starben,
verblaßt sind schon des Lebens satte Farben.
Versunken ist das Gold der Sommergarben,
der Winterruf der Hungerkrähe gellt.
Es blassen schon des Liedes satte Farben,
wenn spätes Licht auf schmale Lippe fällt.

Nov 15 16

Triolett von den Flammen

Es heben dich empor des Liedes Flammen,
geweihter Hände dornenlose Rosen,
du staunst, daß wir von jenseits stammen,
wohin sich immer heben Liedes Flammen,
sie schlagen über deinem Haupt zusammen,
wenn ganz verebbt das Welten-Tosen.
Es heben dich empor des Liedes Flammen,
geweihter Hände dornenlose Rosen.

Nov 15 16

Triolett vom wahren Purgatorium

In fernen Himmeln brennt das Ideal,
der Trennung Schmerz verleiht ihm Glut,
im Flackern falscher Nähe wird es schal,
in fernen Himmeln brennt das Ideal.
Das Sternenlied entsteigt der Liebesqual,
die weiße Lilie nährt das Opferblut.
In fernen Himmeln brennt das Ideal,
der Trennung Schmerz verleiht ihm Glut.

Nov 15 16

Stanze von den schönen Seelen

Der Gräser Flammengischt im frühen Winde,
der Atem, der verglüht auf Blumenwangen.
Daß tiefer Blick die Himmelsbläue finde,
sind wir die Lebensstufen hochgegangen.
O dunkler Honig, brich aus Wortes Rinde,
der Wein des Liedes stille alles Bangen.
Die Seelen, die vom Docht der Schmerzen brennen,
kannst du erwählt, kannst schön sie nennen.

Nov 15 16

Winterliche Terzinen

Es kommt ein Wehen, Flüstern, dunkles Gleiten,
wenn brauner Herbst die Gärten hat gekehrt,
wie sollen wir der Seele Licht bereiten,

wenn Licht des Laubes sich in Wipfeln leert,
wer hält uns treu und fest in bösen Winden,
wenn grauer Schleier uns die Sicht verwehrt?

Wo sollen wir der Liebe Knospen finden,
die feinen Düfte ihrer Blüten wahren,
wenn unsre Herzen in die Nebel schwinden?

Wir sahen fern entfliehn die Vogelscharen,
sie schmerzten uns mit ihren wüsten Schreien,
als könnten wir uns Liebe nicht bewahren.

Wie leise, sieh, die weichen Wolken schneien,
die Flocken hüllen uns in weißen Traum,
sie wollen uns der stillen Anmut weihen,

o küssender Kristall, wir atmen kaum.

Nov 14 16

Triolett von den überwachsenen Namen

Als hätte überwachsen rauhe Rinde
die zärtlich eingeritzten Namen,
daß keiner mehr die Herzen finde,
die schlafen unter rauher Rinde.
Wir selbst, wir waren wie Erinnrungsblinde,
als neulich wir vorbei dort kamen.
Es hatte überwachsen rauhe Rinde
die zärtlich eingeritzten Namen.

Nov 14 16

Triolett vom einsamen Lied

Du Rosenduft in Wüsten, blumenleer,
du Sichelmond in sternenloser Nacht,
du weckst die Seele, die von Träumen schwer,
wie Rosenduft in Wüsten, blumenleer.
Wenn an verwaister Küste seufzt das Meer,
bringt heim dein Boot geheimnisvolle Fracht.
Du Rosenduft in Wüsten, blumenleer,
du Sichelmond in sternenloser Nacht.

Nov 14 16

Triolett vom Lied der Seele

Du, Seele, lebst dem Lied allein,
o Duftes Lippen, anmutweiche,
dein Lied löst uns wie später Wein,
du, Seele, lebst dem Lied allein,
wie Wolke blaut dein Widerschein
im hohen Staunen dunkler Eiche.
Du, Seele, lebst dem Lied allein,
o Duftes Lippen, anmutweiche.

Nov 14 16

Einmal noch, geschwisterlich

Wenn Lichtkristalle, Pollenstaub,
um unsre späten Schritte wehen,
o Hand in Hand wir wollen gehen,
bis wieder rauscht das wehe Laub.

Gedenkst du dann der trunknen Blicke,
des Lallens, das wie Blüten flockte,
und wie die weiße Gartenwicke
uns in den Duft des Frühlings lockte?

Und schreibt uns blind der Sichelmond
den hellen Schmerz auf dunklen Grund,
summt einmal noch, wie leidverschont,
ein Traum uns wunderlich im Mund.

Gedenk ich dann des Lieds der Rosen,
des Flieders, deiner Liebe Duft,
strömt einmal noch aus blauer Kluft
geschwisterlich der Lüfte Kosen.

Nov 14 16

Triolett vom fernen Licht

Die roten Blätter rascheln auf dem Pfad,
im braunen Dunst glimmt noch ein fernes Licht.
Der Mondschein quillt aus schwarzen Samtes Naht,
die roten Blätter rascheln auf dem Pfad.
Die Seele ist des Himmels helle Saat,
im toten Blatt glimmt noch ihr Angesicht.
Die roten Blätter rascheln auf dem Pfad,
im braunen Dunst glimmt noch ein fernes Licht.

Nov 14 16

Maurice Scève, Apercevant cet Ange en forme humaine

Apercevant cet Ange en forme humaine,
Qui aux plus forts ravit le dur courage
Pour le porter au gracieux domaine
Du Paradis terrestre en son visage,
Ses beaux yeux clairs par leur privé usage
Me dorent tout de leurs rais épandus.
Et quand les miens j’ai vers les siens tendus,
Je me recrée au mal, où je m’ennuie,
Comme bourgeons au Soleil étendus,
Qui se refont aux gouttes de la pluie.

 

Erblick den Engel ich im Menschenbild,
der selbst den Rauhsten raubt den wilden Mut
und sie entrückt ins Grazien-Gefild,
ins Paradies, in dem ihr Antlitz ruht,
umfließt mich golden eine Strahlenglut
aus ihrem Blick, den Scham hat klar gelassen.
Und wenn die meinen ihre Blicke fassen,
gesunden meine Übel, mein Verkümmern,
den Knospen gleich, die Sonne in sich lassen
und unter Regentropfen frisch aufschimmern.

Nov 13 16

Triolett von der Seelenmuschel

Die Muschel, blauer Leere blind umwunden,
umglänzt perlmuttern hohlen Widerklang.
Die Seele, stummem Meere schaumentbunden,
die Muschel, blauer Leere blind umwunden.
O hätte sie den Weg zum Sternenlicht gefunden,
wo sie sich löst in himmlischen Gesang.
Die Muschel, blauer Leere blind umwunden,
umglänzt perlmuttern hohlen Widerklang.

Nov 13 16

Triolett von der Seelenreise

Aus Nacht geboren, Seele, Atemschneise,
aus dunkler Enge flügeln Silbertöne,
und niedertropfen Tränen blumenleise,
aus Nacht geboren, Seele, dunkle Schneise.
Es münde deines Liedes Wunderreise
in blauer Nacht, wo Stille dich versöhne.
Aus Nacht geboren, Seele, Atemschneise,
aus dunkler Enge flügeln Silbertöne.

Nov 13 16

Maurice Scève, Sur le Printemps, que les Aloses montent

Sur le Printemps, que les Aloses montent,
Ma Dame, et moi sautons dans le bateau,
Où les pêcheurs entre eux leur prise comptent,
Et une en prend : qui, sentant l’air nouveau,
Tant se débat, qu’en fin se sauve en l’eau,
Dont ma Maîtresse et pleure, et se tourmente.
Cesse, lui dis-je : il faut que je lamente
L’heur du Poisson, que n’as su attraper,
Car il est hors de prison véhémente,
Où de tes mains ne peux onc échapper.

 

Im Frühling, da die Fische aufwärts eilen,
Madame und ich, wie steigen in ein Boot,
und als die Fischer ihren Fang verteilen,
da greift sie einen: der dünkt sich schon verschont
und zappelt, rettet sich dort, wo er wohnt,
die Herrin aber weint und will verzagen.
Halt inne, sag ich; sollte ich nicht klagen
um dieses Fisches Glück, von dir zu springen,
er durfte aus der Leidensgruft sich wagen,
wo gnadenlos mich deine Hände zwingen.

Nov 13 16

Maurice Scève, Si le blanc pur est Foi immaculée

Si le blanc pur est Foi immaculée,
Et le vert gai est joyeuse Espérance,
Le rouge ardent par couleur simulée
De Charité est la signifiance :
Et si ces trois de diverse substance —
Chacune en soi — ont vertu spéciale,
Vertu étant divinement Royale,
Où pourra l’on, selon leur haut mérite,
Les allier en leur puissance égale,
Sinon en une, et seule Marguerite ?

 

Wenn makelloser Glaube reines Weiß
und Hoffnungsfreude ist das frohe Grün,
die Farbe Rot soll, da sie glüht so heiß,
stehn für der wahren Liebe tiefes Glühn:
Und wenn die drei auf eignem Felde blühn –
jedwedes auf dem seinen – aus eigner Kraft,
und gründen so in göttlicher Regentschaft,
wie anders sich ihr hoher Rang verriete,
in höchster Herrschaft Diadem gerafft,
als in der einzig-einen Marguerite*?

 

*Margarete von Navarra, siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_von_Navarra
http://www.persee.fr/doc/bude_0004-5527_1964_num_1_1_4061

Nov 13 16

Maurice Scève, Toute fumée en forme d’une nue

Toute fumée en forme d’une nue
Depart du feu avec grave maintien:
Mais tant plus hault s’esleve, & se denue,
Et plus soubdain se resoult toute en rien.
Or que seroit a penetrer au bien,
Qui au parfaict d’elle jamais ne fault?
Quand seulement pensant plus, qu’il ne fault,
Et contemplant sa face a mon dommage,
L’oeil, & le sens peu a peu me deffault,
Et me pers tout en sa divine image.

 

Immer flieht der Rauch so wolkenleicht,
entsteigt dem Brande finsteren Gesichts:
je mehr er sich verdünnend höher weicht,
löst er sich plötzlich auf ins reine Nichts.
Wer hätte je erblickt den Quell des Lichts,
dem ihre Vollkommenheit nicht stieg ins Blut?
Denk ich nur an sie, mehr als mir guttut,
schau ihr ins Gesicht ich, mir zum Schaden,
vergehen Blick und Sinn mir in der Flut,
ertrinkend muß im Götterbild ich baden.

Nov 13 16

Triolett vom Rauch

Wir wölken hin, ein grauer Rauch,
und steigen in die blaue Leere,
das Leben brennt, ein dürrer Strauch,
wir wölken hin, ein grauer Rauch.
Wir ziehen heimwärts, Hauch zu Hauch.
In Flammen uns die Erdenschwere!
Wir wölken hin, ein grauer Rauch,
und steigen in die blaue Leere.

Nov 12 16

Triolett vom hergewehten Blatt

Für M. R.

Als könnte herznah hergewehtes Blatt
geheimen Auges Liebeslicht bewahren.
Der Herbst, der lauen Abschiedsseufzer satt,
weint noch, ein Aug im hergewehten Blatt.
Sinkt auch das graue Herz dir wehmutmatt,
das Zeichen hebtʼs zum Schrei der Kranichscharen.
Als könnte herznah hergewehtes Blatt
geheimen Auges Liebeslicht bewahren.

Nov 12 16

Triolett vom kahlen Leben

Der Tau versickert, Tränen im Traum,
das Blatt verglüht, die Gärten schweigen.
Die müden Dahlien an Herbstes Saum
beglänzt der Tau, geweint im Traum.
Dem kahlen Leben bleibet kaum
ein Rauschen. Alles will sich neigen.
Der Tau versickert, Tränen im Traum,
das Blatt verglüht, die Gärten schweigen.

Nov 11 16

Maurice Scève, Libre vivais en l’Avril de mon âge

Libre vivais en l’Avril de mon âge,
De cure exempt sous celle adolescence,
Où l’œil, encor non expert de dommage,
Se vit surpris de la douce présence,
Qui par sa haute, et divine excellence
M’étonna l’Âme, et le sens tellement,
Que de mes yeux l’archer tout bellement
Ma liberté lui a toute asservie :
Et dès ce jour continuellement
En sa beauté gît ma mort, et ma vie.

 

April, die Blüten freier Jugendzeit,
ich war so sorglos unter ihrem Schneien,
der Blick, noch ungetrübt von dunklem Leid,
er durfte sich der süßen Nähe weihen,
mit der aus göttlich hohen Sternenreihen
die Seele mich beglückte und mein Sinnen,
der Blicke Bogen mochte mir gewinnen
die Aussicht, frei dem Wunsche hingegeben:
Seit jenen Tagen mußte ich umspinnen
mit ihrer Schönheit meinen Tod, mein Leben.

Nov 11 16

Maurice Scève, J’attends ma paix du repos de la nuit

J’attends ma paix du repos de la nuit,
Nuit réfrigère à toute âpre tristesse,
Mais s’absconsant le Soleil, qui me nuit,
Noie avec soi ce peu de ma liesse.
Car lors jetant ses cornes la Déesse
Qui du bas Ciel éclaire la nuit brune,
Renaît soudain en moi celle autre Lune,
Luisante au centre où l’Âme a son séjour,
Qui, m’excitant à ma peine commune,
Me fait la nuit être un pénible jour.

 

Ich harr des Friedens in der Nacht der Stille,
der Nacht, da harscher Trauer Frost erglänzt,
die Sonne dunkelt, Leidens lichte Fülle,
mit ihr die Freude, die mich karg bekränzt.
Die Göttin hat mit Hörnern sich ergänzt,
sie leuchten aus der Höhe brauner Nacht,
jäh ist in mir ein andrer Mond erwacht,
der aus dem Abgrund strahlt, dem Seelenhag,
sie lädt mir auf der Qualen alte Fracht
und wandelt mir die Nacht zum öden Tag.

Nov 11 16

Triolett vom Traumgesang

Wenn uns erglänzt des Wassers Spiegel
von Mondes langem Untergang,
löst einmal sich der Seele Siegel,
wenn in uns glänzt der reine Spiegel.
Es fließen aus des Mundes Tiegel
die Silben in den Traumgesang,
wenn uns erglänzt des Wassers Spiegel
von Mondes langem Untergang.

Nov 11 16

Maurice Scève, De toute Mer tout long, et large espace

De toute Mer tout long, et large espace,
De terre aussi tout tournoyant circuit,
Des Monts tout terme en forme haute et basse,
Tout lieu distant, du jour et de la nuit,
Tout intervalle, ô qui par trop me nuit,
Seront remplis de la douce rigueur.
Ainsi passant des Siècles la longueur,
Surmonteras la hauteur des Étoiles,
Par ton saint nom, qui vif en ma langueur
Pourra partout nager à pleines voiles.

 

Des weiten Meeres ungeheurer Raum,
die Erde auch in ihres Kreisens Pracht,
der Berge hoch und tiefer Liniensaum,
die fernen Stätten all, von Tag und Nacht
der Wechsel, o hat er mir Leid gebracht,
sie sind von süßer Grausamkeit erfüllt.
Ist dann der Zeiten Schleier mir enthüllt,
steig ich empor zur hohen Sternenwelt,
dein hehrer Name, der mein Sehnen stillt,
er istʼs, der überall mein Segel schwellt.

Nov 11 16

Triolett vom Herbst des Lebens

Die still im Herbst des Lebens glüht,
du pflückst sie nicht, die späte Frucht.
Doch hat sie nicht umsonst geblüht,
die still im Herbst des Lebens glüht.
O Abschied, sternenübersprüht,
die reine Schau, die letzte Flucht,
wenn still des Lebens Herbst verglüht
und ungepflückt entschwebt die Frucht.

Nov 11 16

Triolett vom Sinnbild

Wie der Embleme ausgeblichne Züge
verblassen uns des Lebens grüne Blätter,
als ob ein Rätsel uns ins Leere trüge,
wie der Embleme ausgeblichne Züge.
Verwirbelt Schnee das große Sinngefüge,
versinkt in reinem Weiß die zarte Letter.
Wie der Embleme ausgeblichne Züge
verblassen uns des Lebens grüne Blätter.

Nov 11 16

Triolett vom Schilf

Wie es schauernd sich dem Winde biegt,
rauscht es klagend auf, doch bricht es nicht.
Niedersinkend hat das Schilf den Tod besiegt,
wenn es schauernd sich dem Winde biegt.
Gottes Odem duldsam hingeschmiegt,
rauscht das Schilf der Seele im Gedicht.
Wie es duldsam sich dem Atem biegt,
rauscht es schauernd auf, doch bricht es nicht.

Nov 11 16

Maurice Scève, A sa Délie

Non de Vénus les ardents étincelles,
Et moins les traits desquels Cupido tire,
Mais bien les morts qu’en moi tu renovelles
Je t’ai voulu en cet Oeuvre décrire.
Je sais assez que tu y pourras lire
Mainte erreur, même en si durs Epigrammes :
Amour, pourtant, les me voyant écrire
En ta faveur, les passa par ses flammes.

SOUFFRIR NON SOUFFRIR

 

A seine Délie

Der Venus Feuer nicht und heiße Funken,
nicht gar die Schüsse mit Cupidos Pfeilen,
die Tode all, die ich aus dir getrunken,
sollst lesen du aus dieses Werkes Zeilen.
Du kannst bei Fehlern lange hier verweilen,
sogar in solchen strengen Epigrammen:
Doch Amor übergabʼs, er sah mich eilen,
es dir allein zu widmen, ganz den Flammen.

LEIDEN OHNE LEIDEN

Nov 10 16

Triolett von der entschwundenen Blume

Einer schlanken Vase grünes Glas
schwebt in alten Bildes schöner Mitte.
Doch die Blume, die sich einst erlas
für der schlanken Vase grünes Glas
fein das Auge, wölkte hin wie Gas.
Daß ich meinem Bilde so entglitte!
Einer schlanken Vase grünes Glas
schwebt in alten Bildes schöner Mitte.

Nov 10 16

Triolett von der Atemstele

Stillen Atems schlanke Stele
schwebt im Schnee, im Winterlicht.
Heimgekehrt ist schon die Seele,
stillen Atems schlanke Stele.
Dunkler Wunsch sich nicht verfehle,
ihre Seele wohnt hier nicht.
Stillen Atems schlanke Stele
schwebt im Schnee, im Winterlicht.

Nov 10 16

Triolett von den Toten

Abendregen, ärmlich scheinen Nelken,
Tropfen auf dem schwarzen Grabstein blinken.
Auch der Toten leise Bitten welken,
wenn erzittern unscheinbare Nelken.
Wollen lichte Milch aus Wolken melken
Engel? Tote können sie nicht trinken.
Abendregen, ärmlich scheinen Nelken,
Tropfen auf dem schwarzen Grabstein blinken.

Nov 10 16

Maurice Scève, Dans son jardin Vénus se reposait II

Dans son jardin Vénus se reposait
Avec Amour, sa douce nourriture,
Lequel je vis, lorsqu’il se déduisait,
Et l’aperçus semblable à ma figure.
Car il était de très basse stature,
Moi très petit ; lui pâle, moi transi.
Puisque pareils nous sommes donc ainsi,
Pourquoi ne suis second dieu d’amitié ?
Las ! je n’ai pas l’arc et les traits aussi,
Pour émouvoir ma maîtresse à pitié.

 

In ihrem Garten Venus Ruhe fand,
mit Amor, ihrem holden Wunderknaben,
ihm leb ich nach, wir sind so nah verwandt,
daß ähnliche Gestalt wir, mein ich, haben.
Ist von Statur er wenig doch erhaben,
und ich bin klein; schaut blaß er, blick ich stur.
Kann Spiegel sein ich ihm so von Natur,
warum der Liebe zweiter Gott nicht sein?
Ach, mir fehlt der Bogen, fehlt der Anmut Spur,
wie sollte meine Herrin Gunst mir weihn.

Nov 10 16

Maurice Scève, Dans son jardin Vénus se reposait I

Dans son jardin Vénus se reposait
Avec Amour, sa douce nourriture,
Lequel je vis, lorsqu’il se déduisait,
Et l’aperçus semblable à ma figure.
Car il était de très basse stature,
Moi très petit ; lui pâle, moi transi.
Puisque pareils nous sommes donc ainsi,
Pourquoi ne suis second dieu d’amitié ?
Las ! je n’ai pas l’arc et les traits aussi,
Pour émouvoir ma maîtresse à pitié.

 

In ihrem Garten machte Venus an
den holden Balg, den rosig-dicken Amor,
ich bin wie er, wie er ein Weibermann,
bin auch so dick, nur sprießt mir Gras im Ohr.
Ihm glänzt der Dickwanst prall hervor,
so mir die Wampe, ist blaß er, ich bin blasser.
Sind wir gewaschen in demselben Wasser,
warum tropft mir nicht jener Göttin Milch?
Na ja, schlaff hängt mein Bogen mir, so daß er
nicht trifft das Ziel, das nicht verfehlt der Knilch.

Nov 10 16

Maurice Scève, Si le désir, image de la chose

Si le désir, image de la chose,
Que plus on aime, est du cœur le miroir,
Qui toujours fait par mémoire apparoir
Celle, où l’esprit de ma vie repose,
À quelle fin mon vain vouloir propose
De m’éloigner de ce, qui plus me suit ?
Plus fuit le Cerf, et plus on le poursuit,
Pour mieux le rendre, aux rets de servitude :
Plus je m’absente, et plus le mal s’ensuit
De ce doux bien, Dieu de l’amaritude.

 

Wenn das Verlangen, jener Dinge Bild,
das Liebe steigert, ist des Herzens Spiegel,
der stets Erinnern öffnet nur das Siegel
des einen Bilds, das meine Sehnsucht stillt,
wozu weist leeres Wollen dies Gefild,
von dem zu fliehen, was mir immer folgt?
Flieht auch der Hirsch, wird weiter er verfolgt,
man hält der Knechtschaft Netz ihm schon bereit:
Geh ferner ich, ist näher mir das Leid gefolgt,
das süße Glück, der Gott der Bitterkeit.

Nov 9 16

Maurice Scève, Le souvenir, âme de ma pensée

Le souvenir, âme de ma pensée,
Me ravit tant en son illusif songe,
Que, n’en étant la mémoire offensée,
Je me nourris de si douce mensonge.
Or quand l’ardeur, qui pour elle me ronge,
Contre l’esprit sommeillant se hasarde,
Soudainement qu’il s’en peut donner garde,
Ou qu’il se sent de ses flammes grevé,
En mon penser soudain il te regarde,
Comme au désert son Serpent élevé.

 

Erinnerns Bild, du meines Denkens Seele,
du reißt mich hin in deinen leeren Traum,
als ob Gedächtnis sich den Tort verhehle,
ernähr ich mich von süßer Lüge Schaum.
Nun frißt die Liebesglut mir schon am Saum,
sie züngelt auf zum eingeschlafnen Geist,
und plötzlich sieht er sich wie eingekreist,
vor seiner Flamme Flackern wird ihm bange,
da seh ich dich im Wüstensand verwaist,
jäh reckt vor mir empor sich meine Schlange.

Nov 9 16

Maurice Scève, L’aube éteignait étoiles à foison

L’aube éteignait étoiles à foison,
Tirant le jour des régions infimes,
Quand Apollo montant sur l’horizon
Des monts cornus dorait les hautes cimes.
Lors du profond des ténébreux abîmes
Où mon penser par ses fâcheux ennuis
Me fait souvent percer les longues nuits,
Je révoquai à moi l’âme ravie
Qui, desséchant mes larmoyants conduits,
Me fit clair voir le Soleil de ma vie.

 

Der Morgen löschte aus die Sternenfülle,
er zog den Tag hervor aus Erdenfalten,
Apollo stieg aus Horizontes Hülle,
Gold strahlt der Berge Horn, das hoch sie halten.
Aus Tiefen, wo nur Abgrundschatten walten,
und mich des Geistes quälend-dumpfes Wähnen
nur wühlen läßt in schwarzer Nächte Mähnen,
ruf die entrückte Seele ich zurück,
sie trocknet mir der Rührung kalte Tränen,
zeigt mir die Sonne, lebenswarmes Glück.

Nov 9 16

Maurice Scène, Comme Hécaté tu me feras errer

Comme Hécaté tu me feras errer
Et vif, et mort cent ans parmi les Ombres :
Comme Diane au Ciel me resserrer,
D’où descendis en ces mortels encombres :
Comme régnante aux infernales ombres
Amoindriras, ou accroîtras mes peines.
Mais comme Lune infuse dans mes veines
Celle tu fus, es, et seras DÉLIE,
Qu’Amour a joint à mes pensées vaines
Si fort, que Mort jamais ne l’en délie.

 

Wie Hekate läßt du mich wach und tot
bei Schatten Jahr um Jahr hinirren:
Dianen gleich entreißt du mich der Not
gen Himmel, aus dem du stiegst in diese Wirren,
als bötest Einhalt du dem Schattenirren,
wirst mindern, steigern wirst du meine Qualen.
Wie aber Luna blüht in meines Blutes Schalen,
warst du, bist du, wirst sein du DÉLIE,
die Amor sollt aufs leere Blatt mir malen,
so schön, daß Tod nie bricht die Lilie.

Nov 9 16

Maurice Scève, Tant je l’aimai, qu’en elle encor je vis

Tant je l’aimai, qu’en elle encor je vis :
Et tant la vis, que, malgré moi, je l’aime.
Le sens, et l’âme y furent tant ravis,
Que par l’Œil faut que le cœur la désaime.
Est-il possible en ce degré supreme
Que fermeté son outrepas révoque ?
Tant fut la flamme en nous deux réciproque,
Que mon feu luit, quand le sien clair m’appert.
Mourant le sien, le mien tôt se suffoque.
Et ainsi elle, en se perdant, me perd.

 

Ich liebte sie so sehr, ich lebe noch in ihr:
Ich lebe sie so sehr, ich lieb sie gegen mich.
Gefühl und Seele sind so fern von mir,
dem Auge ist, als ob nicht liebte ich.
Kann wohl auf diesem Gipfel wunderlich
des Willens Macht den Schatten sie entrücken?
So waren Flammen wir, die ineinander glücken,
daß ihre Flamme meine hat entzündet,
stirbt ihre hin, die meine muß ersticken,
wird dunkel ihre, meine bald erblindet.

Nov 9 16

Maurice Scève, De toi la douce, et fraîche souvenance

De toi la douce, et fraîche souvenance
Du premier jour, qu’elle m’entra au cœur
Avec ta haute, et humble contenance,
Et ton regard d’Amour même vainqueur,
Y dépeignit par si vive liqueur
Ton effigie au vif tant ressemblante,
Que depuis l’Âme étonnée, et tremblante
De jour l’admire, et la prie sans cesse :
Et sur la nuit tacite, et sommeillante,
Quand tout repose, encor moins elle cesse.

 

Wie quillt das süße Bild aus frühen Tagen,
da dich dein hoher und bescheidner Sinn,
da Liebe dich hat in mein Herz getragen,
dein Liebesblick, dem ich erlegen bin,
sein Lebenswasser war die Malerin
des Bilds, das dir in einem Maße gleicht,
daß staunend meine Seele ihm nicht weicht
und bebend vor ihm kniet und betet heiß:
Wenn stille Nacht auf Lider Schlummer streicht
und alles schläft, strahlt es noch weiß.

Nov 8 16

Triolett vom stillen Abglanz

Das widerspiegelt stille Schale rein,
das Blau wird grau, wenn du sie neigst.
Du trinkst das Wasser, nicht den Schein,
den widerspiegelt stille Schale rein.
Das Blau kann nur der reine Abglanz sein,
die Schale still nur, wenn du schweigst.
Das widerspiegelt stille Schale rein,
das Blau wird grau, wenn du sie neigst.

Nov 8 16

Maurice Scève, Tu es, Miroir, au clou toujours pendant

Tu es, Miroir, au clou toujours pendant,
Pour son image en ton jour recevoir :
Et mon cœur est auprès d’elle attendant,
Qu’elle le veuille au moins, apercevoir.
Elle souvent — ô heureux ! — te vient voir,
Te découvrant secrète, et digne chose,
Où regarder ne le daigne, et si ose
Ouïr ses pleurs, ses plaints, et leur séquelle.
Mais toute dame en toi peut être enclose,
Où dedans lui autre entrer n’y peut, qu’elle.

 

Du bist der Spiegel, der stets einsam schwebt,
um ihr Gesicht zur rechten Zeit zu schauen:
Mein Herz ist Warten, das sich zu ihr hebt,
ob einmal sie den Blick ihm will vertrauen.
Oft taucht sie, sei beglückt, in deine Auen.
vor dir mag sie den Schleier würdig heben,
du hüllest sanft dich in ein Dämmerweben,
um sie mit deinen Tränen zu verschonen.
So kannst den Hohen ihren Hort du geben,
doch soll dort einzig sie alleine thronen.

Nov 8 16

Maurice Scève, L’ardent désir du haut bien désiré

L’ardent désir du haut bien désiré,
Qui aspirait à celle fin heureuse,
A de l’ardeur si grand feu attiré,
Que le corps vif est jà poussière Ombreuse :
Et de ma vie, en ce point malheureuse
Pour vouloir toute à son bien condescendre,
Et de mon être, ainsi réduit en cendre
Ne m’est resté, que ces deux signes-ci :
L’œil larmoyant pour piteuse te rendre,
La bouche ouverte à demander merci.

 

Die Flamme singt zum höchsten Gut empor,
das sie mit solcher Seligkeit behaucht,
so schmilzt im Feuer meiner Sehnsucht Tor,
daß lebend schon der Leib zu Staub verraucht:
Mein Leben, dessen Unglück es verbraucht,
ins höchste Gut sich gänzlich zu versteigen,
mein Dasein, ganz der Asche schon zu eigen,
läßt mir nicht mehr als diese beiden Zeichen:
Des Auges Träne, dich erbarmend ihr zu neigen,
den offnen Mund, der dir den Dank will reichen.

Nov 8 16

Maurice Scève, Celle beauté, qui embellit le Monde

Celle beauté, qui embellit le Monde
Quand naquit celle en qui mourant je vis,
A imprimé en ma lumière ronde
Non seulement ses linéaments vifs :
Mais tellement tient mes esprits ravis,
En admirant sa mirable merveille,
Que, presque mort, sa Déité m’éveille,
En la clarté de mes désirs funèbres,
Où plus m’allume, et plus, dont m’émerveille,
Elle m’abîme en profondes ténèbres.

 

Jene Schönheit, die verklärt die Welt,
geboren, daß ich sterbend für sie lebe,
hat vor mein Auge nicht nur hingestellt
des schönen Lebens Lichtgewebe:
Sie hält verzückt mein Sinnen in der Schwebe,
wenn ich bewundernd ihre Wunder schaue,
daß ihre Gottheit meinen Tod auftaue,
mein dunkler Drang von ihrer Sonne trinke,
daß mehr mein Tag in ihrem Himmel blaue,
ich tiefer in des Abgrunds Nacht versinke.

Nov 7 16

Maurice Scève, Tu te verras ton ivoire crêper

Tu te verras ton ivoire crêper
Par l’outrageuse et tardive vieillesse.
Lors sans pouvoir en rien participer
D’aucune joie et humaine liesse,
Je n’aurai eu de ta verte jeunesse,
Que la pitié n’a su à soi ployer
Ni du travail qu’on m’a vu employer
A soutenir mes peines éphémères
Comme Apollon, pour mériter loyer,
Sinon rameaux et feuilles très amères.

 

Bald siehst auf deines Grabmals Elfenbein
die dunkle Schmach der Altersflecken.
Mir blieb versagt des Lebens süßer Wein,
kein Jubel mochte mich aus Trauer wecken,
zu deinen Blüten durft ich nie mich recken,
nur Mitleid fühlen für dein jähes Ende,
in meinem Werk, dem Geistern meiner Hände,
zu geben meiner Schmerzen Schattenriß,
daß mir Apollon einst den Lorbeer spende,
nur Zweig und Blätter wehn voll Bitternis.

Nov 7 16

Triolett vom hohlen Mund

Verfleckte Schalen, leere Schoten,
entkernter Worte Sinn verfault.
Wer sendet uns die Götterboten,
wenn Schalen wirbeln, hohle Schoten,
des Heiles Wort verschlammt in Zoten,
der hohle Mund der Meinung mault?
Verfleckte Schalen, leere Schoten,
entkernter Worte Sinn verfault.

Nov 7 16

Maurice Scève, Tu cours superbe, ô Rhône, florissant

Tu cours superbe, ô Rhône, florissant
En sablon d’or et argentines eaux.
Maint fleuve gros te rend plus ravissant,
Ceint de cités, et bordé de châteaux,
Te pratiquant par sûrs et grands bateaux
Pour seul te rendre en notre Europe illustre.
Mais la vertu de ma Dame t’illustre
Plus qu’autre bien qui te fasse estimer.
Enfle-toi donc au parfait de son lustre,
Car fleuve heureux plus que toi n’entre en mer.

 

Dein Lauf ist herrlich, Rhône, und er blüht
von goldnen Körnern, hellen Silberlingen.
Er wird von großer Flüsse Reizen übersprüht,
ihn gürten Städte, Burgen ihn umringen,
wenn hohe Schiffe ruhig auf dir schwingen,
um ganz Europa deinen Ruhm zu lehren.
Doch meiner Dame Tugend gibt dir Ehren
mehr als alles, was dein Dasein krönte hehr.
Schwill an, mit deinem ihren Glanz zu mehren,
es münden keine Ströme glücklicher ins Meer.

Nov 7 16

Maurice Scève, L’oisiveté des délicates plumes

L’oisiveté des délicates plumes,
Lit coutumier, non point de mon repos,
Mais du travail, où mon feu tu allumes,
Souventes fois, oultre heure, et sans propos
Entre ses draps me retient indispos,
Tant elle m’a pour son faible ennemi.
Là mon esprit son corps laisse endormi
Tout transformé en image de Mort,
Pour te montrer, que lors homme à demi,
Vers toi suis vif, et vers moi je suis mort.

 

In flaumig-zarten Daunen Müßiggang,
das warme Bett kann mir nicht Ruhe bringen,
doch wenn dem Werke deine Flamme sang,
kann öfters mich die hohe Stunde zwingen,
sie hüllt mich wortlos ein in Flammenschwingen
und läßt in ihrem Feind nur Schwäche walten.
Da legt den Leib mein Geist in Schlafes Falten,
in seiner Starre zeigt sein Bild der Tod,
du siehst, wie dieser Mann ist zwiegespalten,
zu dir hin lebe ich, mir selber tot.

Nov 7 16

Maurice Scève, Tout le repos, ô nuit, que tu me dois

Tout le repos, ô nuit, que tu me dois,
Avec le temps mon penser le dévore :
Et l’horloge est compter sur mes doigts
Depuis le soir jusqu’à la blanche Aurore.
Et sans du jour m’apercevoir encore,
Je me perds tout en si douce pensée,
Que du veiller l’âme non offensée
Ne souffre au corps sentir cette douleur
De vain espoir toujours récompensée
Tant que ce monde aura forme et couleur.

 

Die du, o Nacht, mir schuldest, tiefe Stille,
frißt Stund um Stunde auf mir Grübelei,
als ob in Tropfen Zeit der Hand entquille,
noch Abend, bleicht der Morgen schon herbei.
Der Tag malt mir ein trübes Konterfei,
bin ganz dem süßen Sinnen hingegeben,
will meinem Wächteramte gerne leben,
zu fühlen jenen Schmerz ist mir kein Leiden,
denn leeres Hoffen kann der Trost erheben,
daß Form und Farbe diese Welt auskleiden.

Nov 7 16

Maurice Scève, Sur la fontaine de Vaucluse

(près laquelle, jadis, habita Pétrarque)

Quiconques voit de la Sorgue profonde
L’étrange lieu, et plus étrange source,
La dit soudain grand merveille du monde,
Tant pour ses eaux que pour sa raide course.
Je tiens le lieu fort admirable, pour ce
Qu’on voit tant d’eaux d’un seul pertuis sortir,
Et en longs bras divers se départir ;
Mais encor plus, du gouffre qui bruit là,
Qu’oncques ne peut éteindre et amortir
Le feu d’amours qui Pétrarque brûla.

 

An der Quelle von Vaucluse
(in deren Nähe einst Petrarca wohnte)

Wer auch der tiefen Sorgue seltsame Lage
beschaut und, mehr als seltsam, ihre Quelle,
der sieht sich gleich im Wunderreich der Sage,
so spiegeln ihre Wasser, schäumt die Welle.
Ich schätze diesen Ort auf alle Fälle,
wo Wassermassen einem Loch entspringen
und dann in vielen Armen vorwärtsdringen;
doch mehr noch für den Abgrund, der da braust,
der doch nicht konnte löschen und bezwingen
die Liebesflamme, die Petrarca hat behaust.



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