Heimat, deine Zweige
Graue Wellen, dämmernd
und verdämmernd grau.
Winde öffnen Blüten
eines fremden Lichts.
Heimat, deine Zweige,
Wort, das dort gegrünt.
Aus der Leere Brausen,
keiner Stimme Nest.
Namen ohne Knospen,
Auge und Gesicht.
Kindheit, deine Gärten,
Herz der Nachtigall.
Wellen, graues Schluchzen,
Wellen, grauer Sang.
Schnee fällt auf die Herzen,
Schnee der Träume Staub.
Heimat, deine Rosen,
unter Düften Schlaf.
Schnee fällt auf die Lider,
Schnee verhüllt den Schmerz.
Namen, leere Bilder,
abgewetztes Blatt.
Kindheit, deine Bienen,
goldnen Honigs Lied.
Wellen ohne Ufer,
Spiegel ohne Frucht.
Heimat, deine Zweige,
Wort, das dort geglüht.
Vertane Glut
Locken, Blätter,
keck vom Wind gezupft,
Farn und Fächer,
regenübertupft,
blaue Sommernacht.
Schilfe tropfen
Milch auf Wassers Tuch,
Haar der Ähren,
herber Wohlgeruch,
ferner Kuckuck lacht.
Birken weinen
dunkles Harz vom Stamm,
Flocken fliegen,
Echse seufzt im Schlamm,
Mond steht überm Moor.
Knirschende Kristalle,
vertane Glut,
Hauch und Küsse,
Pfropfen Blut,
Mond schwebt fremd empor.
Wenn die Rosen sinken
Lichtes große Knospen winken,
Rosen deinem Frühlingsgang.
Wenn die Rosen aber sinken,
schwebet Tau des Abschieds bang.
Sommers lockt mit Truges Scheinen
Schmetterling die Orchidee.
Weiche Veilchen müssen weinen,
Kuß der Flocken tut so weh.
Winterlichtes schmales Gitter
starrt von Schatten zart umrankt.
Ferne Liebe macht nicht bitter,
wenn dein Lied sich ihr verdankt.
Natur und Kunst IX
Der Kitzel des Bizarren
betört die Öden,
der Kitsch des Schiefen
erigiert die Narren,
im Kult des Schnöden
fälschen Flache Tiefen.
Edlen Wortes Wein
glimmt in Laubenschatten,
hell ein Marmelstein
unter tausend matten.
Fäulnisreize brauchen
L’art-pour-l’art-Puristen,
in Kloaken tauchen
heuchelnd Moralisten,
es platzen Überspannte,
wenn Herzens Saiten reißen,
es zählt nur das Pikante,
wenn taube Mäuler beißen.
Sanften Wortes Lehre
tropft wie Tau von Moosen,
das Leichte ist das Schwere,
mild duften wilde Rosen.
Natur und Kunst VIII
Die unverständlich schreiben,
sind leidend und von Sinnen
oder müssen übertreiben,
weil Hohles sie umspinnen.
Das hohe Wort ist rein
wie heller Liebe Blick,
es schenkt am Veilchenrain
edlen Duftes Glück.
Bedauern wir die Kranken,
es stammeln ihre Wunden,
unter weicher Klänge Ranken
mögen sie gesunden.
Das Sonnenwort ist Strahl,
der sich im Wasser bricht.
Sichelmond so schmal,
Stille trinkt sein Licht.
Die Glanz aus Gruben schachten,
wo Molch und Schlange schleichen,
soll edler Sinn verachten,
sein Gold nicht Talmi bleichen.
Das schöne Wort ist schlicht,
Mund des Veilchens fein,
lieblich, was es spricht,
es macht dich nicht gemein.
Letzte Fahrt
Hohe Bläue,
Wimper hüllt,
Blüten flehen,
ungestillt.
Worte stechen
rätselhart
auf den Pfaden
letzter Fahrt.
Lachen Fenster
hell im Tal,
Sternen-Nägel
wissen Qual.
Dornen hat die
Dunkelheit,
Wundenkranz am
Pilgerkleid.
Atmen müssen
ohne Wald,
Brennholz ist
die Urgestalt.
Trockne Quelle
mir beschied
tränenloses
Abschiedslied.
Aus Tränen Trost
Wie leicht der frühe Flaum entschwebt,
kaum ist entwischt durchs Fenster
ein Sittich, gelb und blau.
Ist dein Liebling dir entflogen
den dein warmer Mund behaucht,
dein Finger zart geneckt,
soll umflattern dich mein Lied
und deine Wangen wärmen
leicht geweinte Tränen.
Im Birnbaum hängt ein Lampion,
wie entschlüpfter Liebe Larve,
erloschen, fahl und hohl.
Ist deines Sommers Garten auch
verwaist von süßem Summen,
Geflüster roter Blütenzungen,
soll dir in Winters Schattenhecken
wie nachtbetauter Flügel
glänzen meiner Tränen Lied.
Natur und Kunst VII
Was Kopfweh macht, ist keine Kunst.
Die mit Rätseln locken, mit Rätseln
kirren und verwirren schick,
sind innen faul, nicht süß und reif.
In steinigen Furchen zappelnd, mimen
sie Atemlosigkeit, als klömmen
sie auf steilen Pfaden, doch flach
sind ihre Rhythmen, ungefiedert.
Die mit Verses Stricken würgen,
sich an deinem Keuchen laben,
statt Reime Angeln legen zartem
Fuß, daß vor dem Ziel du strauchelst,
Unreine sind es, ohne Muse,
ihre Ironie grinst schadenfroh.
Das Glück graziös gelöster Knoten
als schales Happy-end zu schmähen,
bezeugt den Unflat stumpfer Seelen,
ruchlosen Ungeist, Verbrecher-Sinn.
Der Beschwörung angeschwollner Hals,
mit Blutwurst fett geölte Bilder
machen dreiste Lügen kenntlich.
Krüppel hassen das Naturgemäße,
der Anmut Gleiten, hohes Schreiten
an abendrötlich weich gewellten
Flüssen, Schwan des Worts, auf Wassern
blühend, zarte Gräse schüttert
Pfiff des Pan, hysterisch wiegeln
sie Staub zu falschen Wolken auf,
blind für Blattes feine Adern,
Sinn, der frei an Zweigen wächst,
im Geist des hohen Himmels grünt,
in Schicksalsstürmen zittert und
im Herbst des Lebens willig welkend
helle Schöne dunklem Sterben leiht.
Das echte Blatt zerreißen sie und
kleben die Fetzen auf das leere,
Wortes hohe Rose, entflammt
im Abend stummer Trauer, kaut
kalter Künstlichkeit Gebiß,
reiner Quelle Mund, die Kräuter
im zarten Moos mit Flüstern nährend,
verätzen sie mit roter Spucke
eines Schreis, doch schmerzt sie
nichts in aufgemalten Wunden.
Veilchens warme Röte hat Liebes-
kuß behaucht, aufgedunsne
Wangen haben Fieberflecken
oder falsches Rouge der Eitelkeit.
Wahre Schöne schlendert offnen
Haars durch milde Tropfen Lichts,
Abendstern ist Morgenstern,
Augenblick ist Ewigkeit.
Ihre Zirkuspuppe schleppen sie
am Schopf durch der Manege trampelndes
Gejohle. Nicht stillen Dankes Träne,
stieren Blicks ist Schänders Glück.
Der gute Hirt
Du bist die Wiese und der Duft,
der Morgentau,
das Abendrot.
Du bist der Heimat blaue Luft,
mein Herz ist grau,
mein Leben tot.
Du bist der Armen offner Schrein,
das Brot liegt da,
der Traube Trunk.
Du bist den Durstigen der Wein,
dein Kelch ist nah,
des Lichtes Prunk.
Du bist Verirrten hell ein Strahl,
ich lieg im Schlamm,
in Wahnes Harm.
Du kommst, ein guter Hirt, ins Tal,
du hebst das Lamm
auf deinen Arm.
Rufe überm Schnee
Riefest du nach mir,
bist duʼs, bist duʼs nicht?
Ist es einer Stimme
ferner Widerhall,
der im Traum verklingt?
Schien dein Auge mild,
ist im Finstern Licht?
Ist es einer Blüte
sanfter Widerschein,
der im Wasser schwingt?
Hauchte mir dein Mund,
hat der Winter Duft?
Ist es weicher Odem
alten Apfelhains,
der durch Flocken dringt?
Sandte mir dein Herz
Küsse blauer Luft?
Ist es frühen Waldes
zarte Nachtigall,
die im Dunkel singt?
Leise, säumend
Unter weißen Linnen
atmet es.
Himmels blaue Flagge
bläht der Wind.
Kleine Vögel tupfen
in den Schnee
spröden Lebens Spuren,
bald verweht.
Leise, säumend, langsam
sickert Tau,
zarte Wolken blühen
blaß am Rand.
Weide tunkt die Finger
in den Teich,
Wassers Seide faltet
noch kein Schwan.
Die Schönheit und der Schmerz
Hohe Rhythmen sind wie Blitze
in den Nächten, laß und schwül.
Daß sich laue Seele ritze,
Dornen hat der Rose Stiel.
Flocken fallen aus der Bläue
kalt und schauernd auf die Haut,
daß den Geist der Schmerz erfreue.
Schmerzkristalle Liebe taut.
Pollen sind des Liedes Reime,
Flamme seiner Blüte Kuß,
daß in Herzen Liebe keime.
Glut verzehret den Verdruß.
Samen bringen heiße Winde
aus der Wüste fahlem Sand,
daß Gesang die Würze finde,
die im Schnee des Schlafs gebrannt.
Schönes kommt aus Nadelstichen,
die das Ornament geblümt,
das auf Blättern unverblichen
Gottes große Taten rühmt.
Nachtstück
Wasser-Perlen klimpern
im Schrank,
Abflußrohre rülpsen.
Schwamm und Seife faseln
im Tran,
Stühle quietschen auf zwei Beinen.
Schnäbel stopfen Blätter
ins Bett,
Rosenknospen niesen.
Kükenballen zwitschern
im Schuh,
Buchstaben rieseln aus Büchern.
Löffel beklirrt das Messer
zum Tanz,
Diskant singt Porzellansopran.
Tapetenmuster bröseln
zu Brei,
am Wandbrett platzen Würste.
Schnee quatscht unterm Teppich,
im Flur
rocken Wolken: „We are sailing …“
Terzinen von der verlorenen Heimat
Schläfst hinter Wolken du im Abendrot,
Heimat, oder bin ich mit dir tot?
War es Pollensamt auf Tores Schwelle,
auf dem ein Licht der Heimat schlief?
Es waren Schimmer auf der Niemands-Welle.
Der Welle überm Grund, so grau und tief,
und Schimmer ohne Grund, wie Flecken Schweigen,
und Welle, die nach nichts als Wellen rief.
Die im Abendlicht sich dämmernd neigen,
es sind die Rosen nicht der frühen Zeit,
die bleichen Träume rinnen von den Zweigen.
Von Zweigen unter Himmeln, leer und weit,
und Träume ohne Glanz, wie hohles Leben,
und keine Rose unterm Schlaf verschneit.
Könnte dir nicht grünes Sinnen geben
die Laube, die im alten Garten stand,
und ihrer sanften Schatten mildes Beben?
Der Laube Dämmerlicht, es ward verbannt
von Teeres Grab, vom Asphalt ohne Keim,
kein Wort hat ihrer Asche Sinn genannt.
Wie kehrst du, Lied der Rose, jemals heim?
Dein Flügel veilchenweich
In Mondes totem Schein
kommst du hergeflogen
auf dem kalten Bogen,
läßt mich nicht allein.
Dein Flügel veilchenweich
koset blasse Wangen,
hebt ein zartes Bangen
weiße Blüte auf den Teich.
Sanfter Augen Wundertau
ist ins Herz gesunken,
Herz hat lang getrunken
tiefe Blicke, hohes Blau.
Hauchend hat dein Mund
Knospen aufgeschlossen,
heiße Tränen flossen
in den kühlen Grund.
Antike Siegel
Pindars ferner Hymnenschnee
unter schweigendem Azur,
homerisch überblaut
hohen Daseins Wogentanz –
Sapphos weicher Blumenkelch
in Schalen von Porphyr,
in grüner Nächte Hain
Liedes dunkler Wohlgeruch –
Honigglanz des Theokrit
in Waben süßen Wehs,
elegisch übertaut
Chrysantheme des Ovid –
Blaue Flugbahn des Horaz
im Wolkenflaum des Schwans,
prophetisch überglänzt
Abendrose des Vergil.
Totenmahl
Ein Rascheln und ein Rieseln,
sind es tote Blätter,
ein Flattern und ein Fiepen,
sind es Seelen-Vögel?
Ach, ich habe wohl geladen
meine guten Geister
und die unversöhnten
an meinen Tisch zur Nacht.
Sind denn nicht zu ärmlich
meine Opfergaben,
das Krüglein mit den Tränen,
die Krümel kleiner Lieder?
Rasch, ich reiß mir aus der Brust
den Dornkristall der Träume
und bette unter Veilchen
das Siegel hellen Bluts.
Ich höre Kichern, Klirren,
hummeldunkles Brummen,
ein dürres Geistlein lacht,
ein feister Schatten schlürft.
Sie waren mir noch eben hold,
der Tisch ist blank, der Morgen
glänzt aus einer Sonnen-Lache,
die schöne Vase brach entzwei.
Der Mensch und das Licht
Sieghaft ist das Lied des Lichts,
in seinen Strophen steigen Rosen,
ihre Tränen sind sein Reim.
Fleht aus Teichen Nacht und Mond
mit Händen blasser Lilien,
pocht es heißen Herzen Qual.
Sonne ist der Mutter Gott,
er sät in ihre dunklen Furchen,
hebt und stürzt die edle Frucht.
Menschen sind dem Tag versklavt,
sie nähren sich aus Lichtes Krumen,
ihre Tränen sind die Saat.
Nacht keimt aus die Seele wild,
auf Wahnes Wasser streut sie Blätter,
wächst aus dem Grab im Gras.
Rosen im Schnee
Wo finde ich die Rosen
im gehäuften Schnee,
mit Duft dich zu berücken?
So plück dir weiße Blüten,
die Flocken zarten Lieds
von meines Himmels Seide.
Wo finde ich die Farben
im verhärmten Feld,
dein Auge zu entzücken?
So küß den Perlmuttschimmer,
den Muschelschmelz,
worin dein Herz ich kleide.
Wo finde ich die Flammen
auf dem weißen Anger,
dir Traumes Mohn zu schicken?
So lasse Glanz des Taues
von meinen Versen rinnen
auf Schlummers Lämmerweide.
Hier unten
Hier unten hausen keine Schatten,
kein Fluß schwemmt Schlamm ins Schilf,
kein Fährmann singt auf schmalem Boot.
Ein Vogel ruft aus kahlen Ästen
umsonst nach wildem Widerklang,
die Schwester hört ihn nicht.
Hier unten blassen keine Blumen
an Ufern hohen Schilfs, die Nacht
der Seele hat nicht Stern nicht Duft.
Ein Flügel kehrt aus leeren Gängen
Schnipsel grauer Asche, Asche
sang den Threnos ohne Reim.
Hier unten lauschen keine Schatten
an Ufern weißen Sands, ob die Woge
Seufzer der Geliebten bringt.
Ein Hund bellt manchmal dunkel,
als wäre er verstoßen, sein Herr
weilt fern im hohen Licht.
Gang zur Nacht
Schmaler Pfad,
Sand und Löwenzahn,
über uns das Raunen,
Flehen aus den Bäumen.
Laß uns säumen,
Aug in Aug
den Tod verträumen.
Weicher Teich,
Schilf und schwankes Rohr,
unter uns das Schluchzen,
kleiner Wellen Winken.
Laß uns trinken,
Mund an Mund
zur Quelle sinken.
Hohes Tor,
rosenübertropft,
auf der Schwelle Moos,
ferne Fenster scheinen.
Laß uns weinen,
Herz und Herz
dem Dunkel einen.
Terzinen an der Bahre
Ich will Gras und Lilien binden,
die vom Tau der Nachtluft glänzen,
deinen fernen Traum umwinden.
Veilchen scheu ergänzen,
was ihre Seufzer tranken,
deine bleiche Stirn zu kränzen.
Schatten, die um Kerzen schwanken,
sollen deine Stille hüten,
um dein leeres Fenster ranken.
Die im Wein des Herbstes glühten,
Blätter streu ich auf das Linnen,
Rosen, die im Winter blühten.
Weint ein Lied von innen,
sollen meine leisen Tränen
um dein liebes Antlitz rinnen.
O schneie, Schnee von Schwänen!
Die Liebe und der Tod
Verwehen mögen Küsse
gleich dem Vogelruf –
daß warme Lippen welken,
ganz verlöscht ein Mund!
Mund, der Wolken sang
und Regen wachem Schlaf –
kahl ist alles Wohnen
und die Wände stumm.
Die Lider möge decken
stillen Schlummers Schnee –
daß weiche Augen brechen,
ihr blauer Himmel sinkt!
Auge, das mir offen
seine Blume gab –
verronnen sind die Tränen,
weichen Sinnes Tau.
Denk ich deiner Hände
Fieder-Flatter-Gruß –
worin soll ich pflanzen
abgerissnen Flaum?
War dein Haar das Nest
sommerblauer Düfte –
keine Biene summt
um Strähnen grauen Staubs.
Füße kleiner Bäche,
die durch Gräser rannen –
Wahn und Durst
sind mein Aschen-Pfad.
Herz, das meinem pochte
Lebens andre Hälfte –
wie kann mich halten
abgebrochner Zweig?
Die Feder meines Lieds
Leicht fällt grünen Wogen zu,
Vogels Traum genügt,
blaue Feder meines Lieds.
Sie streichelt Mundes Zagen,
schwebt noch eine Weile
um blassen Staunens Stirn.
Schon reißt ein dreister Wind
sie wirren Wimpern
blanker Weidenreiser zu.
Kecker Laune Abendsonne
hebt sie auf die rote Zunge,
schnalzt sie in die blaue Luft.
O trudel mir nicht aufgerauht
in Lachen beißenden Urins,
in Schund und Unrat lächerlich.
An Schlummers Gräsern haftet
laß der Flaum, mit gichtigem
Finger tastet nach ihm Mond.
O daß die weiche Feder morgen
einem feinen Kind das Herz
berücke. Pflück sie dir,
glätte sie mit warmen Lippen,
der Daunen wehe Lust empfinde,
steck sie in dein Sonnenhaar!
Traum, ein Leben
Einer Wolke Purpurrose
scheint ins Fenster
auf die kleine Wiege.
Rollt der Ball, die Murmel
ins Gras und Sandes Kuhle,
glänzt am Saum
das Lächeln einer Birke.
Das dunkle Grün der Tafel
beleben schaumig weißer
Linien Kräusel-Wogen,
Inseln zarter Chiffren.
Mit der Kerze flackerndem
Versprechen kniet ein Herz
im Hymnenduft.
Ein goldner Tropfen fällt
in Teiches Nacht
der erste Kuß.
Schwillt der Sonne Knospe,
schmiegt sich bangend
Blatt an Blatt
um Kelch und Schoß.
Die geschnitzte Puppe
wahrt des Holzes Muster
für die Wangen, Augen
für den Blick, Furchen
für die Tränenrinnen.
Dämmert um die Düne
rieselnder Seufzer
Meeresufer,
rauscht in Muschel-Herzen
dunkles Schilf.
Rinnt aus rotem Laube
Wein und Milch,
senkt auf blasse Lider
Tod den leichten Flaum.
Mondes weiße Lilie
scheint ins Fenster
auf die schmale Bahre.
Rinnen Tränen ineinander
Im warmen Hauch
vergeht der Kuß,
Abschied wird Glück,
Glück wird Abschied.
Rinnen Tränen
ineinander, keine
kennt die andre,
keine glänzt allein.
Wie Locken, Blicke
ringeln, kreuzen,
hauchen Worte
sich hell, sich blind.
Licht liebt Schatten,
Wasser Schaum,
Pollen Wind,
Namen Zwillingsklang.
Tau schenkt Blättern
Glanz und Traum,
Leid den Herzen
Veilchenduft.
Rankt Efeu sich
ums graue Mal,
Schrift und Sinn
dämmern hin.
Tod ist Leben,
blüht der Schnee,
Leben Tod, bleicht
Liebe blumenlos.
Scheuer Nestling
pickt dem Kinde
aus der Hand, einsam
schilpt die kahle Nacht.
Schmelzen Tränen
ineinander, keine
kennt sich wieder,
keine weint sich selbst.
Natur und Kunst VI
Vögel, ins Winterlicht
gespreizt, picken
Flockenlippen.
Wilder Blick, der Quelle
fern, stochert Rätsels
Dickicht auf.
Flügels Flaumgedanke,
Maßwerk hoher Luft,
tropft von Licht.
Leeren Blattes weißes
Lid hebt welken
Hauchs kein Mund.
Grauer Regen schreibt
auf Molches Schwanz
Sapphos Lied.
Dunkler Zeilen Sproß,
Traum entsinkt
schlaffer Hand.
Natur und Kunst V
Das Schnulzen-Fett laß weg,
wir wollen nackt
durch scharfe Reiser staken.
Und dieser Reimes-Quaste
Pudelzierde
wird schnipp-schnapp kupiert.
Wir wollen blanke Verse
locker wedeln
auf die warme Erde.
Das Haupthaar lasse wallen,
metrisch locker,
das Nasengras gerupft!
Doch wollen wirʼs mit Elfen-
bein frisieren,
nur kein Spray von REWE!
O Augen, dunkler Spiegel,
schmelzt, ihr Reime,
daß er feucht beschlage!
Und tanzt ein Zwillingsbusen
allegorisch,
hüpfen soll er, hüpfen!
Nur kein strenger Büsten-
halter, schmiegt
Blätter unter Knospen!
Der Nabel dieser Welt,
er äuge frei
und fülle sich mit Tau!
Der Knie helle Monde,
kreiset Bein an Bein,
bis die Distel sticht!
Heb den zarten Fuß
aus feuchtem Moos,
die Schritte zähle nicht!
Und bleibt das Füßchen
hängen im Gestrüpp,
kitzelʼs frei mit Küssen!
Hörst du deine Holde
schnaufen, laß sie
nur elegisch sich betten!
Sind es falsche Tränen,
laß unter Iamben blühen
ihre dicken Backen!
Doch ist es Tau
an echten Wimpern,
fülle ihn in Sapphos Kelch!
Schläfert sie der Duft
aus Rosendunkel,
hauche ihr das frühe Lied.
Natur und Kunst IV
Wie sich hinbiegt
Gras dem Wind,
wird Flaum der Knospe
weggepflückt,
Zweifels Stachel
aus dem Geist.
Die Wand war Schatten,
Rätsel Schaum,
wie Silben rinnen
Schmerzen hin,
schmelzender Kristall
am Glas des Wahns.
Wie todestrunken
neigt das Haupt
der Schwan, sein weißes
Bild zu trinken,
taucht das hohe Wort
das Herz ins All.
Natur und Kunst III
Der frühen Schöpfung Licht
tönt nach im Schwingen
ins Gewölk des Abends
gespannter Regensaiten.
Und rinnt es dämmernd auch
durch Röhren dunklen Leids,
es mündet hell im Schoß
des dichterischen Worts.
Des Schöpfungsmorgens Tau
glimmt nach an reiner Liebe
hingeneigten Wimpern,
in Veilchens scheuem Blick.
Und fällt er nächtens auch
auf weicher Wehmut Moos,
er sickert tiefer ins Geflecht
des seufzenden Gedichts.
Natur und Kunst II
Wie melodisch flutet
vom Wind gebauscht
der Birke heller Schal
ins grüne Licht.
Wie fließen wogenweich
um einer Göttin Hüfte
im Fries des Parthenon
die Wasser des Gewands.
Mozarts Klänge schwirren
bienenfroh aus dunklem
Hain, mit Glanz zu füllen
Schmerzens-Waben.
Schubert hebt das Herz
wie schwüler Sommernächte
helles Wetterleuchten
der Rose schweres Lid.
Trüben Wandrers Geist
zappelt im Wortgestrüpp,
ein goldner Fisch in Charons
grauen Netzen.
Dein Bild, traumumrankt
Bebend wie die Ranken
der Winde am Fenstergitter
sehnen um dein Bild sich
Blätter der Erinnerung.
Wie ein Flügel hellen Lichts
den Schlaf des Wassers streift,
rafft eine Muschelspange
die Schatten deines Haars.
Wie über Engadins Gipfeln
in Wolken Rosen blühen,
dringt aus deines Liedes
Knospe Wohlgeruch.
Fällt aufs Lid des Schnees
ein rotes Blatt, schwebt stumm
dein Bild herauf im Teich,
der weiße Flaum des Schwans.
Natur und Kunst I
Wie anders als wallend
die Stufen des Schlafs herab
kann der Muse seidener
Umhang denn rauschen?
Wenn das Wort, eine Mistel
voll dunklen Grams, geistert
in laubichter Höhe, schüttelt
Sturm bald es zu Boden.
Die Kuh mit Heras Augen
ist mehr wert als der glotzende
Mann mit Druckerschwärze
am trockenen Gaumen.
Die eitlen Krämpfe der Kunst,
die Nebel zwischen bangen
Herzen, hat Himmels reines
Blau zu Tropfen gelöst.
Drei Rosen
Drei Rosen schenke ich dir,
sie sind nicht weiß,
sie sind nicht rot,
sie sind nur Worte
Grau in Grau.
Drei Rosen schenke ich dir,
sie duften nicht,
sie welken nicht,
in ihrem Innern
glänzt ein Tau.
Drei Rosen schenke ich dir,
sie öffnen sich,
sie neigen sich
vor deinen Schmerzen,
süße Frau.
Einsames Fenster
Ich sah den Tod, eine Mücke,
den Schatten einer Mücke,
in der Gardine verklebt.
Ewig währt aber Licht,
das wie Blicke oder Bäche
herabeilt über die Hügel.
Ich sah dein scheues Auge
glimmen, und das Lid
der Nacht senkte sich schon.
O komm dort mir entgegen,
über die Brücke aus Wasser
und Schwanenlicht.
Ich sah das weiße Linnen
des Schnees gebreitet
auf schlafende Krumen.
Und aus blauer Tiefe
fiel der Rose rötlicher
Tau in die Stille.
Schlaflos
Unter so viel Lidern
Atem,
Halmes
Gebet.
Wurzel,
Schweige-
Knoten.
Knospen,
Zweiges
Rätsel.
Schatten,
duftlose
Dolde.
Wasser,
Mondes
Grab.
Blüte,
Staubes
Wahn.
Auge,
blindes
Wort.
Verbotene Verse
Frauen und Blumen
Für Eugen Gomringer
Die hinneigt den Schoß
den Blitzen der Nacht,
dem Sperma des Lichts,
geduldige Rose.
Und Tränen tropfen
von zitternden Lippen,
von Wimpern des Traums,
jungfräuliche Lilie.
Aufreckend zum Herrn
die Knospen roter,
weißer Brüste, Päonie,
o Sklavin des Dufts.
Mondtau des Stachels,
Blutsaum der Wildnis,
Hymnus der Schatten,
demütige Distel.
Was duftet den Schmerz
in purpurnen Seufzern,
von Hufen zerdrückt,
o Veilchen des Pan.
Die Weide
Du trinkst die graue Milch,
der Erde Seufzer.
In deinem grünen Schoß
gähnt feist der Mond.
Schwebt heran der Schwan,
spinnst du Silbergarn.
Kitzelt dich die Sonne wach,
bläst du Fäden Gold.
Schnäbel kämmen deine
Mädchensträhnen.
Starr äugst Wolken du
beim Weinen nach.
Dem rauhen Mund lallt Glanz
die Honig-Zunge.
Hoher Trauer tropfen deine
tausend Wimpern.
Frühling zupft dir vom Finger
Flimmer-Flusen.
Sommer schamponiert dein Haar
mit grünem Schaum.
Vor deiner späten Glut
steht beschämt der Tod.
Du entschwebst ein Schneegespenst
in blaue Nacht.
Die nur gackern und nicht brüten
Tohuwabohu
überm Rinnsal des Aborts,
obszöner Dunst
vor dem geistigen Abend
des Lilienlichts –
das glauben sie
dem Blutwolf zu schulden
und den Lämmern,
die er gerissen.
Als könne man ihrer
würdig gedenken
durch Zerpflücken
der inneren Rose.
Ausgerenkter Versfuß,
erwürgter Reim,
verätzte Bilder,
Unzucht mit Allegorien –
damit glauben sie
dem Kitschwulst
des Klumpfußes,
blutleeren Bälgern,
sterilen Zelluloidküssen
noch tausend Jahre
widerstehen zu müssen.
Als könne man
dem weißen Rausch
durch den schwarzen
wehren,
als könne man die Ödnis
durch Selbstverwüstung
wässern,
verbranntem Fleisch
durch Selbstzerfleischung
Abbitte tun.
Spucken
auf das Schöpfungsei,
Zerdeppern
gesprenkelten Geleges,
das im Nest des Mondes
schaukelt,
ist Unart der Unfruchtbaren,
die nur gackern
und nicht brüten.
Die Kiefer
Einsam auf Felsen,
überm Strandhafer
dem Wind ergeben,
beschwöret fein gefiedert
dein Seher-Geist
die Wunder-Zapfen.
Aus deinen Harzen
buk Erdendunkel
Tränen hellen Amber-Steins.
Bacchisch sang die Nacht,
wenn loses Mädchenhaar
wie deiner Späne
betörender Rauch
wild im Tanz gelodert.
In deines Daches Schatten
fand der Hauch der Flöte
entschlummernd sich das Lied.
In Finnlands Dämmerschnee
rötest du mit Christi Blut
die Wehmut des Verirrten.
Dem dunklen Schmerz
der Bukowina
durchbohrest
knotig du das Kreuz.
Germaniens Nebel
tauchen silbern
deine schlanken Pfeiler
ins Gebet des Morgenlichts.
In Kyotos Schreinen,
wo geschwisterlich
der Kirschbaum blüht,
streckst du
die grünen Arme
nach dem Ahn der Dichtkunst aus.
Überlallt von Blut
Hier ist das Lied
mit Lehm vergoren,
überlallt von Blut.
Es können Gott
nur Zungen nennen,
überträumt von Glut.
Hier ist das Bild
verwischt von Tränen,
blättert ab das Blau.
Es neigt der Schwan
das Haupt ins Wasser,
Weiß zerfließt in Grau.
Hier löscht den Kuß
der Hauch von Lippen,
Wort verblaßt im Mund.
Rose hebt den Kelch,
gefüllt mit Seufzern,
bang zum Himmelsrund.
Was ich sah III
Ich sah im dunklen Hof
ein rotes Blatt
und dachte dein.
Verglühter Kuss,
von Sommers Lust
der Widerschein.
Ich sah am welken Halm
die Biene starren
nach dem Tanz.
O süße Lieder,
Herzens Waben
fülltet ihr mit Glanz.
Ich ging den alten Pfad,
verschlossen war
das Gartentor.
Ihr Blüten uferlos,
blaue Lüfte,
wo ich mich verlor.
Ich sah vorm Hochaltar
ein Weiblein knien
wurzelkrumm.
Ihr weißen Engel,
ihr grauen Tauben,
seid ihr alle stumm?
Küßt du mich bald, Undine?
Lippe und Wabe,
von Süße umglänzt.
Träne und Flamme,
verrinnest im Schlaf.
Seh ich dich bald,
Meeresbläue
unter Himmels
zitterndem Lid?
Krokus und Veilchen,
betauest den Schmerz.
Veilchen und Krokus,
ihr Töchter des Lichts.
Hör ich dich bald,
Eilands Schilf,
äolischen
Odems Zunge?
Myrte und Lilie,
umschauerst das Leid.
Lilie und Myrte,
ihr Schwestern des Monds.
Küßt du mich bald,
Undine,
hinab in
die Nacht deines Haars?
Blatt,
von Schatten
genährt,
von Feuern
beschrieben.
Sind verglüht
Inschrift und Tau,
legst du wieder
dein Gold auf das Herz.
Moos,
vom Schweigen
bewässert,
von Flocken
gewärmt.
Sind getaut
Sporen und Schnee,
gibst du Schritten
der Seufzer Geheiß.
Schilf,
grüner Pfeiler
des Himmels,
Syrinx
der Lüfte.
Sind erfüllt
Brunnen und Nacht,
schmiegst du wieder
dich Pan an den Mund.
Gaukelei
Licht hat Perlen,
tränengroß,
glänzen mir auf
Blattes Schoß.
Nacht hat Stimmen,
vogelzart,
krallen sich mir
in den Bart.
Tag hat Knospen
mir vertraut,
öffnen Augen
einer Braut.
Morgentauben picken
liebe-blaß
Verse an mein
Fensterglas.
Abendröte gaukelt
warm und licht
an die Wände
dein Gesicht.
Die Male dämmern
Wellen, Stimmen,
uferlos.
Schmiegt dein Leid
Myrtenschatten
noch um mich?
Stimmen, Wellen,
dunkler Schaum.
Meint ein Stern,
derselbe Blick noch
dich und mich?
Aschen sangen,
grauer Mund.
Schenkt dein Lied
mir jemals wieder
Rosenglut?
Rosen tranken
Schmerz und Tau.
Wird ein Schnee
im Abschied glühen
purpurrot?
Basaltne Male,
überschneit.
Gestöber stumm,
die Male dämmern
namenlos.
Der ausgeblühte Mund
Sind es noch die Gemeinten,
da einst das Wort sie verließ?
Das Schild ist abgeblättert,
der Name durchgestrichen.
Das Fenster ist eingeschlagen,
flogen Schwalben hindurch?
Die Tapeten sind abgerissen,
wo weilen die Getreuen, wo?
Stimmen hörst du keine vertraut,
nur Zwitschern ängstlicher Brut.
Wirbel von Kalk im Gegenlicht,
wortlos stapft ins Weglose Zeit.
Die Zunge blütenleeren Winds
leckt vom tauben Blatt den Tau.
Ich aber bleibe bei euch, sind
sieʼs noch? Das Zimmer ist leer,
flackert es auch von Schatten,
die von grauen Mauern bröckeln.
Bei euch alle Tage bis ans Ende,
ist ausgeschüttet nicht, leer
bis auf den Grund, der hohe Kelch,
als der sich darbot das Wort?
Bis an das Ende der Welt, leer,
wie der ausgeblühte Mund
der weißen Winde unter dunklen
Wassers Mond, bin ich bei euch.
Wie es hier ist
Was hier übers Ufer gelangt
und was noch glänzt, matt
irisierend noch eine Weile,
ist ein toter Fisch.
Was für bare Münze gilt,
als schillerten golden Schuppen,
in Hochglanzfotos gewickelt
der tote Fisch eines Traums.
Splitter von Nagellack, du aber,
abgeschnittene Locke, verklebtes Lid,
du hast, Spange, aus dem Haar gerutscht,
Worte des ewigen Lebens.
Was da nicht zergeht auf Zungen,
Worte, nicht blutig zerbissen,
in Herzkammern verbrannt,
Worte des ewigen Lebens.
Hier ist die Taube tot, die hoch
noch flattert, Gurren aber dunkel,
schwarz der Sonne Sinn, die Wege
weich von vergeßlichem Moos.
Die über die Wange rann,
unbewußt, die Spur der Schminke,
Träne sprachʼs, des Dunklen Glanz,
für uns, für keinen, für sich.
Halme, Gräser, Zeichen
Halme, Gräser,
aus Polstern starrend von Schnee,
übrig gebliebenes Leben,
Scheinexistenzen,
dürre Schemen,
zitternd im Wind,
verglühten Sommers
karge Spuren,
schmucklose.
Nicht einmal sie selbst,
Halme und Gräser –
Schatten der Halme,
Schatten der Gräser,
unwirkliche Linien im Schnee,
Spuren von Spuren.
Leicht verwischt,
wenn Wind geht,
und lesbar wieder
in der Eintönigkeit
stillen Lichts.
Schnee,
weiß wie das Ungesagte,
Schatten,
grau wie das Sagbare.
Wind,
unverständiger Leser,
der die Zeichen veruntreut.
Wahr scheint
das Licht,
das mit Schatten schreibt
vom Sinnrest des Lebens.
Dasselbe Licht,
das den Schnee schmilzt,
die Schatten weckt,
die Zeichen überschreibt.
Und Feuchte zieht
in dürre Halme,
grüne Zierde
ins Gras.
Behaupten sich
Halme, Gräser
aus belebtem Grund,
sagen sie selbst,
schattenlos,
sich aus.
Wind wird sie lesen,
selbst wenn er sie biegt
und sie zittern.
Monolog der einsamen Mütze
Wie ich den Sommer hasse, dies grüne Leben,
wie schmachtend Strahl sich auf der Welle suhlt,
wenn Blumen nackend sich dem Winde biegen,
was Bienen, ganz von süßem Duft verdummt,
halb schlafend ins Ohr der weißen Nesseln schwätzen.
Wie gut, daß Dämmer eines Schrankes mich umhüllt,
und nur durch Ritzen Schimmer milchig sickern,
wo Dunkelheit das flackernde Geschrei erstickt.
Und ist das Holz so alt und modermuffig,
sinkt Flieders Atem süßlich durchs Gebälk,
wenn die das Herz zerfleischen Schnäbel kratzen
ins Blau des Himmels Streifen von Gesang.
Wie ich den Sommer hasse, dies geile Hecheln
und Überschnappen, wenn strotzend Busch und Gras
die Augen hissen rot und gelb und Knospen
das Maß des Anstands überschwellen, geplatzt
von zu viel Sonnenkitzel Keime schütten
und Flaum und Schaumes Fieder findet Wehr
nicht mehr am Gartenzaun, hoch zwitschernd quellen
aus Nest und Erdenloch die Rufe, heiß
und naß an wilde Ohren, wilde Mäuler.
Am ärgsten widert Schamlosigkeit
mich an, da frechem Wind und blanken Strahlen
Gekringel blonder Locken luftig glänzt
und meiner weichen Hut fatal entrissen
wollüstigem Gaffen preisgegeben ist.
Ach einst die zarten Ohren, frostgerötet,
entblößten Muscheln kann den feuchten Lärm
geistlosen Raschelns, Lallens, Stöhnens
des Sommerfiebers nicht ich dämpfen,
vor Phrasen kitschig angemalten Munds
in schwüler Nacht abschirmen nicht.
Ich denke traurig der in Fächern unten
verkrochnen Freunde, des dicken Wolle-Schals,
des Handschuhpaars: Wie mag es ihnen gehen?
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