So kamst du hinüber
Von fern loderte
im Basalt der Dunkelheit
die weiße Dolde
aus Feuer und Schnee.
So gingst du in die Nacht,
als der Mond glomm
unter der Asche des Regens.
So gingst du ans Ufer,
wo statt Halmen des Schilfs
grüne Flammen wogten.
So kamst du hinüber,
getragen vom Flüstern
des dämmernden Laubs.
Du bist verschmolzen
mit dem Urgestein,
die weiße Dolde
aus Feuer und Schnee.
Philippe Jaccottet, La Semaison
Cognassiers en fleurs, derrière la ferme Granier. Quatre ou cinq arbres en file, de taille décroissante (à cause du vent, probablement). Décèlerai-je, saurai-je dire un jour leur beauté propre, qui n’est pas celle de n’importe quel arbre fruitier au moment de la floraison, et qui me semble plus grande qu’aucune autre ?
L’espèce d’enclos à l’entrée des « puits » : un espace allongé au bord du ruisseau invisible, entre des haies de broussailles, divisé par deux rangs de jeunes yeuses, herbu ; un monde de verts, du clair au foncé – et là-dedans le chant des rossignols – la triple liquidité (du chant, du ruisseau et des feuillages commençants). On dirait que c’est hors du monde, perdu, mais merveilleusement perdu, préservé ; une réserve. Simple, mais comme dit Plotin : « Comment parler de ce qui est absolument simple ? »
Die Aussaat
Quitten in Blüte, hinter dem Hof von Granier. Vier oder fünf Baumreihen, schrumpfend (durch den Wind wahrscheinlich). Enthülle, kenne ich eines Tages ihre eigentümliche Schönheit, die nicht die eines beliebigen Obstbaumes im Augenblick der Blüte ist und mir bedeutender vorkommt als jede andere?
Eine Art Umzäunung am Eingang des „Brunnens“: ein Raum, der sich hinzieht am Ufer eines verborgenen Baches, zwischen Hecken im Dickicht, unterbrochen von zwei Reihen junger Steineichen, wo Gras gedeiht; eine Welt von Grüntönen, von dunkler Klarheit – und mittendrin der Gesang der Nachtigallen – dreifaches Fließen (des Gesangs, des Baches und des austreibenden Laubs). Man glaubt sich außerhalb der Welt, verloren, doch auf wunderbare Weise verloren, bewahrt; ein Schutzgebiet. Einfach, aber wie Plotin davon sagt: „Wie sprechen von dem, was in vollkommener Weise einfach ist?“
Transparente Gaze
Jene Blume ist keinem zu eigen,
hat nichts zu eigen,
nichts eigenes zu sagen,
was ihre Schwester nicht schon
knospenschwellender sagte.
Jene Flocke wirbelt
im Wind des Absoluten.
Sie ist wie alle Flocken
nichts ohne das Wasser der Höhe
und den Atem der kühlen Grotten.
Jenes Wasser hat kein Gesicht,
es trägt wie das schwimmende Blatt
die flüchtigen Bilder,
die unterm Anhauch zerrinnen.
Jene Scheibe ist rein
im Dienst der Transparenz,
Gaze unsichtbaren Wassers,
hat sie kein Innen
und kein Außen.
Jenes Gras neigt sich,
Gespielin der Luft,
vom Dunkel genährt,
erzogen vom Licht,
müde zu den seinen.
Des Menschen Seele
ist wie die Niemandsblume,
der Flockenwirbel der Leere,
das gesichtslose Wasser,
der stumme Spiegel,
die Transparenz des Glases,
die Gaze des Unsichtbaren.
Wie das Gras neigt sie sich
müde zu den ihren.
Schnee, Wort
Schnee
Transparenz der Luft
im Wasser gelöste Süße
Sanfter Wulst
auf der Brücke der Stille
Wort
gesäugt vom Dunkel
Flocke des Lichts
Helle Träne
auf der Wange des Pfirsichs
Philippe Jaccottet, Lune d’hiver
Pour entrer dans l’obscurité
prends ce miroir
où s’éteint un glacial incendie :
atteint le centre de la nuit,
tu n’y verras plus reflété
qu’un baptême de brebis
Jeunesse, je te consume
avec ce bois qui fut vert
dans la plus claire fumée
qu’ait jamais l’air emportée
Ame qui de peu t’effraies,
la terre de fin d’hiver
n’est qu’une tombe d’abeilles
Wintermond
Um einzudringen in die Dunkelheit
nimm diesen Spiegel,
in dem ein Feuer aus Eis erlischt:
Geh ins Zentrum der Nacht,
dort siehst du im Widerschein
einzig die Taufe von Schafen
Jugend, ich verbrenne dich
in diesem Holz, das einst grünte,
zum hellsten Rauch,
den die Luft je davontrug
Seele, kaum mehr verschreckt,
die Erde des Winterendes
ist nichts als ein Grab von Bienen
Philippe Jaccottet, Les Gitans
Il y a un feu sous les arbres :
on l’entend qui parle bas
à la nation endormie
près des portes de la ville.
Si nous marchons en silence,
âmes de peu de durée
entre les sombres demeures,
c’est de crainte que tu meures,
murmure perpétuel
de la lumière cachée.
Die Zigeuner
Dort unter den Bäumen ein Feuer:
Man hört es leise sprechen
zu dem Volk, eingeschlafen
nah bei den Toren der Stadt.
Laufen wir schweigend,
Seelen von kurzer Dauer,
durch die düsteren Hütten,
willst du vor Angst vergehen,
ewig währt das Murmeln
des verborgenen Lichts.
Philippe Jaccottet, La veillée funèbre
On ne fait pas de bruit
dans la chambre des morts :
on lève la bougie
et les voit s’éloigner.
J’élève un peu la voix
sur le seuil de la porte
et je dis quelques mots
pour éclairer leur route.
Mais ceux qui ont prié
même de sous la neige,
l’oiseau du petit jour
vient leur voix relayer.
Die Totenwache
Man macht keinen Lärm
im Zimmer der Toten:
Man hält die Kerze hoch
und schaut, wie sie entschwinden.
Ich hebe meine Stimme ein wenig
auf der Schwelle der Tür
und sage ein paar Worte,
ihnen auf dem Weg zu leuchten.
Doch die gebetet haben
selbst für die unterm Schnee,
der Vogel der Dämmerung
wird ihre Stimme weitertragen.
Die Lehre der Muschel
Falte dich einwärts,
knospengelehrig,
küsse Blatt um Blatt
sich fiedrig fügender Fülle,
die durchscheinend bleibt
für die Fühler des Lichts.
Gehst du aber hinaus
in die Dämmerung der Gesichter,
pflücke dem würdigen Auge
ein einzelnes Blatt
vom Herzstrauch und schau nicht,
was damit geschieht.
Glaube doch, ein fremdes Leben
mag die entbehrten Blüten
wieder sammeln und sie leuchten
an einem frischen Zweig,
den man einst bettet auf dein Grab.
Ist zu blühen dir bestimmt,
scheue wie die Nachtviolen
das Licht des schnöden Tags
und ströme in die Dunkelheit
was schwarze Flügel lockt
deine Wehmut aus.
Winde dich einwärts,
muschelbetört,
in den barocken Schnörkelbau,
um unter kaltem Glanz
mit dem ganzen weichen Fleisch
deines Daseins zu lauschen
dem fernen Brausen des Meers.
der Honigstille des Monds,
bis unter deinem kosenden Singen
reiner Schmerzen Kiesel
dich vollendet,
die weiße Perle der Ewigkeit.
Ich hörte den Dämon singen
In Halme grünen Regens
biegt er sein graues Nein.
In Muscheln sanfter Küsse
gießt er dunklen Wein.
In Hochgebetes Flamme
bläst er den Aschenruß.
Dem Hüpfen junger Liebe
stellt er den krummen Fuß.
Auf Pilgers moosigen Pfaden
legt er den Schädel des Rehs.
In Liedes Rosenlippen
sticht er Nadeln des Schnees.
Auf heißen Sonnenklippen
schmilzt er den Herzkristall.
Im Nachtgesang der Ströme
schäumt hell sein Wehgelall.
Nous avançons sur des rochers de coquillages,
sur des socles bâtis de libellules et de sable,
promeneurs amoureux surpris de leur propre voyage,
corps provisoires, en ces rencontres périssables.
Repos d’une heure sur les basses tables de la terre.
Paroles sans beaucoup d’écho.
Lueurs de lierre.
Nous marchons entourés des derniers oiseaux de l’automne
et la flamme invisible des années bourdonne sur le bois de nos corps.
Reconnaissance néanmoins à ce vent dans les chênes qui ne se tait point.
En bas s’amasse l’épaisseur des morts anciens,
la précipitation de la poussière jadis claire,
la pétrification des papillons et des essaims,
en bas le cimetière de la graine et de la pierre,
les assises de nos amours, de nos regards et de nos plaintes,
le lit profond dont s’éloigne au soir toute crainte.
Plus haut tremble ce qui résiste encore à la défaite,
plus haut brillent la feuille et les échos de quelque fête;
avant de s’enfoncer à leur tour dans les fondations,
des martinets fulgurent au-dessus de nos maisons.
Puis vient enfin ce qui pourrait vaincre notre détresse,
l’air plus léger que l’air et sur les cimes la lumière,
peut-être les propos d’un homme évoquant sa jeunesse,
entendus quand la nuit s’approche et qu’un vain bruit de guerre
pour la dixième fois vient déranger l’exhalaison des champs.
Der Spaziergang am Ende des Sommers
Wir gehen über Felsen aus Muschelkalk,
auf Platten, gepreßt aus Libellen und Sand,
verliebte Spaziergänger, von den eigenen Schritten überrascht,
zerbrechliche Körper in diesen vergänglichen Begegnungen.
Ein Stunde Rast auf den niedrigen Tischen der Erde.
Worte ohne großen Widerhall.
Flimmern von Efeu.
Wir laufen, über uns die letzten Vögel des Herbstes,
und die unsichtbare Flamme der Jahre summt über dem Wäldchen unserer Körper.
Und dennoch Dankbarkeit für den Wind in den Eichen, der nicht schweigen mag.
In der Tiefe ballt sich die Masse der Toten aus alter Zeit,
der Niederschlag von Staub, der einmal hell war,
die Versteinerung von Schmetterlingen und Schwärmen,
in der Tiefe der Friedhof von Saatkorn und Gestein,
die Grundschicht unserer Liebe, unserer Blicke und unserer Klagen,
das tiefe Bett, aus dem am Abend all die Angst kriecht.
In der Höhe zittert, was sich der Niederlage noch widersetzt,
in der Höhe funkelt das Blatt und der Widerhall eines Festes;
bevor sie auf ihre Weise in die Fundamente einbrechen,
blitzen die Mauersegler über unseren Häusern.
Dann endlich kommt, was unsere Not wenden könnte,
Luft, leichter als Luft, und in den Gipfeln das Licht,
die Worte eines Menschen vielleicht, der seine Jugend beschwört,
vernommen beim Nahen der Nacht, daß ein sinnloser Kriegslärm
zum zehnten Mal das Ausatmen der Felder stören wird.
Hors de la chambre de la belle rose de braise, de baisers le fuyard du doigt désignait
Orion, l’Ourse, l’Ombelle à l’ombre qui l’accompagnait
Puis de nouveau dans la lumière, par la lumière même usée, à travers le jour vers la terre cette course de tourterelles
Là où la terre s’achève levée au plus près de l’air (dans la lumière où le rêve invisible de
Dieu erre)
entre pierre et songerie
cette neige : hermine enfuie
ô compagne du ténébreux entends ce qu’écoute sa cendre afin de mieux céder au feu :
les eaux abondantes descendre aux degrés d’herbes et de roche et les premiers oiseaux louer la toujours plus longue journée la lumière toujours plus proche
Dans l’enceinte du bois d’hiver sans entrer tu peux t’emparer de l’unique lumière due : elle n’est pas ardent bûcher ni lampe aux branches suspendue
Elle est le jour sur l’écorce l’amour qui se dissémine peut-être la clarté divine à qui la hache donne force
Im letzten Viertel der Nacht
Außerhalb des Zimmers, schöner Rose Glut, der Küsse, wies der entflohene Finger auf
den Orion, den Großen Bären, die Dolde im Schatten, ihrem Begleiter
Dann wieder im Licht, vom Licht selbst gebraucht, gegen den Tag hin, zur Erde hin, der Flug der Turteltauben
Dort, wo die Erde sich vollendet, ganz dicht emporgehoben zur Luft (ins Licht, wo der unsichtbare Traum Gottes herumirrt)
zwischen Gestein und Träumerei
jener Schnee: eingegrabener Hermelin
o du, die mit mir durchs Dunkel geht, vernimm, was da seiner Asche lauscht, um schneller der Flamme zu weichen:
Wie die schwellenden Wasser niederfallen auf Stufen von Gräsern und Fels und die frühen Vögel den immerdar weitesten Tag preisen, das Licht, das nächste immerdar
Im Geviert des Walds, des Winters, kannst ohne einzutreten du fassen das aussteht das einzigartige Licht: nicht brennende Scheiter noch in den Zweigen schwebende Lampe
Es ist der Tag auf der Borke, die Aussaat der Liebe, die göttliche Klarheit vielleicht, der die Axt Macht verleiht
Im Walde schlafen
In den Wald gehen,
Schlaf erbittend.
Kopf auf dem Moos,
Seele im Wind.
Wünsche bleichen
aus im Wolkenzug.
Banges Knistern,
dürres Scharren.
Bitter-süßer Duft.
Dunkles Summen.
Nahes Streifen
fremder Atemzüge.
Mond, tropfend
auf Schlafes Knospen.
Traum, weißes Blatt
abgeblühten Tags.
Leises Klopfen
ans Tor der Mitternacht.
Einladung zur Reise
Gibst du mir die Hand, mein Kind,
wir wollen in die Ferne gehen,
sieh, wie sanft die Zweige wehen,
ein Duft führt uns gelind.
Da kommt der Hund gelaufen,
du kraulst ihm hinterm Ohr,
er streckt das Pfötchen vor,
ich höre Glückes Schnaufen.
Da glänzt uns schon der Fluß,
du faßt den weißen Stein
und wirfst ihn schräg hinein,
viermal hüpft er, dann ist Schluß.
Ist es Morgen oder Abend schon,
das ist uns einerlei.
Der Sonne lassen wir den Thron,
dem Mond die Träumerei.
Wie es uns zum Garten zieht,
dem Wasserspiel zu lauschen.
Wir nippen an dem Rauschen,
ohne daß uns Klarheit flieht.
Da ruft uns mit der blauen Kehle
der Vogel in das Dämmerlicht
des Walds, hier ist so dicht
die Stille der verlorenen Seele.
Wir häufen ihr ein kleines Mahl,
Kastanien, Zapfen, Beeren,
die einen Schieferstein beschweren,
und denken ihrer stummen Qual.
Da braust es in den Zweigen,
wir laufen in den warmen Wind,
fühlen, daß wir auf der Insel sind,
hören die grüne Brandung steigen.
Vom Gipfel sehen wir die Weiten,
wo über blauen Gründen
sich Schaumgedanken ründen,
das wilde Tanzen der Gezeiten.
O nein, wir sind noch nicht am Ziel,
mein Herz, sei nur nicht bang,
wir stürzen uns von diesem Hang
und spielen mit der Winde Spiel.
Du schwebst in meinem Rücken,
ich breite segnend meine Hände,
so fliegen leicht wir bis ans Ende,
getragen von luftigstem Entzücken.
Menschenseele
Die Menschenseele
ist mit der Muschel
blauer Dunkelheit verwandt,
nicht mit dem Geschnatter
des geilen Pavians.
Ihre Windungen sind
wie das Horn des Tritonen,
vom Schlund des Ungeheuers
weht ihr Klagen.
Um ihre Inschrift,
die sie im Wahrtraum liest,
das Ornament der Urzeit,
rankt sich wie um den Denkstein
Efeus tropfendes Lied.
Einer Seekuh
weißes Gerippe am Strand,
vom Salz zernagt,
tönt sie im Mondlicht.
Transparenten Fleisches Mund,
singt sie im Rhythmus
eines geistigen Muskels,
aus dem Abgrund tauchend
ins Kalklicht des Ufers,
die Qualle der Tiefsee.
Kartage
Was soll uns fades Sagen,
das getrunken nicht
aus Heiles Wunden?
Nicht ist schön das Wort,
das mit Sonnen ficht,
hat Nacht es überwunden.
Was können wir Hohes wagen
an diesem dunklen Ort,
in diesen dunklen Stunden?
Unsre Rosen sind die Wunden,
unser Lieben ist das Klagen
über der Liebe Verzicht.
Wenn wir es wiederfinden
am Ufer von leeren Tagen,
schenkt das Rosenwort sein Licht.
Paul Verlaine, A Charles Baudelaire
Je ne t’ai pas connu, je ne t’ai pas aimé,
Je ne te connais point et je t’aime encor moins :
Je me chargerais mal de ton nom diffamé,
Et si j’ai quelque droit d’être entre tes témoins,
C’est que, d’abord, et c’est qu’ailleurs, vers les Pieds joints
D’abord par les clous froids, puis par l’élan pâmé
Des femmes de péché – desquelles ô tant oints,
Tant baisés, chrême fol et baiser affamé ! -
Tu tombas, tu prias, comme moi, comme toutes
Les âmes que la faim et la soif sur les routes
Poussaient belles d’espoir au Calvaire touché !
- Calvaire juste et vrai, Calvaire où, donc, ces doutes,
Ci, çà, grimaces, art, pleurent de leurs déroutes.
Hein ? mourir simplement, nous, hommes de péché.
Für Charles Baudelaire
Ich habe dich nicht gekannt, dich nicht geliebt,
ich kenne dich nicht, noch weniger liebe ich dich:
Mich scherte der Mißton nicht, den man deinem Namen gibt,
und reih ich schüchtern zu deinen Zeugen mich,
dann nur andern Orts, bei den gekreuzten Füßen,
nur wegen der kalten Nägel und die sich sündig wissen,
der hingesunkenen Frauen, die mit so viel Salböl büßen,
so viel Küssen, Öl des Wahns und Hungerküssen!
Du fielst, du betetest, gleich mir, wie eine jede
Seele, die Hunger und Durst über die Wege jagen,
schön, wenn ihr Hoffen am Kreuze münde!
Gerechtes, wahres Kreuz, Kreuz, wo solch wirre Rede,
solche Grimassen der Kunst ihren Irrsinn beklagen.
Und? Nichts weiter, sterben halt, wir Menschen der Sünde.
Paul Verlaine, Le faune
Un vieux faune de terre cuite
Rit au centre des boulingrins,
Présageant sans doute une suite
Mauvaise à ces instants sereins
Qui m’ont conduit et t’ont conduite,
- Mélancoliques pèlerins, -
Jusqu’à cette heure dont la fuite
Tournoie au son des tambourins.
Der Faun
Ein alter Faun aus gebranntem Ton
lacht in grünen Rasens Mitten,
was kommt, er weiß es schon,
das Straucheln nach den stillen Schritten,
die mich, die dich geleitet,
Pilger der Melancholie,
bis diese Stunde, die uns entgleitet
in eine Narrenmelodie.
Ein letztes Lied
Die Stille kommt,
die Rosenbrust
der sanften Woge,
die dich unendlich hebt,
das Blütenblatt
verblaßter Küsse.
Die leise Freude kommt,
ein rosa Duft,
aus einem Wort geweht,
getreuen Mundes Hauch.
Kommt noch ein letztes Lied,
ein Flöckchen
blauer Luft,
das sich verfängt
in deiner grauen Locke?
Paul Verlaine, L’ombre des arbres
L’ombre des arbres dans la rivière embrumée
Meurt comme de la fumée,
Tandis qu’en l’air, parmi les ramures réelles,
Se plaignent les tourterelles.
Combien, ô voyageur, ce paysage blême
Te mira blême toi-même,
Et que tristes pleuraient dans les hautes feuillées
Tes espérances noyées !
Der Schatten der Bäume
Schatten der Bäume, in Flusses Dunstrauch
stirbt er wie Lufthauch.
Windgewiegt, in wirklichen Lauben
klagen die Turteltauben.
Wie oft hat dieser Felder Blassen
dir ein blasses Antlitz gelassen,
wie ging traurig dein Hoffen auf laubichten Wegen,
weinend im Regen!
Hymnen, Rosen
Locken,
Büschel,
vom Luftgeist geschüttelt.
Worte,
Blüten,
auf Gräber gestreut.
Rufe,
Tropfen,
Krumen benetzend.
Blicke,
Funken,
Blicke entzündend.
Küsse,
Falter,
ins Feuer gestürzt.
Hände,
Vögel,
ans Ufer geflattert.
Seelen,
Muscheln,
ums Dunkel gewunden.
Liebe,
Äpfel,
unter Veilchen gerollt.
Hymnen,
Rosen,
ins Schweigen geblüht.
Philippe Jaccottet, Champ d’octobre
La parfaite douceur est figurée au loin à la limite entre les montagnes et l’air :
distance, longue étincelle qui déchire, qui affine
Tout un jour les humbles voix
d’invisibles oiseaux
l’heure frappée dans l’herbe sur une feuille d’or
le ciel à mesure plus grand
Les chèvres dans l’herbage sont une libation de lait
Où est l’œil de la terre nul ne le sait
mais je connais les ombres qu’elle apaise
Dispersées, on voit mieux l’étendue de l’avenir
La terre tout entière visible
mesurable
pleine de temps
suspendue à une plume qui monte de plus en plus lumineuse
Pommes éparses
sur l’aire du pommier
Vite!
Que la peau s’empourpre
avant l’hiver!
Dans l’étendue
plus rien que des montagnes miroitante
Plus rien que d’ardents regards qui se croisent
Merles et ramiers
Feld im Oktober
Von vollkommener Sanftheit ist die Gestalt,
die an der Grenze von Gebirge und Luft erscheint:
Ferne, länglicher Funke, der zerreißt und läutert
Den ganzen Tag die demütigen Stimmen
der unsichtbaren Vögel
die Stunde, der im Gras aufs Goldblatt geklopft wird,
und schon weitet sich der Himmel
Die Ziegen auf der Weide: ein Trankopfer der Milch
Wo ist das Auge der Erde, keiner weiß es
ich aber kenne die Schatten, die sie besänftigt
in der Zerstreuung, man sieht genauer, wie die Zukunft sich dehnt
Ganz ist sichtbar die Erde
meßbar
angefüllt mit Zeit
aufgehängt an einer Feder, die mehr und mehr ins Licht steigt
Äpfel verstreut
auf dem Boden unter dem Apfelbaum
Rasch!
Auf daß die Haut purpurn werde
vor dem Winter!
In der Ferne
weiter nichts als die Spiegel der Berge
Weiter nichts als glühende Blicke, die sich schneiden
Amseln und Ringeltauben
Eifelfeld
Wind pflügt das Blattwerk,
sät Licht in die Schneisen –
es blüht in den Frühnebeln auf.
Eine Ziege steht reglos,
kauend in den Disteln,
auf lehmigen Stufen
steigt ihr Meckern
in die offenen Kammern
des grünen Himmels.
Zwischen Dorf und Dorf
ging ich an Großvaters Hand,
Dorf, wo er herkam,
Dorf, wo er nie ankam,
Heimrufe der Glocken
zwischen zwei Kirchen.
Er begann zu fallen,
als das Kissen neben ihm
zu Kalkstein gerann.
Fiel aus dem Kirschbaumschatten.
Von der Stufe der Kirche.
Lag betrunken auf der Schwelle,
einsilbig vorm prasselnden Herd.
Doch kam Sommer noch vorbei,
wenn ich Flieder brachte
oder Mutter Holunder.
Winter kam mit frostiger Hand,
mit der ich über seine Wangen rieb.
Er hätte gern in die Glut geschaut
der Feuer oben auf dem Eifelfeld,
in dem Kartoffeln schmorten, Kastanien.
Die Eifel wurde mythisches Land,
wo das Jesuskind im Dickicht Beeren pflückt,
Maria Akelei sammelt in ihr Gewand,
Windröschen und Rosmarin.
Während dort eine Autobahn gebaut wurde,
die Bauern mit Kunstdünger wucherten
und der Wildwechsel blutig ausging.
Er hätte dort sterben sollen,
neben der singenden Glut,
in seiner blauen Joppe und dem Filzhut.
Doch starb er klinisch abgeschirmt
vor Schmeißfliegen und dem Geruch von Aas,
der scharf aus dem Tannenwäldchen drang.
Ich hätte ihn dort füttern sollen
mit der Linsensuppe aus dem Napf,
mit dem Tau des Abends ihm netzen
die aufgesprungenen Lippen.
In die Dämmerung gesprochen
Eine Häherfeder liegt im Gras
mit einem müden Plustern
schwarzen Blaus.
Bis auch über sie ihr Brackwasser
Dämmerung ergießt.
Wie lang es braucht,
wenn der Lampe scheuer Schein erlosch,
bis im dunklen Raum erwachen
die Gespenster der Möbel.
An den Schirm schlägt,
hat Lichtes Blüte sich geschlossen,
in dumpfem Trommeln der Falter
den grauen Staub der Flügel.
Du aber geh und grab der Erde
einen neuen Mund,
ob er mit Tau sich fülle
und einmal noch uns sage
vom Glanz des hohen Sterns.
Eisblumen
Das Fenster rahmt die Gegenwart,
die uns sichtbar wird,
ohne bloßes Bild zu sein.
Das Glas mag trübe sein,
und es liegt an uns,
es transparent zu waschen.
So sind Annalen, efeuumrankte
Fenster zur Vergangenheit,
doch dem Grabesbild verwandt.
Wenn wir solche Fenster putzen,
mähen wir das zarte Gras der Schrift,
und wir sehen fremd uns auf dem Glas.
So ist es mit den Liebesbriefen,
die Winter auf das Fenster schreibt,
sie schmelzen unter unserm warmen Hauch.
Uns rinnt ein zartes Glück herab,
das unter Küssen selten blüht,
in den kalten Blumen auf dem Glas.
Ornamentale Variationen
Rispe an Rispe gedrängt,
Blüte an Blüte geschmiegt,
sind was uns umfängt
Lichtgebilde unbesiegt.
Sind es wilde Ranken
blauer Nachtgedanken,
sind es süße Nesseln,
die uns ewig fesseln?
Muschel in Muschel geweint,
Schaum von Schaum beglänzt,
sind wir noch gemeint,
wenn die Tage Gold ergänzt?
Sind es ertrunkne Glocken,
die ans Meer uns locken,
ist es der Brandung Licht,
das vom Salz der Erde spricht?
Hand in Hand verschränkt,
Herz an Herz gelehnt,
hat Sonne uns gelenkt –
wie Abend unsre Schatten dehnt.
Etwas kehrt heim
Etwas kehrt heim,
wenn das runde Auge
des Maares träumt von
blauer Fayence –
der Mund der Blüte
schweigt, geschlossen
über der Drangsal
flüchtigen Dufts –
die verhornte Hand
sinkt in Schlafes,
in nächtlicher Mulde
frauliche Hand –
wenn blind vom Schnee
sich am Ofen wärmt
der lang gewanderte
einsame Mann.
Rainer Maria Rilke, Solitude
Exercises et Évidences
De tendresses pleines, les mains,
et nul qui ferait la vendange!
Faut-il crier aux anges?
Hélas! Notre trop-plein
devant eux devient indigence.
Notre appel qui s’élance
n’est qu’un bruyant voisin
de l’indifférence.
Einsamkeit
Hände, die sich zärtlich umfangen,
und keine mag die Trauben pflücken!
Sollen wir damit die Engel beglücken?
Doch weh, all unser Prangen
ist vor ihnen aus Flicken gewebt.
Und wenn sich unser Anruf erhebt,
ist er bald wie ein Lärm vergangen,
der nichts mehr belebt.
Die schlichte Schale
Einer flachen irdenen Schale
feuchtes Auge,
das ins Wolkenlose blickt,
Dichtern tauge,
die ein reines Bild entzückt.
Ist es nur des Mondes fahle
Einsamkeit,
die an dunklen Wassern steht,
ist es Zeit,
daß ein Mund mit Flammen fleht.
Eines stillen fernen Teiches
Dunkelheit,
wo leicht die weiße Wolke schwimmt,
Herz sieht weit
in Nächten, wo ein Herz noch glimmt.
Ist es nur ein laues weiches
Wehn der Lüfte,
das an Schlafes grauer Locke neckt,
Sommerdüfte
sagenʼs, Liebe hat geweckt.
Rainer Maria Rilke, Hiver
Exercises et Évidences
J’aime les hivers d’autrefois qui n’étaient point encore sportifs.
On les craignait un peu, tant ils étaient durs et vifs;
on les affrontait avec un brin de courage,
pour rentrer chez soi, blanc, étincelant, roi-mage.
Et le feu, ce grand feu qui nous consolait d’eux,
était un feu fort et vivant, un vrai feu.
On écrivait mal, on avait les doigts tout raides,
mais quelle joie de rêver et d’entretenir ce qui aide
aux souvenirs qui s’en vont, de tarder un peu…
Ils venaient si près, on les voyait mieux
qu’en été…, on leur proposait des couleurs.
Tout était peinture à l’intérieur,
tandis que dehors tout se faisait estampe.
Et les arbres, qui travaillaient chez eux, à la lampe…
Winter
Ich liebe die Winter von ehedem, die noch nicht sportlich waren.
Man fürchtete sie ein wenig, so hart waren sie, von ungestümem Gebaren;
mit ein wenig Mut ging man nicht gleich vor ihnen ins Knie,
und kehrte wieder bei sich ein, rein, strahlend, ein König der Magie.
Und das Feuer, das große Feuer, das sie uns machte so teuer,
war ein Feuer, stark und lebendig, ein wahres Feuer.
Man konnte nicht gut schreiben, die Finger waren so klamm,
doch welche Freude, zu träumen und alles zu tun, was Erinnerungen am
Entfliehen hindert, auf daß sie ein wenig später gehen …
Sie kamen so nah, man konnte sie besser sehen
als im Sommer … man brachte ihnen Farben herbei.
Alles im Innern war Malerei,
wogegen draußen sah man alles in Schwarz-weiß-Ansicht.
Und die Bäume, sie taten ihre Arbeit bei ihnen, im Lampenlicht …
Ins Blaue singen
Du singst dich heimlich fort ins Blau
der dünnen sanften wesenlosen Luft –
unter dir die Wolken toter Götter,
zwischen ihnen toter Sterne Licht.
Nichts hält dich in der blauen Leere
als deiner Stimme zarte Feder–
sie trudelt zitternd vor sich hin
im Atem, der dein Lebensatem ist.
Du fällst nicht, wo kein Abgrund gähnt,
steigst nicht, wo kein Gipfel strahlt –
und zögerst du vor so viel Ferne,
verschweigt dich schon das Dunkelblau.
Ariadne
Was hob dich denn empor
über den Schaum der Verlorenheit?
Es war von Salzkristallen glitzernd
der schwarze Flügel des Winds.
Welche Seufzer schöpftest du
mit der weißen Muschel des Schlafs?
Es war deines bangen Herzens
Widerhall im dürren Schilf.
Dort auf dem Sand, war es Tau
von Trauben, deinem Schoß geweint?
Es war eigner Tränen irrer Glanz,
der deine Augen blendete.
Sprach die Blume deines Munds
nicht vom Duft des Weins?
Es war, den dein Schmerz gekeltert,
der Wermut der Verlassenheit.
Rainer Maria Rilke, À la Lune
Exercises et Évidences
Lune, svelte personne,
qui est celui qui te donne
chaque mois un enfant?
Et qui te rend sans cesse
occupée de ta grossesse
presque terrestrement?
Tu attires le sang
de nos vierges pubères.
Mais de quoi es-tu mère
douze fois par an?
Élèverions-nous en nous
ta légère progéniture?
J’ai trouvé en moi un doux
berceau orné de dorures,
qui me paraît de ton goût.
An den Mond
Mond von so zartem Ornat,
wer schenkt dir Monat
für Monat ein Kind?
Und wer läßt dein Mieder
schwellen immer wieder,
als wärst du ganz irdisch gesinnt?
Du machst das Blut aufwallen
in unserer Mädchenschar.
Doch durch was findet zwölf Mal im Jahr
Mutter zu werden dein Gefallen?
Fänden wir in uns die Stiege
zu deiner leichten Nachkommenschaft?
Ich fand in mir die süße Wiege,
behängt mit goldenem Taft,
daß ihr dein feiner Sinn erliege.
Ins Zwielicht gefragt
Schwebt noch
ein Rosenwort
auf den Schlieren
fauligen Schaums?
Oder grinst
obszön im Neonlicht
eine Blase
wesenloser Luft?
Spiegelt sich
im Augenwasser
dir nicht die auf-
knospende Frucht?
Oder trügt
der Widerschein
des roten
stygischen Monds?
Κύρνε, σοφιζομένῳ μὲν ἐμοὶ σφρηγὶς ἐπικείσθω
τοῖσδ᾽ ἔπεσιν, λήσει δ᾽ οὔποτε κλεπτόμενα,
οὐδέ τις ἀλλάξει κάκιον τοὐσθλοῦ παρεόντος,
ὧδε δὲ πᾶς τις ἐρεῖ: ‘Θεύγνιδός ἐστιν ἔπη
τοῦ Μεγαρέως πάντας δὲ κατ᾽ ἀνθρώπους ὀνομαστοῦ,’
ἀστοῖσιν δ᾽ οὔπω πᾶσιν ἁδεῖν δύναμαι:
οὐδὲν θαυμαστόν, Πολυπαΐδη: οὐδὲ γὰρ ὁ Ζεὺς
οὔθ᾽ ὕων πάντεσσ᾽ ἁνδάνει οὔτ᾽ ἀνέχων.
σοὶ δ᾽ ἐγὼ εὖ φρονέων ὑποθήσομαι, οἷά περ αὐτός,
Κύρν᾽, ἀπὸ τῶν ἀγαθῶν παῖς ἔτ᾽ ἐὼν ἔμαθον.
πέπνυσο, μηδ᾽ αἰσχροῖσιν ἐπ᾽ ἔργμασι μηδ᾽ ἀδίκοισιν
τιμὰς μηδ᾽ ἀρετὰς ἕλκεο μηδ᾽ ἄφενος.
ταῦτα μὲν οὕτως ἴσθι: κακοῖσι δὲ μὴ προσομίλει
ἀνδράσιν, ἀλλ᾽ αἰεὶ τῶν ἀγαθῶν ἔχεο:
καὶ παρὰ τοῖσιν πῖνε καὶ ἔσθιε, καὶ μετὰ τοῖσιν
ἵζε καὶ ἅνδανε τοῖς, ὧν μεγάλη δύναμις.
ἐσθλῶν μὲν γὰρ ἄπ᾽ ἐσθλὰ μαθήσεαι: ἢν δὲ κακοῖσιν
συμμίσγῃς, ἀπολεῖς καὶ τὸν ἐόντα νόον.
ταῦτα μαθὼν ἀγαθοῖσιν ὁμίλεε, καὶ ποτε φήσεις
εὖ συμβουλεύειν τοῖσι φίλοισιν ἐμέ.
„Kyrnos“ prange, klug von mir ersonnen, auf diesen
Blättern als Siegel, gewahrt auch im Diebesversteck,
dann vertauscht gegen Schlechtes keiner, was Gutes hier drinsteht,
Jeder spricht dann so: „Dies ist des Theognis Wort,
der von Megara stammt“, doch auch von allen Menschen gerühmt kann
doch ich Süßholz nicht raspeln jedem Patron.
Das soll, Polypasʼ Kind, keinen wundern, machtʼs doch selbst Zeus nicht
allen recht, er zeigt sich mal regnerisch mal wolkenlos.
Aber dir wohlgesinnt, breite ich aus, was ich selbst von den Edlen,
Kyrnos, habe gelernt, Knabe, der ich noch war.
Bleibe bei Sinnen, nicht durch schändliche Taten und Unrecht
reiße an dich ein Amt, weder Orden noch Gold.
Dieses präge dir ein! Mit Unedlen pflege keinerlei Umgang
unter den Männern, sei immer den Edlen nah!
Halte mit diesen Umtrunk und Mahl, und bei diesen
laß dich nieder; die hoch ragen im Wert, die erfreu.
Edles erlernst du bei Edlen nur, aber treibst du dich unter
Schlechten herum, büßt ein du den Rest an Vernunft.
Diese Lehre im Sinn finde die Nähe der Edlen, dann wirst du
einmal sagen, ich gab guten Rat meinem Freund.
Epiphanien IX
Sind es rote Blüten,
die lidlos äugen nach Schlaf?
Brennen Blätter
unter den Wahnzungen des Winds?
Glimmen Nachtigallenherzen
in den Büschen?
Bluten Dornen
nach den Gesängen der Nacht?
Wehe,
Aschemantel der Mutter,
verhülle.
Regnet,
mütterliche Tränen,
löscht aus.
Rainer Maria Rilke, Cimetière
Exercises et Évidences
Y en a-t-il d’arrière-goût de la vie dans ces
tombes? Et les abeilles, trouvent-elles dans
la bouche des fleurs un presque-mot qui se
tait? Ô fleurs, prisonnières de nos instincts
de bonheur, revenez-vous vers nous avec
nos morts dans les veines? Comment
échapper à notre emprise, fleurs? Comment
ne pas être nos fleurs? Est-ce de tous ses
pétales que la rose s’eloigne de nous? Veut-
elle être rose-seule, rien-que rose? Sommeil
de personne sous tant de paupières?
Friedhof
Gibt es einen Nachgeschmack des Lebens in diesen
Gräbern? Und die Bienen, finden sie im
Mund der Blumen ein Beinahe-Wort, das sich
verschweigt? O Blumen, Gefangene unserer Gier
nach Glück, kehrt ihr nach unserem Tod zu uns
zurück in unsere Venen? Wie wollt, Blumen,
ihr unserem Zugriff entrinnen? Wie
nicht unsere Blumen sein? Fliegt auf all ihren
Blütenblättern uns davon die Rose? Will
sie Rose sein allein, nichts als Rose? Niemandes
Schlaf unter so viel Lidern?
Odysseus
Hier, wo die salzige Zunge
des Winds den Sandstein leckt,
bis die Mulde groß genug ist
für das greise Haupt
des müde Gewanderten.
Das gebogene Ruder starrt
in einen Himmel,
blau wie das Auge
Nausikaas.
Im hellen Sirren
des Fliegenschwarms
ersticken die Rufe
der Ertrinkenden.
Mit seinem Stock
schreibt ein Schweinehirt
den Namen Ithaka
in den schwarzen Sand
des Traums.
Unkenntlich
für die Boten der Heimat
verwittert das Gesicht
unter dem Grabtuch der Nacht,
das keine Rosenfinger
mehr aufschlagen.
Epiphanien VIII
Forelle des Lichts,
die aus schwarzem Gewässer,
dem Gurgeln der Finsternis,
hochschnellt –
Dolden des Klangs,
mit denen die Nachtigall
das Hecheln unsres Todeslaufs
ignoriert –
Locke des Winds,
goldenes Vlies der Stille,
das im Drahtverhau der Angst
hängenblieb.
Rainer Maria Rilke, Gong
Exercises et Évidences
1
Bourdonnement épars, silence perverti,
tout ce qui fut autour, en mille bruits se change,
nous quitte et revient: rapprochement étrange
de la marée de l’infini.
Il faut fermer les yeux et renoncer à la bouche,
rester muet, aveugle, ébloui:
l’espace tout ébranlé, qui nous touche
ne veut de notre être que l’ouïe.
Qui suffirait? L’oreille peu profonde
déborde vite -, et ne penche-t-on
contre la sienne, pleine de tous les sons
la vaste conque de l’oreille du monde?
2
Comme si l’on était en train
de fondre des Dieux d’airain,
pour en bourdonnant se défont.
Et de tous ces Dieux qui s’en vont
en de flambant métaux,
s’élèvent d’ultimes sons
royaux!
3
(…Arbres d’airain, qui dans l’ouie font
mûrir les fruits ronds
de leur sonore saison…)
Gong
1
Wirres Schwirren, entstelltes Schweigen,
alles rings braust aus in tausend Stücken,
weicht von uns, kehrt wieder: fremdes Naherücken
in des Unendlichen Ebben und Steigen.
Augen schließen, Lippen schürzen,
stumm verharren, blind, betört:
Der Raum, der uns berührt, im Niederstürzen
will von uns nur das, was wir gehört.
Wer könnte genügen? Das Ohr, flach gewellt,
schwappt bald über – und hält man nicht
an die seine die von allen Tönen dicht,
die ungeheure Muschel des Ohrs der Welt?
2
Als schlüge hoch das Herz,
zu schmelzen der Götter Erz,
daß sie sich lösen in Dröhnen.
Und alle Götter, die im schönen
Glanz der Metalle verrinnen,
erheben sich in letzten Tönen
königlich von innen.
3
(… Bäume von Erz, wo zur Reife drängen
die runden Früchte an Hörens Hängen
von ihren Sommerklängen …)
Ritzen im Asphalt
Sentenzen und Aphorismen für Freunde der Butterblume
Sieben Milliarden, acht Milliarden, neun Milliarden – als würde man in den schleimigen Ausscheidungen unzähliger ineinander wimmelnder Raupen ersticken.
Es gibt die Edlen (oder immerhin solche, die es sein wollen) und die Gemeinen. Wer dies leugnet, erweist damit seine Zugehörigkeit zu letzterer Kategorie.
Die Gemeinen wollen die Edlen, die Hochgesinnten, die Großgesinnten auslöschen. Das ist der dämonische Sinn der Geschichte.
Die natürliche Einstellung des Pöbels ist der Verachtung der Größe.
Der Triebtäter verleumdet den Mönch als feige, heuchlerisch, impotent.
Der amusische Vergewaltiger sieht im hoch aufsingenden Genius einen Kastraten.
Das Abendland ist der Echoraum der altgriechischen Chöre.
Wie das Verbrechen wurzelt auch der Krieg in der menschlichen Natur.
Die Götter sind leuchtende Masken der Lebensmächte.
So auch Ares, der Menschen ergreift wie Sturmwind, wenn er die Bäume biegt.
Wenn Sturmwind peitscht, sind alle Blätter eins in demselben monotonen Rauschen.
Intellektuelle, die am Zeitgeist kleben wie der Vogel an der Leimrute – ihr Leben lang.
Sie hatte die ganze Welt bereist – und war immer noch derselben Meinung.
Erfahrung macht nicht klug, wenn sie durch das dünne Tuch eng gewebter Worte geseiht wird.
Wer von korrupten Mächten oder staatlichen Erziehungsorganen gedungen und alimentiert das Rednerpult betritt, lügt, auch, nein gerade, wenn er sich ganz authentisch gibt.
Die schreien zu müssen glauben, wenn sie etwas zu sagen haben, haben nichts zu sagen.
Unbesehene Toleranz ist eine Form der Selbstverachtung.
Wer nicht mit den Fröschen quakt, muß sich darein schicken, keinen Laichplatz zu ergattern.
Es grenzt an ein Wunder, wenn aus den Ritzen des Asphalts die Butterblume ihr goldenes Entzücken reckt.
Der Humus, aus dem die Wunderblume der Poesie sprießt, kann nicht industriell gefertigt werden.
Was mit hohem Tone angekündigt wird, riecht meist abgestanden gegenüber dem Wohlgeruch des Wahren, der aus den Falten des nebenher Gesagten, Gestammelten dringt.
Die Chorlyrik spricht alle Sinnschichten an: abgemessenes Schreiten und Tanzen, rhythmisches Künden und Singen und die fein gegliederte Verzweigung der Vorstellungen.
Nur wer schlecht zu handeln vermöchte, kann auch gut zu sein.
Die kleinen Gauner sind ehrlich in ihrer Gemeinheit; die großen Gauner und Politiker rauben und plündern im Namen der Gerechtigkeit, zerstören und töten im Namen der Menschlichkeit.
Auf dem Gipfel kann man nicht lange verweilen, man muß wieder hinab.
Ruheloses Fragen als Zeichen geistiger Verwirrung.
Geschwätz, das tödliche Virus, das die Vernunft befällt.
Der geniale Mann ist spirituell eine Frau.
Der Scharlatan ahmt ihn nach – durch Scheinschwangerschaft.
Nach Applaus buhlen, die nicht sind, was sie darstellen.
Sie sind leer, füllen sie nicht Spiegelbilder, sie sind blind, werden sie nicht angeschaut.
Das Licht, das sie vertreibt, ist nicht weniger dunkel und geheimnisvoll als die Nacht.
Schon eine verdorbene Frucht macht die Marmelade ungenießbar.
Um der Bloßstellung zu entgehen, halten sie zäh an ihrem Irrglauben und an ihrer Lebenslüge fest.
Im ersten Standlied der Antigone mischen sich Bewunderung und Schrecken vor der List und Kunstfertigkeit des Mannes, die auf Bändigung der wilden Natur aus sind, freilich oft genug um den Preis sittlicher Verrohung.
In den hohen Domen scheint das Göttliche erloschen wie die Flamme, die statt reinen Öls wässrig-laue Lymphe nährt; wir müssen wieder klein anfangen, im Unbehausten, bei den Ritzen im Asphalt, bei der Butterblume.
Wort, nicht angefressen vom Wurm.
Geste, nicht beschattet von Tod und Vergeblichkeit.
Gesicht der Liebe, unentstellt von den Blattern der Lüsternheit.
Das Schicksal der Modernen ist nicht tragisch – gehen sie doch sehenden Auges auf den Abgrund zu.
Er mimte Passion – in einer Wolke von süßlichem Aftershave.
Die Chöre des Dionysos sind nicht widerlegbar.
Kein Senkblei der Aufklärung gelangt auf den Grund des Brunnens der Inspiration.
Wo wir entsetzliche Leere empfinden, wohnt das Göttliche.
Die größte Niedertracht hüllt sich in das schöne Gewand der Menschlichkeit.
Sie leugnen die großen Tatsachen der Natur, Geschlecht, Abstammung, Erblühen und Altern, Charakter und Genie – das letzte Aufgebot bodenloser Selbstüberhöhung.
Eine schmerzliche Wahrheit über den Menschen birgt der Umstand, daß er nur in rituell, habituell und hierarchisch abgedichteten sozialen Räumen jene Zufriedenheit und jenes Lebensglück findet, die er mittels der ungebremsten Jagd durch die schmalen Gänge der homogenen Menschenmasse verfehlt.
So ist auch der strenger Zensur ausgesetzte Dichter gehalten, seine Imagination zu beflügeln und immer verstecktere, geheimnisvoller Wege zu gehen, auf denen er der Wahrheit der Seele andeutend, enigmatisch umschreibend, auf krummen Wegen divagierend bedeutend näher kommt, als wenn er sie auf dem Markt des freien Austauschs in hübsch dekorierten Stücken auf das Gefällige, Gesellige oder auch modisch Anstößige eingestampft mundgerecht feilbietet.
Wer um sein Leben schreibt, findet das Sesam öffne dich für die Tür des Wunderbaren eher als der Tagesmensch, dem sich die Worte häufen wie dem Obsthändler die Kisten mit Äpfeln und Bananen.
Die Industrialisierung des Volkstums zur Folklore durch Tourismus und Schlagermusik führte zur Entstellung oder Ausrottung der urtümlichen seelischen Realitäten, die sich in Volkslied, Volkstanz und Volksstück kundtaten.
Die alten Lieder und Weisen flüchteten als Wandersburschen und Vaganten, als Engel und Feen verkleidet in das Kunstlied der Schubert, Schumann, Brahms und Wolf; sie konnten nicht mehr in die Täler und Dörfer, an die Brunnen und Tore zurückkehren, denn diese waren zerstört oder verwaist und ihre alten und runzligen Schwestern närrisch geworden oder verstummt.
Was sie an der sexuellen Freizügigkeit feiern, ist ihre eigene Lüsternheit.
Sie sind ein Nichts, das nichts in sich vorfindet – und beten Rosenkränze großer Namen herunter.
Die Szenen des vulgären Geschmacks zittern in uns nach, wie Nachbilder greller Augenblicke.
Ihnen fehlt die wesentliche Not zur Einsicht ins Wesentliche.
Sie kauen Schatten, im Wahn, nicht Schatten zu werden.
Ruhe findet, wer das Geschrei des Marktes flieht.
Aber wo ist der Garten, in den der Lärm ihrer Maschinen nicht dringt?
Wahre Elternliebe entzöge das Kind dem Gesinnungsterror der Schule.
Die Pädagogik des Laisser-aller und des hemmungslosen Auslebens der angeblichen Persönlichkeit ist die letzte Form der Entwürdigung des Kindes.
Die Größe des Christentums erweist sein Bild vom Paradies: mitzusingen im Chor der Engel.
Was sich der freigelassene Sklave der Zivilisation von der Zukunft erhofft, sind Völlerei, Unzucht und Orgien der Gewalt.
Der Schreiber für den Jargon der Zeit sieht wie der Hurer in der Frau im Wort nur ein Gefäß, das er mit dem Geifer seines Selbstgefühls befüllt.
Das Wort ist aber wie die Blume, die freilich Wassers bedarf, doch von selber blüht.
Oder sich nicht zu blühen bequemt.
Sie wetzen das Wort, um in seinen Funken geistreich zu schimmern – dabei hat es sie längst in einer Staubwolke verdunkelt.
Wer auf das Urteil der Menge setzt, hat das Vertrauen auf sein eigenes Urteilsvermögen verloren.
Wenn der wahre Satz morgen noch besteht, muß die Idee der Entwicklung falsch sein.
Und wäre alles abgeholzt, geht er doch immer tiefer in den Wald der Seele.
Letzter Grad der Selbstüberwindung: vom Wunsche lassen, mit der seltenen Blume aus der Einsamkeit zurückzukehren, zum Beweis, man sein im Wunderwald gewesen.
Aufbrechen, um nicht zurückzukehren.
Allein zuletzt unter den Gestirnen der Nacht – im Schweigen Gottes.
Aus jener Quelle im tiefsten Dämmer des Waldes kann man nicht trinken – jedoch von fern, denn immer bleibt sie fern, ihr lauschen.
Epiphanien VII
Duft der Sommernacht,
der uns zum Moose beugt.
Und liegen wir, in der Hand
den letzten Brief, zerknüllt –
zittert auf dem Rosenblatt,
das uns den Mund verschließt,
die Schrift im Silberlicht
des Sichelmonds.
Schnee, der unter die Tür
des Schlafs uns stäubt.
Und liegen wir, in der Hand
das Amulett, verblaßt –
weckt uns unterm Lilienblatt,
das unser Herz versteckt,
ein Zwitschern aus dem Wald
der alten Nacht.
Epiphanien VI
Ein Lichtfleck,
niemandem äugend,
eine dünne Lache Blau,
doch still,
wie still.
Die graue Linie
zwischen Wegen
und Wolken,
Falte in der Stirn
von Lehm und Dunst.
Überrauscht von Gras
die hellen Trümmer
der Sinngestalt
undeutbaren Traums,
doch wahr im Mondlicht
der Birken.
Ein Tschilpen
unter der Asche
so vieler Sommer,
doch süß,
wie süß.
Epiphanien V
Ganz die weiße Dienerin,
die vor dem Weihbild kniet,
ist sie die schattenlose,
hat die Kerze vollen Sinn.
Sie hält sich nicht zurück,
Gebeten schmilzt sie hin,
sie löscht sich glühend aus,
Sterben ist ihr Daseinsglück.
Küßt noch der Schwester Docht
ihr keuscher Flammenmund,
ist sie dem Rosenherzen gleich,
das in Herzen weiterpocht.
Danke sagt ihr letzter Hauch,
wie ausgesungene Seele –
die im Abschied Stille fand,
blaut als zarter Geisterrauch.
Homerischer Hymnus „An Dionysos“
Fragment
Εἲς Διώνυσον
… οἳ μὲν γὰρ Δρακάνῳ σ᾽, οἳ δ᾽ Ἰκάρῳ ἠνεμοέσσῃ
φάσ᾽, οἳ δ᾽ ἐν Νάξῳ, δῖον γένος, εἰραφιῶτα,
οἳ δέ σ᾽ ἐπ᾽ Ἀλφειῷ ποταμῷ βαθυδινήεντι
κυσαμένην Σεμέλην τεκέειν Διὶ τερπικεραύνῳ:
ἄλλοι δ᾽ ἐν Θήβῃσιν, ἄναξ, σε λέγουσι γενέσθαι,
ψευδόμενοι: σὲ δ᾽ ἔτικτε πατὴρ ἀνδρῶν τε θεῶν τε
πολλὸν ἀπ᾽ ἀνθρώπων, κρύπτων λευκώλενον Ἥρην.
ἔστι δέ τις Νύση, ὕπατον ὄρος, ἀνθέον ὕλῃ,
τηλοῦ Φοινίκης, σχεδὸν Αἰγύπτοιο ῥοάων.
… καί οἱ ἀναστήσουσιν ἀγάλματα πόλλ᾽ ἐνὶ νηοῖς.
ὣς δὲ τὰ μὲν τρία, σοὶ πάντως τριετηρίσιν αἰεὶ
ἄνθρωποι ῥέξουσι τεληέσσας ἑκατόμβας.
ἦ καὶ κυανέῃσιν ἐπ᾽ ὀφρύσι νεῦσε Κρονίων:
ἀμβρόσιαι δ᾽ ἄρα χαῖται ἐπερρώσαντο ἄνακτος
κρατὸς ἀπ᾽ ἀθανάτοιο: μέγαν δ᾽ ἐλέλιξεν Ὄλυμπον.
ὣς εἰπὼν ἐπένευσε καρήατι μητίετα Ζεύς.
ἵληθ᾽, εἰραφιῶτα, γυναιμανές: οἱ δέ σ᾽ ἀοιδοὶ
ᾁδομεν ἀρχόμενοι λήγοντές τ᾽: οὐδέ πῃ ἔστι
σεῖ᾽ ἐπιληθομένῳ ἱερῆς μεμνῆσθαι ἀοιδῆς.
καὶ σὺ μὲν οὕτω χαῖρε, Διώνυσ᾽ εἰραφιῶτα,
σὺν μητρὶ Σεμέλῃ, ἥν περ καλέουσι Θυώνην.
An Dionysos
… die einen sagen, von Drakanum stammest du, von Ikarus,
der windigen, andere, einige von Naxos, göttlicher Sproß
aus der Naht des Zeus, einige bei des Alpheus tiefen Wirbeln
habe die schwangere Semele dich dem Zeus, dem blitzefrohen, geboren.
Wieder welche, du seist, Herr, in Theben geboren,
die lügen: dich brachte zur Welt der Vater der Menschen und Götter,
fern von Sterblichen, verborgen vor der weißarmigen Hera.
Da ist ein Nysa, ein hohes Gebirge, üppig bewaldet,
weitab in Phönikien, nahe bei Ägyptens Strömen.
„… und sie werden aufrichten viele Bildnisse in den Tempeln,
und da jene drei sind, werden die Menschen alle drei Jahre
dir stets makellose Hekatomben opfern.“
Sprach und hob die schwarzen Augenbrauen der Kronossohn:
die ambrosischen Locken aber wallten um des Herrschers
unsterbliches Haupt: tief ließ erzittern er den Olympos.
So sprechend nickte Ja der tiefsinnende Zeus.
Sei uns gnädig, aus der Naht geborener, der Frauen Rausch:
Wir Sänger singen dir auf, wenn wir beginnen, wenn wir enden:
Keinem der dein vergißt gebührt es, je heiligem Lied sich zu widmen.
So lebe denn wohl, Dionysos, aus der Naht geborener,
mit deiner Mutter Semele, die sie Thyone auch nennen.
Der Charme der Vorstädte
Meckert wo ein Lamm
aus dem Plastikmüll?
Nein, in Hinterhofes
süßem Stinken: alles still.
Graue Bärte in grünen
Säcken hocken am Feuer,
rauchen Frauenhaar,
Blut schwitzt ein Gemäuer.
In der Einbauküche
klopft die alte Zigeunerin
Nägel in den Teppich,
Träne trieft vom Kinn.
Schatten toter Kinder
flitzen durch die Flure.
Aus den Fernsehschirmen
schwappt die Endzeitmure.
Auf den Treppenstufen
kichern drei runzlige Mädchen.
Summend beißt ein Schneider sich
durch das Lebensfädchen.
Nackenkahle Kreaturen
lassen die Motoren heulen.
Phosphorrosen brechen
aus den Asphaltfäulen.
Keine Glocken, keine Teiche,
nur der Dunst der Fliegen,
ohne Anmut, ohne Lieder,
Hippokrenes Mund entstiegen.
Gummireifen schwelen,
Wolkenbeulen rot wie Wunden,
Schüsse knallen aus den Fenstern,
Ares, komm mit deinen Hunden!
Epiphanien IV
Vielleicht reißt es dich rückwärts,
wie Achilleus, den grad am Blondschopf
packte die eulenäugige Göttin,
wenn dein Abgrund lockend glänzt.
Vielleicht ist es die Brise,
die das Wasser des Sees kräuselt,
und es flackert die Fahne,
in der Winter dich eingerollt.
Wenn aber Schauer klatschen
und die Blätter schamlos singen,
birgt die Kapelle vor allen Zungen,
die dein Schweigen bezweifeln.
Am Abhang zitternder Veilchen
sind es die Klöppel der Blitze,
unter denen dein Herz
zu hellem Geläute erwacht.
Epiphanien III
Im angeregten Leben,
ob es durch Schatten irrt
von ausgerauschten Bäumen,
ob es an hohen Kandelabern
mit roten Plauder-Wangen schwelgt –
kommt Schicksal wie ein Hund,
ein herrenloser Streuner,
der um einen Knochen bettelt,
und der Hund führt es dankbar
schnaubend über Zaun und Graben –
es kommt wie Hyazinthenduft
durchs offne Fenster lauer Nacht
und bleibt als Sehnsucht in dem Zimmer,
alles Fühlen hinter seinem blauen Schleier
zu verbergen –
es kommt als Kitzel eines Strahls
des Wandelsterns und macht mit Niesen
die Füße zappeln, den Ort zu finden,
wo Wolkenfedern
am dunkelblauen Vorhang
wie loser Zierrat fallen –
es kommt im Faschingsschmuck
des kleinen Mädchens,
dem ein Schönheitsfleck
sein Gesicht als Album
vieler Blütenblätter schenkt,
und Seite um Seite läßt es
vom launischen Wind sich wenden,
und Blatt für Blatt
wie Lächelns Schimmer
läßt es daraus fallen,
hierhin dorthin, den Katzen,
Vögeln, Kindern und Geliebten,
bis es leer ist,
nur zwei weiße Lilienblüten
behälts für sich, die sanften Lider
für die große Nacht der Augen.
Epiphanien II
Auf dämmernden Flüssen
glänzte sein Lächeln.
Im Schreien der Stare
schwieg sichs ins Herz.
Aus gefrorenen Teichen
rief es wie Glocken.
Der Schweiß des Verirrten
war seine Nahrung.
Im Schwirren des Kreisels
vergaß sich sein Lied.
In liebendem Lallen
schmolz es vom Mund.
Im Blick des Passanten
war seine Botschaft.
Epiphanien I
In Sonnenflecken zittert es.
An Gräsern feuchten Riedes
scheint es hell wie Milch.
An späten Sommerpfaden
verschlungnen Sagens
häuft es sich wie Laub.
An Schattens blauen Rändern
sagt es sich dem Schnee.
Im Knirschen weißer Nächte
ist sein Kommen nah.
πολυώνυμε, Καδμείας νύμφας ἄγαλμα
καὶ Διὸς βαρυβρεμέτα
γένος, κλυτὰν ὃς ἀμφέπεις
Ἰταλίαν, μέδεις δὲ
παγκοίνοις, Ἐλευσινίας
Δῃοῦς ἐν κόλποις, Βακχεῦ Βακχᾶν
ὁ ματρόπολιν Θήβαν
ναιετῶν παρ᾽ ὑγρῶν Ἰ-
σμηνοῦ ῥείθρων ἀγρίου τ᾽
ἐπὶ σπορᾷ δράκοντος
σὲ δ᾽ ὑπὲρ διλόφου πέτρας στέροψ ὄπωπε
λιγνύς, ἔνθα Κωρύκιαι
στείχουσι νύμφαι Βακχίδες,
Κασταλίας τε νᾶμα.
καί σε Νυσαίων ὀρέων
κισσήρεις ὄχθαι χλωρά τ᾽ ἀ-
κτὰ πολυστάφυλος πέμπει,
ἀμβρότων ἐπέων εὐ-
αζόντων Θηβαΐας
ἐπισκοποῦντ᾽ ἀγυιάς:
τὰν ἐκ πᾶσαν τιμᾷς
ὑπερτάταν πόλεων
ματρὶ σὺν κεραυνίᾳ:
καὶ νῦν, ὡς βιαίας ἔχεται
πάνδαμος πόλις ἐπὶ νόσου,
μολεῖν καθαρσίῳ ποδὶ Παρνασίαν
ὑπὲρ κλιτὺν ἢ στονόεντα πορθμόν.
ἰὼ πῦρ πνειόντων
χοράγ᾽ ἄστρων, νυχίων
φθεγμάτων ἐπίσκοπε,
παῖ Διὸς γένεθλον, προφάνηθ᾽,
ὦναξ, σαῖς ἅμα περιπόλοις
Θυίαισιν, αἵ σε μαινόμεναι πάννυχοι
χορεύουσι τὸν ταμίαν Ἴακχον.
Vielnamiger, kadmeischer Braut Entzücken
und Same des Zeus, der dunklen Stimme der Wetter,
der du umgehst im berühmten
Italien, waltest aber
in der Allmende vor Demeters
eleusinischer Bucht, o Bacchos, der Bacchen
Mutterstadt bewohnst du,
Theben, bei des Ismenos
strömenden Wassern und dem Saatfeld
des wilden Drachen.
Dich erschauten auf felsigem Doppelrücken der Fackel
Rauch, wo bacchantisch schreiten einher
die korykischen Nymphen,
und der Kastalische Quell.
Dich schicken von Nysas Gebirge
Efeumatten und grüne
Ufer, die prangen mit Trauben,
wenn unter ambrosischen
Jubelrufen du Ausschau hältst
auf thebanischen Wegen.
Sie von allen ehrst du
als erhabenste der Städte,
mit ihr die Mutter, die empfing vom Blitz:
und jetzt, da die ganze Stadt
heimgesucht wird von schlimmer Seuche,
eile mit reinigendem Fuß
über die Höhe des Parnass
oder die seufzende Furt des Meeres.
Io, der feueratmenden
Sterne Chorege,
Hüter der Nachtgesänge,
Zeus entsprossenes Kind, nimm Gestalt an,
o Herrscher, unter deinem Gefolge,
den Bacchen, die rasend dir tanzen
die nächtlichen Reigen, Iakchos, dem Herrn.
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